Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 6 (1903) Basel, 23. bis 28. August 1903
- Date
- 1903-01-01
- Page
- Seite 149 (sequence 150)
- Language
- German, English, Hebrew
- Belongs to
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— 149 — lische Volk, das uns Autonomie gewähren will, welches sagt, wenn ihr unter unserer Oberhoheit sein werdet, könnt ihr nach eurer Meinung euch einrichten — dieses Volk, heisst es, wird es uns übel nehmen, dass wir in diesem Saale, bevor wir unter seiner Oberhoheit stehen, eine Frage nach unserm Gutdünken behandeln! Das ist nicht richtig. Ich glaube, in dem, was bis jetzt in diesem Saale geschehen ist, in den Resolutionen, die Ihnen zur Abstimmung vorgelegt werden, findet cjas Gefühl welches uns alle jetzt erfüllt, genügenden Ausdruck, das Gefühl der unendlichen Dankbarkeit für das englische Volk und seine Repräsentanten, aber wir haben doch nicht an das englische Volk zu denken, sondern müssen an das jüdische Volk denken. Und wissen Sie, wTas im jüdischen Volke entstehen wird? Gestatten Sie. dass ich Ihnen eine kleine Tatsache in Erinnerung bringe. In den Zeitungen, die nicht dazu autorisiert waren, ist ein ganz unbestimmter Hinweis auf Paris enthalten gewesen. In unserm offiziellen Organe, in der „Welt", war noch kein VVort darüber, später ist sogar die Nachricht dementiert worden, und dennoch war unter den Juden eine ungeheuere Aufregung entstanden. Wissen Sie, mit welcher Ungeduld dieser Kongress erwartet wurde? Wissen Sie, wie man gezittert hat, als man hörte, dass es mit El-Arisch nichts sein wird? Und jetzt sollen wir Beschlüsse fassen, die nichts anderes bedeuten, als dass das jüdische Volk in seinem durch seine Leiden hervorgerufenen Optimismus, der durch diese Ungeduld verstärkt wird, getäuscht wurde. Das jüdische Volk wird die Sache so deuten, dass der Kongress ihm etwas versprochen hat, was er auch zu halten verpflichtet ist und im Verlaufe dieser eineinhalb bis zwei Jahre wird das Volk mit der grössten Ungeduld darauf warten, was der nächste Kongress bringen wird, und wenn er nichts bringen wird, wird eine so ungeheure Enttäuschung entstehen, dass wir die Verantwortung dafür nicht auf uns nehmen können. Was wird das jüdische Volk von den Personen denken, welche sich die Repräsentanten desselben nennen, und die es nach seiner Meinung schon einigemale getäuscht haben? Mit Palästina ist nichts ^gewesen, mit El-Arisch ist nichts gewesen, mit Ostafrika wird wahrscheinlich auch nichts sein, und da stehen unsere Führer, welche alle unsere Resolutionen kritisch behandeln, welche sagen, dass sie allein nur wissen, welches Mittel dem jüdischen Volke helfen kann. Ich glaube, wir werden unserer Sache und dem jüdischen Volke viel Schaden anrichten, wenn wir bloss — wie soll ich sagen? — Quasi-Mittei bringen und Quasi-Anträge stellen werden, die nicht darauf abzielen, dass wirklich etwas erreicht wird, sondern die nur den Zweck haben, mit der Sache irgendwie fertig zu werden. Es wird seitens des Präsidiums beantragt, wir mögen eine Kommission einsetzen. Ich habe nicht verstanden, worum es sich handelt. Ich habe den Herrn Präsidenten befragt, er hat mir die Antwort verweigert und hat gesagt, in der Debatte wird darüber gesprochen werden. Es handelt sich darum, dass wir eine Kommission wählen, der alle Vorschläge vorgelegt werden, damit diese ihr Gutachten abgebe, bevor wir abstimmen. Dagegen habe ich nichts. Wenn es sich aber um eine ständige Kommission handelt, welche im Laufe eines bis lV-- Jahren die Sache zu erforschen hat, so kommen wir damit zu dem jüdischen Volke und sagen ihn:: Es ist etwas Ernstes, was ergründet und erforscht werden soll. Wir sagen aber damit auch: die prinzipielle Seite ist bereits gelöst, wir gehen nach Ostafrika, wenn die Kommission findet, dass das Land gut ist. die zionistische Seite interessiert uns nicht mehr. Und das sagen wir, bevor wir wissen, dass die Kommission uns etwas Reelles geben wird. Es sind auch Anträge dahin gestellt worden, der Kongress solle die Sache anderen jüdischen Institutionen übergeben, z. B. der Ica. Ich habe Ihnen schon früher gesagt, was für Empfehlung das für die Ica sein wird, dass von kongresswegen so etwas gesagt wird, aber wir werden uns jedenfalls — ich kann keinen andern Ausdruck gebrauchen — lächerlich machen, wenn wir darüber Beschluss fassen, was die Ica tun soll. Ich erinnere daran, dass schon die Konferenz