Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 6 (1903) Basel, 23. bis 28. August 1903
- Date
- 1903-01-01
- Page
- Seite 98 (sequence 99)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 98 — versetzt, nicht berühren, da unser Führer gesagt hat, es sollen früher die Landsmannschaften sich äussern. Aber ich appelliere an das juristische Gewissen des A.-C. — es sitzen darin einige Rechtsanwälte — wir sind Delegierte mit gebundener Instruktion. Ich bin Delegierter von Europa und Amerika und habe strenge Instruktion, dass nur über Zion verhandelt werden soll. (Lebhafter Beifall.) Ich habe nicht die Befugnis, über andere Fragen, und seien sie noch so wichtig, zu sprechen. Ich anerkenne, dass dieses grossmütige Anerbieten eine grosse Ueberraschung ist, allein, meine Damen und Herren, mir kommt es vor, wie wenn einer in der Wüste geht und verschmachtend nach Trinkwasser sucht und ein Stück Gold findet. Mit dem Anerbieten können wir unseren zionistischen Heisshunger nicht stillen. Ich wende mich also an dasjuridische Gewissen unseres Herrn Vorsitzenden, der ein bedeutender Jurist ist, ob wir das Recht haben, über andere Dinge zu verhandeln oder nicht. (Beifall.) Dr. Chasan: Unser Jargon hat eine besondere Eigenschaft: man muss zur Sache sprechen, einfach und bündig, und muss alle Phrasen meiden. So will ich einfach an das A.-C. meine Bemerkungen richten. Es hat die meisten Pflichten von uns, weil es auch mehr Rechte hat als wir. Eine seiner hervorragendsten Pflichten ist die, die Festigkeit und Einheit unserer Partei zu erhalten. Hier aber haben wir Delegierte gehört, welche die Grundsätze des Baseler Programms leugnen. Solche Leute dürfen in diesem Saale keinen Platz finden. (Stürmischer Beifall.) Ich habe hier im Saale eine Broschüre gekauft. Sie heisst „Der Weg4'. In dieser befindet sich ein Artikel, in welchem steht: Der Charter und die öffentlich-rechtliche Organisierung seien für uns unerreichbar. Das hat ein Delegierter geschrieben. Einen solchen Delegierten dürfen wir nicht in unserer Mitte dulden. (Stürmischer Beifall und Händeklatschen. — Es werden eine Reihe von zum Worte vorgemerkten Rednern aufgerufen, die nicht anwesend sind.) Del. Dr. Nobel (mit Beifall begrüsst): Geehrter Kongressl Es ist wahr, dass jedem agitierenden Comite Opposition nötig ist; aber es ist ebenso wahr, dass ihm nötiger ist Dank, Anerkennung und Vertrauen, Aufmunterung zu neuem Wirken und besseren Taten. Es ist gesagt worden, dass wir die grossen, ernsten Angelegenheiten des Kongresses nicht der Rauschstimmung preisgeben sollen; aber, geehrter Kongress, noch viel weniger wollen wir sie der Katzenjammerstimmung preisgeben, die in Wahrheit die Reden der meisten Oppositionellen beherrscht hat. Es liegt mir ferne, noch einmal die Art und Weise zu richten, durch die zur Schmach vor der ganzen jüdischen Welt diese Szene hier gestern zum Tribunal geworden ist. Denn diese Weise richtet sich von selbst. Aber im Auftrage der grossen misrachistischen Gruppe und als deren stellvertretender Vorsitzender erkläre ich, dass wir das vollste Zutrauen, die vollste Dankbarkeit zum Präsidenten des A.-C. haben (stürmischer Beifall und Händeklatschen), und dass wir in der Aufstellung des grossen Ostäfrika-Programmes nicht einen Durchbruch des Baseler Programms sehen, da der Präsident des A.-C. ja eben erst den Kongress befragt hat und in keiner Weise der Vorwurf gestattet ist, dass das A.-C, ohne aen Kongress zu befragen, selber sein Programm durchbrochen habe. (Beifall und Händeklatschen.) Geehrter Kongress! Doppelt spricht hier, wer kurz spricht, deshalb gestatten Sie, dass ich mich aller Kürze befleissige und auch die 15 Minuten, die mir gewährt sind, nicht ausnütze und bitte, mein Beispiel möge auch von den nachfolgenden Rednern befolgt werden. Es sind heute vormittags allerhand mystische Andeutungen gemacht worden von einem kommenden Momente, in dem das A.-C, m dem die Leitung des Kongresses aufhören wird, nur das Politische und Wirtschaftliche in den Vordergrund zu stellen, in dem neue kulturelle, künstlerische,