Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 6 (1903) Basel, 23. bis 28. August 1903
- Date
- 1903-01-01
- Page
- Seite 90 (sequence 91)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 90 — die zionistische Bewegung in Deutschland die stärkste Kraft hat. Denn in keinem Lande der Welt ist mit solcher Gehässigkeit, mit solcher Ausbeutung sozialer Besserstellung, mit solcher Wucht gegen den Zionismus gearbeitet worden, wie gerade in Deutschland. Jeder von ihnen, meine verehrten Damen und Herren, weiss, dass die Rabbiner seinerzeit einen Protest erlassen haben. Wir können nun auf Grund der vielen Mitteilungen, die wir auf unseren Agitationsreisen von einzelnen Rabbinern in öffentlichen Versammlungen gehört haben, ruhig erklären, dass heute ein derartiger Protest rein unmöglich wäre, weil auch schon eine grosse Anzahl deutschjüdischer Rabbiner aus den verschiedenen Lagern in unserer Mitte sind und mit uns gemeinsam arbeiten. (Beifall.) Was die Gemeinden anlangt, so ist allerdings zu konstatieren, dass wir in Deutschland bei der Attaque auf die Gemeindestube zwar allerlei Rückschläge erfahren haben, dass es at>er doch bereits eine ganze Reihe deutschjüdischer Gemeinden gibt, in denen unsere Freunde in den Gemeindestuben sitzen und einen ganz entschiedenen Einfluss haben. Wir sind Gott sei Dank heute schon, so weit, dass. in vielen unserer Gemeinden von Seite unserer in den Repräsentanzen sitzenden Gesinnungsgenossen dahin gewirkt wird, dass die Kanzel, welche bislang immer eine der Hauptstätten einer feigen Agitation gegen den Zionismus bildete — denn dort durfte man nicht erwidern — heute mit Glück und Geschick der Tätigkeit einiger Rabbiner in dem erwähnten Sinne entzogen wurde. Man kann sagen, dass es in den jüdischen Kreisen Deutschlands, in denen dies Land niemals etwas vom Zionismus gehört hatte, heute zum allgemeinen Tagesgespräche gehört, über zionistische und jüdische Dinge in zionistischer Beleuchtung zu sprechen. Dies kommt zum Teil daher, weil wir den Zionismus niemals, wie man gerade dem westeuropäischen Zionisten einzureden beliebte, als eine engste und abgegrenzte Parteiangelegenheit aufgefasst haben, sondern immer nur als die Arbeit des jüdiscüen Volkes, insoierne als alle Regungen der jüdischen Volksseele, ob sie nun in kultureller, künstlerischer oder sozialer Beziehung sich offenbarten, in unseren Arbeitsbereich einbezogen haben. Wir werden uns von keiner Seite, sei es links oder rechts, abhalten lassen, dieses unser Arbeitsprogramm, das eine Zusammenfassung aller Strömungen und Regungen im Judentum bedeutet — denn es ist das in Wahrheit der Zionismus — weiter zu verfolgen, und wir können sagen, dass wir die Hoffnung haben, dass auch von diesem Kongresse wieder ein neuer Kraftstrom in die deutsche Judenheit hineingebracht werden wird, (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Vizepräs. Dr. Nordau: Wir gehen jetzt zur Tagesordnung über und schreiten zur Fortsetzung der Debatte über den aligemeinen Bericht des A.-C. Der erste vorgemerkte Redner ist Herr Dr. Pasmanik. Ich erteile Herrn Dr. Pasmanik das Wort. Del. Dr. Pasmanik (mit Beifall begrüsst): Hochverehrter Kongress! Ich muss auch damit beginnen, den Unterschied zwischen Kritik und Kritik festzustellen. Dieser Unterschied muss aber nicht bloss festgestellt werden, sondern man muss unbedingt auf die Wurzeln dieses Unterschiedes in der Kritik zurückgehen. Denn wenn man uns sagt: Wir haben an der Tätigkeit des A.-C. Kritik zu üben, so wäre es traurig um die zionistische Bewegung bestellt, wenn man eine solche Kritik nicht zulassen würde. Das hat das A.-C. auch nie gewollt. Was aber zu der unangenehmen Szene von gestern geführt hat, war der Umstand, dass Leute, die erst durch die von anderen geschaffene Bewegung zu etwas gelangt sind, jetzt den Mut haben, zu sagen: Euer Führer ist schlecht. Setzt mich an seine Stelle, ich mache es dann besser. (Beifall und Heiterkeit.) Wo waren diese Leute, die nun behaupten, dass sie viel länger für die zionistische Arbeit gewirkt haben, wo waren sie, bevor Herr Dr. H e r z 1