Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 6 (1903) Basel, 23. bis 28. August 1903
- Date
- 1903-01-01
- Page
- Seite 146 (sequence 147)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 146 — (Nachmittagssitzung.) Beginn: 5 Uhr nachmittags. Präs. Dr. Herzh Ich eröffne die Sitzung. Del. Rabbiner Dr. Nobel: Geehrter Kongress! Ich habe nochmals eine kurze Erklärung zu verlesen, nachdem mir bereits heute früh Gelegenheit gegeben war, sachlich zur Rede des Herrn Zangwill Stellung zu nehmen. (Liest:) „Erklärung. Die Misrachim und Gesinnungsgenossen legen hierdurch aufs nachdrücklichste Verwahrung ein gegen diejenigen Abschnitte der Rede Zangwills, in denen religiöse Probleme in einer für das jüdische religiöse Bewusstsein verletzenden Weise besprochen werden. Sie geben der bestimmten Erwartung Ausdruck, dass in Zukunft die Aufwerfung solcher Fragen auf dem Kongresse vermieden wird, indem sie darin die Vorbedingung für ein gedeihliches brüderliches Zusammenwirken aller Zionisten erblicken. (Beifall/' — Widerspruch.) Del. Zangwill (spricht englisch). Del. Kessler (übersetzt): Herr Zangwill sagt, dass die Rede, welche er gehalten hat, keine religiöse war, sondern eine volkswirtschaftliche. Er wollte, obwohl er selbst nicht orthodox ist, die Orthodoxen durchaus nicht angreifen, im Gegenteil, er betrachte sie durchaus als seine Brüder. (Lebhafter Beifall.) Er erinnerte dann an die Gemeindeabgaben, Schulabgaben, Beerdigungsabgaben und dergleichen. Wenn er das erwähnt hat, so war das auch, trotzdem es mit der Religion zu tun hat, doch eine volkswirtschaftliche, eine ökonomische Frage. Herr Zangwill sagte u. a., dass, wenn er an das Gleichniss von ben Sakkai erinnerte, er an den lebendig Begrabenen dachte, das ist der Geist des jüdischen Volkes, welcher das jüdische Volk lebendig erhalten hat. Wenn Sie darauf aufmerksam machen, dass ben Sakkai Recht hatte und Zangwill nicht, so müssen Sie doch gestatten, dass er daran erinnerte, denn es ist eine politische und nicht religiöse Frage, wer von den Beiden recht hatte. Die Gomorrha selbst habe mehr gegen ben Sakkai gesprochen als Zangwill. Del. Dr. Kahn (übersetzt): Herr Zangwill vertritt den Standpunkt, dass er in seiner Rede durchaus keine religiöse,' sondern lediglich eine politische Kritik geübt habe. Eine solche politische Kritik ist in der Gomorrha in einem viel stärkeren Masse vorgekommen. Die Herren von der Misrachi-Partei erinnern sich gewiss an den betreffenden Satz. Es war also eine Kritik, nicht vom religiösen, sondern vom politischen Standpunkte, weil man gedacht hat, er hätte eine freiheitliche Bewegung, einen freiheitlichen Staat, wenigstens eine Gemeinde erringen können, er hat aber nur eine Jeschiwa errungen. Ich bin davon überzeugt, dass Z a n g w i 11 für die Erhaltung des Judentums ben Sakkai ebenso dankbar ist, wie die Misrachi und wir alle. Del. Kessler (übersetzt): Maimonides selbst, einer der grössten Denker, musste sich lange Zeit für einen Mohammedaner ausgeben ... Präsident: Ich bitte, damit ist dieser Zwischenfall, 'wie ich hoffe, erledigt. (Beifall.) Del. Temkin (übersetzt ins' Russische). Del. Dr. Jacobsohn: Der Zionistenverein in Marianpol und sein Delegierter schickt 100 Rubel zur Eintragung des Kongresses in das Goldene Buch. Ebenso der Verein deutscher Zionisten 100 Rubel zur Eintragung des