Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 6 (1903) Basel, 23. bis 28. August 1903
- Date
- 1903-01-01
- Page
- Seite 150 (sequence 151)
- Language
- German, English, Hebrew
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/3476254-3476266--1994-3478132- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Odesa 1× ep/1000834
OCR text
- 150 — in Odessa seinerzeit darüber Beschlüsse gefasst hat, was die Ica in Paris tun soll. Wiederholen wir diesen Fehler nicht noch einmal. Es wurde unter anderem auch der Antrag gestellt, man solle eine Kommission einsetzen, und wenn sie etwas Positives zutage fördere, solle man nicht einen Zionistenkongress, sondern einen allgemeinen Judenkongress einberufen. In dem Momente, wo wir eine Unterscheidung machen zwischen Judenkongress und Zionistenkongress, sagen wir aber, dass wir nicht die Führer des jüdischen Volkes sind und dass wir, wenn es sich um praktische Fragen handelt, die für das jüdische Volk von Bedeutung sind, nicht entscheiden können, sondern einen allgemeinen Judenkongress einberufen müssen. Man hört hie und da: Als Jude muss ich so sagen, als Zionist muss ich so sagen. Meine Herren, das ist ein gefährlicher Satz, das heisst, dass wir eine Partei unter den Juden bilden (Beifall), eine Partei, deren Parteiinteressen mitunter auch den jüdischen Interessen widersprechen können. Damit haben wir aber das ganze Baseler Programm nicht dem Wortlaute nach, sondern seinem innern Sinne nach verletzt und haben aufgehört, Repräsentanten des jüdischen Volkes, sogar im philosophischen Sinne des Wortes zu sein. Bevor wir das Gebäude, das wir mit vieler Mühe aufgebaut haben, zerstören, müssen wir behutsam sein. Vizepräs. Dr. Nordau: Herr Rechtsanwalt Rosen bäum, es sind 64 Redner eingeschrieben. (Ruf: 76!) Mir liegt ein Antrag auf Beschränkung der" Redezeit noch nicht vor, aber Sie können den Umstand, dass Sie als erster eingetragen sind, nicht dazu benützen, in das Endiose zu sprechen. Ich bitte Sie daher, dass Sie sich sehr kurz fassen, sonst werden schliesslich 70 andere Redner nicht zu Worte kommen. Del. Dr. Rosenbauni: Ich werde wahrscheinlich bald am Ende sein. Vizepräs. Dr. Nordau: Ich gebe es nur Ihrer Berücksichtigung anheim. Vorläufig habe ich keinen Antrag auf Zeitbeschränkung. Sie hören aber, dass 76 Redner eingetragen sind; auf die müssen Sie Rücksicht nehmen. Del. Dr. Rosenbaum: Meine Damep und Herren! Nur eine einzige Bemerkung noch, und die gilt unserem geehrten Herrn Präsidenten. In einer der früheren Sitzungen wurde hier ein Dokument verläutbart, in welchem sich eine Frau darüber beklagte, dass man sie unvorsichtigerweise zur Emigration veranlasst hätte, wobei sie und ihre Familie Schaden erlitten hat. Ich bitte unsern Herrn Präsidenten, an dieses Dokument zu denken. Die Verantwortung soll er auf sich nicht nehmen, dass nach zwei Jahren vielleicht hunderte von solchen Dokumenten hier sein werden. (Beifall und lebhaftes Zischen.) Del. Cyrus Sulzberger (spricht englisch). Vizepräs. Dr. Nordau (übersetzt): Ich will den Gedankengang der Rede des Herrn Sulzberger kurz zusammenfassen. Herr Sulzberger warf einen Rückblick auf die jüngsten Ereignisse, die Ihnen allen nur zu bekannt sind, und entwickelte daraus seine Gründe, aus denen er die Annahme des Vorschlages der ostafrikanischen Kolonisation empfiehlt. Er sagte: In England leben zur Zeit ungefähr 110 000 Judeivin einem Lande von ungefähr 40 Millionen Einwohnern. Das genügte,- um die Einsetzung einer fremdenfeindlichen oder der fremden Einwanderung entgegengesetzten Kommission herbeizuführen. In New-York allein leben zur Zeit 540 000 Juderl. Mr. Sulzberger fragt: Glauben Sie woM, dass, wenn diese Zahl sich in weiteren zwanzig Jahren in demselben Verhältnisse vermehrt, in dem sie in den letzten zwanzig Jahren gewachsen ist, nicht auch Amerika eine Bewegung gegen die Einwanderung nicht erwünschter Fremder, d. h. wesentlich der Juden, entstehen würde? (Zustimmung.) Ich für meinen Teil, sagte Mr. Sulzberger, freue mich über den" Charakter und die Stärke der bisherigen Einwanderung der Juden. Ich habe auch nichts dagegen, dass