Mannheim
Compact Memory

Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1903-01-01 · 6 (1903) Basel, 23. bis 28. August 1903 · p. Seite 102

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
6 (1903) Basel, 23. bis 28. August 1903
Date
1903-01-01
Page
Seite 102 (sequence 103)
Language
German, English, Hebrew
Belongs to
journal volume
OCR quality
99% known words query
IRI
…/3476254-3476266--1946-3478084
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

— .102 — punkt der Bewegung sein muss, nicht alle Mittel erschöpfen, um die Sache zu Ende zu führen. El-Arisch ist aufgegriffen worden im Laufe dieses Kongresses, es ist wieder fallen gelassen worden, ohne dass der Kongress, ohne dass die Delegierten, ohne dass die öffentliche Meinung vollständige Aufklärung über diese Frage hat. Im Interesse des Zionismus, im Interesse des Ernstes, woran ich nicht zweifle, womit unsere Fragen behandelt werden, ist es notwendig, die El-Arisch-Frage noch einer gründlichen Erörterung im Kongresse zu unterwerfen. Das Erste und Wichtigste wäre zu hören, was die Kommission, die El-Arisch besichtigt hat, eigentlich zu sagen hat. Ich formuliere also nochmals meine Frage an das A.-C, und zwar muss ich sie leider teilen. Ich mus_s die Frage eher an das engere A.-C. stellen, denn leider ist das grosse A.-C. nicht genau informiert gewesen, während der Zeit, als über El-Arisch verhandelt wurde. Die Ursache, warum das grosse A.-C. nicht informiert wurde, wird uns wahrscheinlich Herr Dr. Herzl, der Obmann des A.-C. erklären. An anderer Stelle, als hier am Kongress, hat Herr Dr. Herzl eine Rede gehalten, die von verschiedenen Zionisten sehr verschieden ausgelegt wurde. Das Gros der Delegierten fasste die Rede derart auf, dass der Zionismus infolge gewisser Umstände, gewisser Hindernisse, in ein derartiges Stadium trete, dass er sich von nun ab nur mit den sogenannten äusseren Fragen — ich meine mit Schekel- und Aktiensammlung — befassen wird, während alle anderen Fragen, die bisher einen integrierenden Bestandteil des Zionismus bildeten, z. B. die Kulturfrage, eliminiert wurden. So war die Auffassung der Rede von Dr. Herzl, die durch alle jüdischen und zionistischen Zeitungen gegangen ist. Wenn eine solche Anschauung von irggend einem beliebigen Zionisten vertreten wird, so kann das der zionistischen Organisation gleichgiltig sein. Wird aber eine derartige Anschauung vom Präsidenten des A.-C. vertreten, der doch auf diese Versammlung, wie man sich schon genügend überzeugen konnte, einen sehr grossen Einfluss ausübt, so wird die Rede dadurch zu einem Dekret, und eine persönliche Anschauung wird dadurch zum Ausdrucke des Gesamtzionismus gemacht. (Lebhafte Zustimmung.) Ohne darauf einzugehen, ob diese persönliche Anschauung richtig ist oder nicht, möchte ich mich dagegen verwahren, dass die persönliche Anschauung eines Einzelnen — und sei es sogar Herr Dr. Herzl — zur uesamtanschauung des Zionismus werde. (Ruf: Das ist seine Privatansicht!) Es wird mir zugerufen: Die Rede war privat. Sie ist ebensowenig privat, wie Herr Dr. Herz 1 _ejne Privatperson ist. Herr Dr. H e r z 1 ist der Führer des Zionismus und wenn Herr Dr. H e r z 1 eine Rede hält, die in die jüdische Oeffentlichkeit kommt, kann sie nicht mehr als privat aufgefasst werden. Ich möchte auch von dieser Stelle aus betonen, dass es doch eine unrichtige Politik ist, selbst wenn eine Gefahr im Anzüge ist, ihr gleich solche Konzessionen machen zu wollen, dass vielleicht die ganze Bewegung ihres innern Inhaltes beraubt wird. Der Zionismus ist als Idee und sogar als Organisation heute derart stark, dass er schon mit einem gewissen Bewusstsein gar manchen Gefahren entgegensehen kann. Es sind schon öfters derartige Aeusserungen .gefallen und es wurde darüber schon auf den Kongressen mehrfach Kritik geübt. Herr Dr. H e r z 1 versprach uns sogar auf einem der letzten Kongresse, dass er vorsichtig sein werde. Ich muss sagen, dass er dieses Versprechen nicht ganz eingehalten hat. Er liess sich hie und da von momentanen Eindrücken leiten und hat in der jüdischen Oeffentlichkeit manchen unvorsichtigen Ausspruch getan. Dies möchte ich hier ausdrücklich betonen. Wir können nachher wahrlich nicht mit derselben Stärke agitieren und für unsere Sache uns einsetzen, wenn wir so vor der jüdischen Oeffentlichkeit dann desavouiert werden. Es handelt sich mir nicht darum, hier Kritik zu üben, um der Kritik willen, sondern ich will, dass das Ansehen unserer Bewegung und das Ansehen unserer Führer nach innen und nach

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.