Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 6 (1903) Basel, 23. bis 28. August 1903
- Date
- 1903-01-01
- Page
- Seite 97 (sequence 98)
- Language
- German, English, Hebrew
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Del. LÜien: Ich halte es für meine Pflicht, nachdem ich mit diesem Manne jeden Tag zusammenkomme, nachdem ich durch sechs Jahre in Russland von den Verleumdungen gegen ihn gehört habe, Ihnen zu sagen, er ist ein guter Mensch, ein ehrlicher Mensch, ein prachtvoller Zionist, ich stehe für ihn. (Lebhafte Unruhe und Schlussrufe.) Vizepräs. Dr. Bodenheimer: Ich bitte, diese Frage nicht zu berühren. Sie haben noch eine halbe Minute. Del. Lilien. Ich glaube, wir werden davon Nutzen ziehen, wenn wir uns offen aussprechen. Es müssen an der Spitze unseres A.-C. auch Leute stehen, die für den Zionismus arbeiten und dies jeden Tag dokumentieren. Der politische Zionismus liegt in prachtvollen Händen, und wenn Dr. HerzI seine Mitarbeiterschaft niederlegt, so weiss ich nicht, was wir täten. (Rufe: T r i e t s c h! — Heiterkeit. — Schlussrufe.) Ich appelliere an den Kongress, dass er mir noch drei Minuten bewillige. (Rufe: Weiterreden! — Widerspruch.) Vizepräs. Dr. Bodenheimer: Schliessen Sie! Del. Lilien: Ich werde schliessen! Wir müssen darauf sehen, dass der Zionismus etwas mehr bedeutet als Markenkleben und Schekelzahlen. (Bravo! — Widerspruch.) Vizepräs. Dr. Bodenheimer: Ich erteile nunmehr das Wort zu einer Erklärung Herrn Dr. Zwei g. Del. Dr. Zweig: Herr Lilien hat u. a. gegen das A.-C. den Vorwurf erhoben, dass dasselbe sich gegen das Organisationsstatut vergangen hat, indem es die Wahlen in Gliniany nicht vier Wochen vor dem Kongress, sondern zwei Wochen vor demselben angeordnet hat. Demgegenüber möchte ich feststellen, dass das A.-C. gar keine Ingerenz auf die österreichischen Wahlen hat, sondern das österreichische L.-C, in dessen Namen ich spreche. Es war auch hier keine böse Absicht. Die österreichischen Zionisten hatten schon, bevor der Kongress fixiert war, einen Parteitag für den Monat Juni festgesetzt. Dadurch war unsere ganze Tätigkeit in Anspruch genommen, so dass wir mit den Schekel- und Wahlarbeiten erst später beginnen konnten. Bei einzelnen Vereinen war es uns erst nach vielem Telegraphieren gelungen, die Juxten zu bekommen, und auf diese Weise verzögerten sich die Wahlen. Aber als pikantestes Detail möchte ich mitteilen, dass Herr Lilien nur diesem Umstände seinen Sitz in der österreichischen Landsmannschaft verdankt, weil die Wähler von Gliniany als Zeichen ihrer Unzufriedenheit über das spätere Eintreffen der Wahllisten Herrn Lilien hierhergeschickt haben. Del. Rabinowicz (Warschau): Meine Brüder und Schwestern! Es ist nicht unsere Gewohnheit, streitbar zu sein. Ich betone, dass wir mit allen Unternehmungen des grossen und des kleinen A.-C. ganz zufrieden sein können. Aber trotzdem wir volles Vertrauen unserm allverehrten Führer zollen, haben wir doch die Pflicht, einige Punkte, die der Erläuterung bedürfen, zu berühren, und damit auch eine genügende Aufklärung zu erreichen. Das erste, was uns am meisten befremdet, ist, dass über El-Arisch eine grosse Aktion in dieser Art vor neun Monaten/ eröffnet worden ist. Es ist zwar offiziell nie eine Kundgebung erfolgt, aber wir wissen, dass Reisen unternommen worden sind, und eine Kommission, verbunden mit grossen Opfern an Zeit und Mitteln, ausgestattet wurde. Was aber für die zionistische Bewegung noch wichtiger ist, ist der Aufwand an Energie. Wir sind gewohnt, dass alles, was das A.-C. und namentlich unser allverehrter Führer unternimmt, als Dogma zu betrachten. Es gibt aber solche, welche diese Dogmen nicht anerkennen. El-Arisch hat einen grossen Aufwand von Energie gefordert, aber es zeigt sich, dass, was die Kommission erforscht hat, in jedem Lexikon zu finden ist, dass nämlich El- Arisch wasserarm ist. Ich will die grosse Frage, die jetzt alle in Aufregung 7