Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 6 (1903) Basel, 23. bis 28. August 1903
- Date
- 1903-01-01
- Page
- Seite 106 (sequence 107)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 106 — Nun ist diese W.endung da, und man hätte erwarten dürfen, dass der grosse Moment auch ein grosses Geschlecht finden werde. Ich gestehe offen, dass wir vor den Fragen, die nun neu vor uns aufgetaucht sind, neu und in solcher Grösse,, im ersten Momente förmlich erschauert sind, unter dem Drucke der Verantwortung, die auf uns lastet. Wir hätten also geglaubt, dass wir ein grosses Geschlecht finden werden, leider aber findet sich nur ein kleines, ein sehr kleines Geschlecht. Ich führe das nur auf den Umstand zurück, dass wir ja doch nur ein Gelegenheitsparlament sind, und dass — wir werden bei dem Punkte „Organisation" noch darauf zu sprechen kommen — der heutige Kongress einigermassen an Hypertrophie leidet. Wir sind unserer zu viele. (Zustimmung.) Und wir behindern uns gegenseitig in den Beratungen. Um nun auf die Hauptfrage, nämlich darauf, wie wir uns als Kongress, als Ganzes zu dem Rechenschaftsberichte zu stellen haben, näher einzugehen, gestehe ich vor allem, dass ich von der Fülle desjenigen, was geschehen ist, überrascht bin, wenn ich auch einigermassen — auch das gestehe ich hier ganz offen — enttäuscht bin darüber, dass die Resultate doch nicht diejenigen sind, die wir erwartet haben. Denn, meine Damen und Herren, leugnen wir es nicht: Ebenso wie durch verschiedene neue Richtungen in unserer Partei, durch das Auftreten von Bestrebungen und Unterströmungen versucht wurde, das gerade Ziel des Zionismus zu verrücken, ebenso ist auch in dieser Debatte zum erstenmale eine Idee aufgetaucht, die sich uns quer in den Weg legt. Es ist gestern die Bemerkung gemacht worden, aus der Rede des Präsidenten des A.-C. gehe hervor, dass wir Kolonialpolitik treiben wollen, bevor wir das Land haben. Diese Bemerkung ist sehr richtig. Ich fürchte, dass, wenn einmal die allergeringste Konzession gemacht wird, wenn einmal gesagt wird, wir brauchen ein Nachtasyl, oder wir müssen Notstandsaktionen unternehmen .... Vizepräs. Dr. Nordau: Ich bitte diesen Gegenstand nicht zu* berühren, da er einen besonderen Beratungspunkt bildet, für den schon zahlreiche Redner vorgemerkt sind. Del. Dr. Menczel: Nur ganz allgemein! Vizepräs. Dr. Nordau: Ich bitte über den allgemeinen Bericht zu sprechen. Del. Dr. Menczel: Ich kann mir nicht helfen, es ist das allgemein. Ich gehe ja nicht in die Detaile des Projektes über, Herr Doktor, sondern spreche im allgemeinen. Ich füge mich übrigens der Weisung des Herrn Präsidenten und behalte mir vor, auf diese Frage noch näher einzugehen. Ich schliesse diesmal meine Ausführungen damit, dass ich erkläre, dass wir von der österreichischen Landsmannschaft, oder zum mindesten der überwiegende Teil derselben, im grossen und ganzen mit dem Rechenschaftsberichte einverstanden sind, dass wir — ich glaube im Namen meiner engeren Freunde in der österreichischen Landsmannschaft dies aussprechen zu dürfen — den Bericht des A.-C, soferne er eben nicht diesen einen Punkt, auf den ich kurz hier zu sprechen kam, berührt, zur Kenntnis nehmen, und dass wir dem A.-C. das Vertrauen votieren werden. Delegierter Scheinkin stellt die Anfrage, wie sich das A.-C. zu Palästina verhalte. Man hat uns gesagt, wie sich der Sultan zu Palästina verhält, aber nicht, wie das A.-C. Dr. H e r z 1 sagt, dass Palästina das Endziel unserer Bestrebungen sein werde, auch wenn wir nicht in Palästina sind. Palästina soll nicht das „Land unserer Väter'4, sondern unser Land sein. (Beifall und Händeklatschen.) Der Redner fragt dann noch an, warum in der während des Kongresses täglich erscheinenden „Welt" der Wahlspruch des Zionismus nicht wie gewöhnlich aufgedruckt sei. Er will ein Telegramm nach Palästina schicken, in dem er sagt: Unter den Begrüssungstelegrammen wird gewiss auch eines von unseren Brüdern in