Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 6 (1903) Basel, 23. bis 28. August 1903
- Date
- 1903-01-01
- Page
- Seite 94 (sequence 95)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 94 — Zeit nicht als angebracht, auf Grund der wenigen Andeutungen, die uns die Eröffnungsrede unseres Präsidenten gegeben hat, in eine Verhandlung über so weittragende Probleme .... Vizepräs. Dr. Bcdenheimer (unterbrechend): Es scheint mir, dass dieser Antrag die Ostafrikasache betrifft. (Dr. Fink: Ja!) Dann bitte ich, ihre Erklärung zurückzustellen bis die Diskussion über diese Frage beginnt. Del. Dr. Fink: Ich verzichte auf das Wort. Del. Jabotinski (spricht russisch). Vizepräs. Dr. Bodenheimer (unterbrechend): Herr J a b o t i n s k y! Ich höre soeben, dass Sie das, was ich gesagt habe, durchaus nicht richtig verstanden haben. Ich habe Sie gebeten, dem Wunsch des Herrn Sy rkin Folge zu leisten und Dinge, die sich im Kongress nicht debattieren lassen, auch nicht von der Rednertribüne zu berühren. Weiter habe ich nichts gesagt. Ich bitte, das zur Kenntnis zu nehmen. Del. jabotinski (spricht unter lebhaftem Beifall und Händeklatschen einerseits und Widerspruch andererseits weiter russisch). Vizepräs. Dr. Bodenheimer: Herr Jabotinski, Ihre Zeit ist um. Sind Sie fertig? Del. Jabotinski: Ja! Vizepräs. Dr. Bodenheimer: Dann resümieren und schliessen Sie! Del. Jabotinski (spricht unter andauerndem Lärm, Zwischen- und Schlussrufen weiter). Vizeprä's. Dr. Bodenheimer: Ich bitte den Redner, die Tribüne zu verlassen, Ihre Zeit ist um. (Andauernder Lärm.) Das Wort hat nun Herr Dr. R a b i n o w i c z. Del Dr. Rabinowicz (spricht russisch. — Rufe: Uebersetzen! — Del. Hickl: Ich weiss nicht, was der Herr Vorredner gesprochen hat, ich bitte das übersetzen zu lassen!). Vizepräs. Dr. Bodenheimer: Ich werde den Herren nachher eine kurze Inhaltsangabe geben lassen. Jetzt hat das Wort Herr Dr. Rabinowicz. Vizepräs. Dr. Bodenheimer: Vor allem muss doch Ruhe herrschen, wenn der Redner verstanden werden soll. (Rufe: Er spricht nicht zur Sache!) Herr Dr. Rabinowicz, ich höre, Sie sprechen nicht zur Sache. Sie werden doch später bei dem Punkte „Organisation" wieder zum Worte kommen, bei dem sich Ihre Auseinandersetzungen besser werden anbringen lassen. Ich bitte jetzt vielleicht auf das Wort zu verzichten. (Del. Dr. Rabinowicz verlässt die Rednertribüne.) Ich erteile nunmehr zur Erstattung des Rechenschaftsberichtes " das Wort Herrn Dr. Menczel. (Nach einer Pause:) Nachdem Herr Dr. Menczel nicht anwesend ist, erteile ich das Wort Herrn Lilien. Del. Lilien: Meine Damen und Herren! Es fügt sich, dass ich in einer sehr aufgeregten Stunde spreche. Nicht ich bin aufgeregt, sondern der Kongress, doch hoffe ich, dass es mir dennoch gelingen wird, mich verständlich zu machen. Wir alle, die hier versammelt sind, sind, so lange wir hier sind, weder Freunde noch Feinde, sondern Diener einer grossen' Idee und Diener unseres Volkes. Wir alle sind vom Volke gewählt und haben als Gewählte das Recht und sogar die Pflicht, unsere Meinung offen und ungeschminkt zu sagen. Sie werden verstehen, dass es bedeutend leichter ist, die Majorität zu befriedigen und Beifall zu ernten, wenn man im Sinne der Majorität spricht. Aus diesem Grunde bitte ich die Majorität sie möge, falls ich etwas vorbringen sollte, was nicht ganz nach ihrem Sinne ist, doch bedenken, dass ich auch die Pflicht habe, meine Meinung zu äussern und dass diese Meinung eine offene und ehrliche ist. Meine Damen und Herren! Ich stehe auf dem Standpunkte, dass man ein sehr guter Mensch sein kann, aber ein schlechter Musikant, oder .ein vorzüglicher und treuer Zionist und dennoch ein schlechtes Mitglied des