Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 6 (1903) Basel, 23. bis 28. August 1903
- Date
- 1903-01-01
- Page
- Seite 126 (sequence 127)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 126 — behandelt, stark reduziert, wenn auch nicht ganz ausgetilgt werden können. Kie würden sich so viele unserer Hoffnungen auf den Zionismus konzentriert haben, wenn dieser nicht die Hoffnung in sich trüge, dass einst der jüdische Staat der Welt die Lösung dieser sozialen Probleme wird bieten können und dass jene Basse, deren erster Gesetzgeber allen andern Gesetzgebern zugleich in Wissenschaft und Erbarmen so unendlich weit vorangeschritten war, wieder einmal einen Steuermann hervorbringen werde, der sie im Lichte der neuen Wissenschaft und der alten Liebe durch neue Zeiten glänzend führen wird. Untreue an den Grundsätzen unseres grossen Lehrers Moses wäre es, wenn wir nun nicht jede moderne Arbeitsmethode ins Werk setzten, um das Ideal eines „gesunden Geistes in einem gesunden Körper" zu verwirklichen und für das Gedeihen nicht sowohl irgend einer bevorzugten Schichte, als vielmehr der Gesamtheit als solcher zu sorgen. Auch bin ich fest davon überzeugt, dass selbst unter denjenigen Wohltätigkeits-Anstalten, von denen ich wohl annehmen will, dass sie dem Mangel an einem eigenen Heimatlande nicht zuzuschreiben sind, viele bestehen, deren Tätigkeit stark eingeschränkt werden könnte, wenn die Juden wiederum zu einem Yolk auf eigenem Boden würden, abgesehen davon, dass eine bessere Organisation des sozialen Wesens solche überhaupt vermindern würde. Dasa viele von diesen Institutionen zum Teil dasselbe Tätigkeitsgebiet haben, eine jede in die Sphäre einer andern übergreift und alle einander ins Handwerk pfuschen, das ist eine Tatsache, die ich, obgleich sie gewiss wahr ist, ebenfalls nicht weiter besprechen will. Ihre Sache ist es, ihre allseitige Einheit zu bewerkstelligen, insofern dies'praktisch möglich ist, etwa nach dem Beispiel, das ihnen jüngst von der Federation der jüdisch-amerikanischen Wbhltätigkeitsanstalten gegeben wurde. Selbst wenn sie sieh zur zionistischen Bewegung abwehrend verhalten, so dürfen sie doch von dieser Einigkeit und Konzentrierung lernen. Es ist charakteristisch für Juda, dass erst eine Katastrophe wie die von Kischenew eintreten muss, wenn seine philanthropischen Korporationen auf den. Gedanken kommen sollen, üire Kräfte zu vereinigen. Ja, selbst bei der kürzlich nach Berlin einberufenen internationalen Konferenz über Kischenew, wo unserm Zionistenkongress die Ehre einer schmeichelhaften ISTachahniung zu Teil wurde und wo sieh Bepräsent anten der Jewish Colonization Association mit Mitgliedern der Alliance Israelite, der Anglo-Jew^ish Association, der israelitischen Allianz zu Wien, ebenso wie der Hilfsvereine der deutschen und russischen Juden usw. usw. zusammenfanden, wurde im voraus grundsätzlich bestimmt, dass keine einzige der von der Konferenz angenommenen Besolutionen für die dort vertretenen Korporationen bindend sein sollte. Wir mögen dieses gegenseitige Misstrauen bedauern, wie wir die Eifersüchteleien zwischen den verschiedenen Hilfsvereinen der deutschen Juden und der deutschen Zweige der Alliance beklagen, allein fern sei es von uns, dass wir den philanthropischen Wert der Tätigkeit all dieser