Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 6 (1903) Basel, 23. bis 28. August 1903
- Date
- 1903-01-01
- Page
- Seite 99 (sequence 100)
- Language
- German, English, Hebrew
- Belongs to
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— 99 — womöglich gar religiöse Fragen obenan stehen werden. Wir hoffen, class dieser Moment niemals kommen wird. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Denn das ist die Grösse und Stärke der zionistischen Partei und darum konnten wir Rabbiner, im Kampfe mit den meisten unserer Kollegen, hier erscheinen, konnten das grosse Opfer bringen, dass das nationale Moment, das politische, das wirtschaftliche, und dieses allein, in der Gegenwart das bildet, was das ganze jüdische Volk einigt. (Stürmischer, langanhaltender Beifall und Händeklatschen.) Und das allein, verehrter Kongress, soll für immer, so lange wir ein Wort mitzusprechen haben, die Aufgabe auch unseres A.-C. bilden. Sollte der Tag kommen, von dem da in mystischer Weise gesprochen wurde, so gibt es, meine Damen und Herren, neben dem englischen Worte, das Dr. N o r d a u heute zitiert hat, auch ein uns näher liegendes hebräisches Wort, das da sagt, dass seit der Zerstörung des Heiligtums Kinder und Narren weissagen. Sollte aber diese Prophezeihung eintreten: Wir fürchten diesen Tag nicht, obgleich er ein dies ator, ein dunkler Tag werden könnte in der Geschichte der zionistischen Bewegung. Geehrter Kongress! So lange aber unser A.-C., unser Führer in seiner hohen Weisheit alle diese Streitigkeiten uns ferne hält, so lange wird es keiner Opposition gelingen, den geringsten Makel auf die vollkommene Lauterkeit der Gesinnungen des A.-C. zu werfen. Ganz im Gegenteil! Es sind vielmenr verschiedene Schatten auf diejenigen geworfen worden, die es versucht haben, selbst Schatten zu werfen. So lange erkennen wir in diesem Programm die Richtigkeit und Wahrheit, die uns alle vereinigen, verbinden und verbrüdern kann, alle diejenigen, die das Volk der Juden mit der Seele suchen. (Lebh. Beifall und Händeklatschen.) Vizepräs. Dr. Mandelstamm (den Vorsitz übernehmend): Es ist ein Antrag gestellt worden, während der Reden der russichen Delegierten den Vorsitz einem russischen Kollegen zu übertragen, da die anderen Vizepräsidenten der russischen Sprache nicht mächtig sind. Ich danke sehr für diese grosse Ehre, die mir zu Teil geworden ist, ich muss aber leider erklären, dass meine Gesundheit es mir nicht gestattet, und namentlich auch nicht meine Stimmittel, Vorsitzender zu sein. Ich bitte daher um Entschuldigung, dass ich diese Proposition nicht annehmen kann. (Wiederholt diese Bemerkungen in russischer Sprache.) Vizepräs. Dr. Bodenheimer (den Vorsitz übernehmen): Ich werde dem Wunsche, der hier ausgedrückt worden ist, dadurch Rechnung tragen, dass ich Herrn Tschlenow bitten werde, mir zu assistieren, wenn jemand in russischer Sprache spricht. Del. Bolasny: Meine verehrten Anwesenden! Ich werde mir gestatten, ein paar Worte von der gestrigen Rede unseres hochwürdigen und vielgeehrten Führers und Präsidenten Dr. H e r z 1 zu erwähnen. Gestern hat uns unser hochwürdiger Führer und Präsident in seiner Rede gesagt, dass er von jetzt an mit der sogenannten Geheimpolitik ein Ende machen will, und einer von uns ausgewählten Kommission das entdecken will, was er zu entdecken hat. Ich von meiner Seite kann nur meinen innigsten Wunsch und meine Freude darüber ausdrücken. Es ist wirklich schon genug mit der Geheimpolitik und ich glaube sicher, dass die verehrten Anwesenden mit mir übereinstimmen werden, dass sich dadurch unser teurer, vielgeehrter Führer Dr. H e r z 1 nur die Sympathie des ganzen Volkes gewinnen wird. Ich gehe l^tzt zur Hauptsache, zur Besprechung des Berichtes des Herrn Marmor ek über. Herr Marmorek hat uns in seinem Berichte über die Entwicklung unserer zionistischen Bewegung ein prachtvolles Bild vorgelegt. Unsere Bewegung — lautet der Bericht — wächst nicht nur von Jahr zu Jahr, sondern von Tag zu Tag, sogar von Stunde zu Stunde. Ueber-