Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 6 (1903) Basel, 23. bis 28. August 1903
- Date
- 1903-01-01
- Page
- Seite 145 (sequence 146)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 145 — der Name Jochanan ben Sakkais gefunden hat, indem Herr Z a n g \v i i I sagte, der Sarg, in welchem sich Jochanan ben Sakkai lebendig in das römische Lager schaffen liess, sei das Symbol gewesen des lebendigen Todes, der fortan die Zukunft seines Volkes sein sollte. (Lebhafte Rufe: Das ist auch wahr! — Schlussrufe.) Haben Sie die Güte, meine Herren, mich aussprechen zu lassen. Die Auffassung der religiösen Mission, die Jochanan ben Sakkai in der jüdischen Geschichte hat, ist zugleich eine religiöse Frage. (Stü rmisch e r Widerspruch.) Präs. Dr. Herzl: Herr Dr. Nobel, ich habe Ihnen das Wort zu einer kurzen Bemerkung gegeben. Es ist daher Ihre Pflicht zu schliessen. Del. Dr. Nobel: Ich füge mich der Weisung des Präsidiums und behalte mir vor, auf die sachliche Kritik der Rede Z a n g w i 11 s in der Diskussion einzugehen. (Beifall. — Lebhaftes Zischen.) Del. Zangwill (mit lebhaftem Beifall und Händeklatschen begrüsst. — Spricht Englisch). Vizepräs. Dr. Nordau (übersetzt): Mr. Z a u g w i 11 erwiderte auf die Erklärung des Herrn Dr.' Nobel kurz folgendes: Er hatte keinen Augenblick lang den Gedanken gehabt, von Religion zu sprechen. Es ist die Eigentümlichkeit der Verfassung des jüdischen Volkes, dass darin Religion und Politik unauflösbar mit einander verquickt sind. Es ist unmöglich, von einer jüdischen Angelegenheit zu sprechen, ohne dass jeder bemerkt, dass sie sowohl eine religiöse, als auch eine politische Seite hat. (Hört, hört!) Die religiöse Seite wollte Mr. Zangwill in keiner Weise berühren oder anschneiden. Er wollte die Frage lediglich von der politischen Seite betrachten. Als Festleger der Grundsätze der jüdischen Religion nach der Zerstörung des Tempels verehrt Mr. Zangwill Rabbi Jochanan ben Sakkai genau so wie irgend ein anderer frommer Jude. (Lebhafter Beifall.) Aber Rabbi Jochanan ben Sakkai war zugleich ein Politiker. Seine Tat war ebensosehr eine politische wie eine religiöse, und Mr. Z a n g w i 11 nimmt es als das Recht eines Geschichtskritikers für sich in Anspruch, lediglich die politische Seite der Tätigkeit ben Sakkais einer Erörterung zu unterziehen. Er meint, dass, wenn es ganz unzweifelhaft ist, dass Rabbi ben Sakkai die jüdische Religion gerettet hat, es nach seiner Ansicht ebenso unzweifelhaft ist, dass er das jüdische Volk ISOOjährigem Leiden überliefert hat. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Rechtsanwalt Rosenbaum: Ich habe früher die Frage gestellt, ob irgend ein Mandat annulliert worden ist. Man hat mir gesagt: Nein! Nun sind eine Menge Delegierter aus Amerika gewählt worden, die in Russland wohnen, und ich frage, ob diese Delegierten den Sitzungen der englischsprechenden Delegierten beiwohnen können. Präs. Dr. Herzl: Zweifellos, die Frage ist entschieden zu bejahen. Der Perrnanenzausschuss wird dringend aufgefordert, sich jetzt zu versammeln. Die nächste Sitzung findet nachmittag um 4 Uhr statt. — Ich schiiesse jetzt die Sitzung. (Schluss der Sitzung: 1 Uhr nachmittags.) 10