Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 6 (1903) Basel, 23. bis 28. August 1903
- Date
- 1903-01-01
- Page
- Seite 95 (sequence 96)
- Language
- German, English, Hebrew
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/3476254-3476266--1939-3478077- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
— 95 — A.-C. Ich und meine Freunde gestehen, dass wir mit dem A.-C. nicht sehr zufrieden sind. Den Grund hierfür werde ich vorbringen und hoffe, dass es mir gelingen wird, Ihnen zum mindesten unseren Standpunkt klar zu machen. Ich gebe zu, dass unsere Bewegung Fortschritte gemacht hat, sogar grosse Fortschritte, aber das ist ein Beweis für unsere grosse Idee und kein Beweis für das A.-C. Meine verehrten Damen und Herren! Was für Fortschritte könnte unsere Bewegung erst machen, wenn an Stelle der A.-C.-Mitglieder Leute sässen, die ihren Mann stellen, von denen jeder etwas vertritt, jeder etwas zu sagen hat und jeder etwas durchsetzt? Welcher Art diese Fortschritte wären, kann ich Ihnen nicht beweisen, aber ich kann nur sagen, sie wären grösser, bedeutender und zionistischer gewesen, als jene, die jetzt gemacht worden sind. Ich will rein sachlich bleiben und sage:. Dieses A.-C. — ich meine selbstverständlich damit nicht das ganze A.-C, mus aber leider das ganze zur Verantwortung ziehen, ich habe selbst (ich glaube das sagen zu dürfen) Freunde unter den Mitgliedern des A.-C. — hat wiederholt über die Schnur gehauen. Sie wercien von mir nicht verlangen, dass ich, was ich vorbringe, in rhetorisch vorzüglicher Form bringen soll, allein für mich spricht, dass ich kein guter Redner bin, und so will ich nur etwas herausgreifen. Nehmen wir das heiligste, grosste, schönste, ewigste, das wir am ersten Kongresse geschaffen haben: das Programm. Da haben wir wiederholt gehört — und das ist der beliebteste Vorwurf, der gemacht wird — ich und meine Freunde verlangen eine Umänderung des Programms. Das stimmt nur halb. Ich selbst akzeptiere das Programm, wie es hier ist und sehe die Notwendigkeit einer Aenderung nicht ein. Aber das Programm ist umgeändert worden; es ist anders gehandelt worden, als nach unserem ursprünglichen Programm. Ich werde das zu beweisen suchen. Unser Programm, das nicht für uns, sondern auch für das A.-C. verbindlich ist, ist klar und deutlich. Es lautet: „Der Zionismus erstrebt für' das jüdische Volk die Schaffung einer öffentlichrechtlich gesicherten Heimstätte in Palästina/4 (Lebhafter Beifall.) Trotzdem, meine Damen und Herren, lasen wir eine lange Zeit in der „Welt" — und man hat dagegen vorläufig nicht protestiert, weil man glaubte, dass jeder irren könne —: ..der Zionismus erstrebt die Schaffungeiner öffentlichrechtlich gesicherten Heimstätte in Palästina", aber nicht für das jüdische Volk — das stand nicht in der „Welt" — sondern für „diejenigen Juden, die sich an ihrem jetzigen Wohnsitze nicht assimilieren können oder wollen". Das ist auch ein Standpunkt, aber das ist nicht unser Programm. Nicht genug daran. Als unser sehr verehrter Vorsitzender, ein Mann, den ich persönlich sehr schätze und verehre, von einem Interviewer des „Berliner Tageblatt" befragt wurde, hat er sich über das Programm geäussert. Diese Aeusserung war (Zwischenruf seitens des Del. Dr. Friedemann) — ich bitte mich nicht zu stören, ich werde mich in Privatgespräche nicht einlassen. Vizepräs. Dr. Bodenhelmer: Ich bitte den Herrn Redner nicht zu stören, das ist ganz unzulässig. Del. Lilien (fortfahrend): Diese Aeusserung war also nicht nur im „Berliner Tagblatt", das gewiss kein zionistisches Organ ist, sondern auch in unserem offiziellen Organe, der „Welt", wiedergegeben, und dort ist in der ersten oder zweiten Nummer des Jahres 1898 zu lesen: „Der Zionismus erstrebt die Schaffung einer öffentlich-rechtlich gesicherten Heimstätte für diejenigen Juden, die sich in ihren jetzigen Wohnstätten nicht assimilieren können oder wollen." Beachten Sie wohl, meine Damen und Herren: „Für diejenigen, die nicht können und wollen." Palästina ist ausgelassen worden. Da haben Sie eine neue Aenderung. Aber auch das ist ein Standpunkt, auch das könnte unser Programm sein. Es wäre nicht im Sinne des ersten Baseler Kongresses, aber es könnte von der Majorität akzeptiert worden sein. Nun, der verehrte Herr Vizepräsident Dr. N o r d a u