Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 6 (1903) Basel, 23. bis 28. August 1903
- Date
- 1903-01-01
- Page
- Seite 127 (sequence 128)
- Language
- German, English, Hebrew
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Institutionen leugnen, wenn diese auch eine volkswirtschaftliche Verschwendung bedeuten. Insofern jedoch, als diese Institutionen eine Tätigkeit ausüben, die unnötig würde, wenn wir ein eigenes Land hätten, die aber, wie die Dinge jetzt stehen, ewig zu währen verspricht, gleich wie wenn man in ein löcheriges Fass giessen wollte, so haben wir das Recht, zu verlangen, dass die Lösung dieses Problems höher gefasst werde und zwar so, dass das Loch im Fasse gestopft wird. (Lebhafter Beifall.) Wenn indessen auch diese Körperschaften fortfahren, an diesem Problem herumzukünsteln und es fort und fort nur provisorisch zu lösen, indem sie immerwährend Fehler gut zu machen haben, die sie einfür allemal hätten vermeiden können, so müssen wir doch gestehen, dass ihre Hilfe, wenn auch weniger endgültig als die unsere, — bis jetzt wenigstens — eine raschere gewesen ist. Erst wenn sie eine Politik betreiben, die unseren Bestrebungen gerade entgegensteht und unsere Bewegung direkt beliindert oder aufhält, so z. B., wenn sie Juden aus Palästina wegschaffen, dann haben wir das Recht, sie auf Leben und Tod zu bekämpfen. (Stürmischer Beifall.) Und wenn, wie dies in Berlin geschah, die Schlauköpfe in ihrer gemeinsamen Weisheit sich einhellig gegen die Politik der Emigration als der Lösung der Judenfrage erklären, und sogar übereinkommen, ihr auf jede nur denkbare Art Widerstand zu leisten, dann ist es doch augenscheinlich unsere Pflicht, ihnen auf jede nur denkbare Art Widerstand zu leisten. (Stürmischer Beifall.) Die einzige Emigration, die ihre Zustimmung hat, ist offenbar die Emigration aus Palästina. Die bona fides der Jewish Colonization Association, deren Daseinsgrund doch allein die Emigration ist, erfährt eine ganz merkwürdige Beleuchtung dadurch, dass ihre Vertreter für eine derartige Resolution gestimmt haben. Anti-Emigrationspolitik mag ja patriotisch sein; so hat sich z. B. soeben in Irland eine Anti-Emigrationsgesellschaft gebildet, die den Zweck verfolgt, die Irländer davon abzubringen, dass sie ihren eigenen Boden verlassen. Unsere Anti-Emigrationsgesellschaften haben den Zweek, unser Volk von der Gewinnung eines eigenen Bodens abzuhalten. (Stürmischer Beifall.) Wir haben es hier mit unserem alten Freunde zu tun, dem Dogma nämlich, dass die Judenfrage in jedem Lande einzeln gelöst werden kann, ein Dogma, welches ich später von volkswirtschaftlichem Gesichtspunkte aus erörtern werde. So viel über die Institutionen, die durch unsere Bewegung nicht aus der Welt geschafft werden. Es gibt aber deren nicht wenige, welche schon durch die Rückkehr unseres Volkes auf seinen Boden an sich sofortverschwinden müssen, während schon allein die zielbewusst organisierten Bestrebungen, einen eigenen Boden zu gewinnen und ein Zentrum politischer Macht zu schaffen, die Tätigkeit vieler anderen als lächerlich, überflüssig und kleinlich erscheinen lassen.