Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 6 (1903) Basel, 23. bis 28. August 1903
- Date
- 1903-01-01
- Page
- Seite 135 (sequence 136)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 135 — und zu verlieren haben, mit demjenigen vergleiche, welches ein Kind meiner eigenen Schöpfung, der König der Schnorrer, vorbringt. Dieser erlauchte Mann, der auf seine lange Ahnenreihe so stolz ist, wurde von seinem Satelliten ad latus Jankele um die Hand seiner Tochter gebeten. Aber der König der Schnorrer hatte entdeckt, dass Jankele zeitweise arbeite und erschrak über den Gedanken, das Glück seiner Tochter einem Manne anzuvertrauen, dessen Einkommen auf einer so unsicheren Basis wie Arbeit beruhe. (Lebhafte Heiterkeit. — Beifall und Händeklatschen.) Arbeit, bemerkte er, sei nie sieher (Erneuerte Heiterkeit.); es gehe Zeiten der Ebbe und dann wieder gebe es Zeiten der Tätigkeit. Berufszweige würden sich lieben und wieder zurückgehen. Selbst Keichtum sei nicht sicher, denn reiche Leute könnten arm werden; in einer Welt von Wertschwankungen sei bloss der Schnorrer stabil. (Lebhafte Heiterkeit. — Beifall und Händeklatschen.) TTas tue es, wenn reiche Leute zu Grunde gehen. Erstehen doch an ihrer Stelle andere, bei welchen man schnorren könne. (Erneuerte Heiterkeit.) Wenn dieser Vergleich mit dem Schnorrer auch den heimatlosen Juden hart trifft, da er nicht ein Bettler, sondern der zahlende Gast der Nationen ist, in deren Ebbe und Flut er im Sinne dieser Theorie eine unsterbliche Existenz behalten könnte, erseheint er doch nicht als eine ungerechte Zusammenfassung des Arguments, das von manchen Juden oft angewendet wird, um die Verantwortung einer eigenen Nationalität von sich abzuwälzen. AVenn man diese Sache wirtschaftlich analysiert, findet man, dass diese Verpflichtungen nicht nur nicht geringer werden, sondern sich sogar noch vermehren. Unsere Sprachschwierigkeiten auf diesem Kongress, auf dem so viel Zeit und Energie auf die Ueb'ersetzung einer Resolution in vier oder fünf Sprachen aufgewendet wird, sind das beste Symbol der Vermehrung der Schwierigkeiten und der wirtschaftlichen Vergeudung infolge des Mangels eines jüdischen Bodens. (Lebhafter Beifall.) — Um den Ausspruch Joehanan ben Sakkais hier in einem etwas veränderten Sinne anzuwenden: „Unglückliche Nation, du wolltest nicht einen halben Sehekel für den Tempel anbieten und musst deshalb 30 Sehekel dem Staate zahlen." (Lebhafter Beifall.) Diese?A) Sehekel werden in allen möglichen Gestalten gezahlt: pekuniär, geistig und physisch. Die Lage, in welche sich die Juden dadurch bringen, dass sie als isolierte Gruppe in fremder Umgebung leben, ist eine für die menschliche Natur zu schwierige. Alles, was sie in einer so unnatürlichen Lage tun, führt zu falschen Resultaten; die Assimilation z. B., welche die jüdischen Pietisten verunglimpfen, ist selbst in ihren extremen Formen, wie die Aenderimg jüdischer Namen, tatsächlich ein Zeichen bürgerlicher Tugenden. (Lebhafte Zustimmung.) Der Wunsch, den allgemeinen Gesetzen zu gehorchen und sich einem allgemeinen Standpunkte anzupassen, bietet uns die sicherste Grundlage für die Heranbildung eines