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Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1903-01-01 · 6 (1903) Basel, 23. bis 28. August 1903 · p. Seite 89

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Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
6 (1903) Basel, 23. bis 28. August 1903
Date
1903-01-01
Page
Seite 89 (sequence 90)
Language
German, English, Hebrew
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IRI
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— 89 — von 261 im Jahre 1901 auf 1386 jetzt. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Das ist, meine Herren, eine Steigerung von 400 Prozent. In Hannover stieg die Zahl der Schekelzahler von 561 auf 975, in Berlin von 739 auf 1467, (Beifall.) In Strassburg von 90 auf 440 (Beifall und Händeklatschen) und in Bonn von 180 auf 300. Das sind, meine Herren, natürlich noch relativ kleine Zahlen. Aber wenn Sie die Prozentzahl innerhalb unserer Bevölkerung und des Verhältnisses der Zionisten zur allgemeinen Bevölkerung betrachten, so haben wir es in Deutschland in der Tat relativ so weit gebracht, wie es annähernd in Russland ist, dass nämlich die Zahl der organisierten Zionisten ein Prozent der jüdischen Bevölkerung ausmacht. Wir haben damit andere Länder, welche für die Agitation zuerst in Frage kamen, nämlich Oesterreich-Ungarn, bei weitem überflügelt. Gleicherweise ist es uns endlich möglich gewesen, in den Besitz einer eigenen Presse zu gelangen. Wir haben ein altes Organ erworben, das ursprünglich nur mit Hilfe von grossen Subventionen gehalten werden konnte, die „Jüdische Rundschau'4. Diese ist, dank der ausserordentlich tüchtigen Leitung, besonders auch dank der administrativen Leitung, dahin gekommen, dass sie heute, glaube ich, wohl das einzige zionistische Organ ist, welches sich aus seinen eigenen Erträgnissen, aus den Inserenten- und Abonnentengeldern erhält. Es ist ferner auch in ausserordentlich rühriger Weise bei uns der Broschürenverkauf in die Hand genommen worden, der bislang nur ganz oberflächlich behandelt wurde, und zwar, dass man ganz einfach die Broschüren verschickte. Unserer Agitation sind durch einen planmässigen Broschürenverkauf grosse Mittel zur Verfügung gestellt worden, denn wir haben die Beobachtung gemacht, dass jede Broschüre, für welche Geld ausgegeben wird, auch gelesen wird und dadurch in kräftigerer Weise ihre agitatorische Kraft entfalten kann. Ueberdies sind ausserhalb des Rahmens der streng zionistischen Tätigkeit, aber im engsten Anschlüsse daran, eine ganze Reihe von Lesehallen, Shareclubs, Sprachvereine, Handarbeitsschulen für Kinder, Ferienausflüge, Toynbee-Hallen, Studentenvereine etc. gegründet worden. Wenn auch nicht direkt innerhalb der zionistischen Organisation arbeitend, haben sich auch die Turnvereine gerade in Deutschland eines ausserordentlichen Anhanges zu erfreuen gehabt. Der Berliner Turnverein „Bar-Kochba" verfügt über eine Anzahl von 550 Mitgliedern, welche in 7 verschiedenen Turnhallen ihre Uebungen abhalten. Es existieren eigene Abteilungen für Frauen (Mädchen und Frauen) und für Männer (alte Männer und Jünglinge). Und nun möchte ich noch ein Wort hinzufügen. Früher bestand der grösste Teil der Mitglieder der Zionistenvereine aus russisch-jüdischen Studenten. Wir sind ihnen gewiss dankbar, dass sie diese grossen Ideen nach Deutschland gebracht haben, und dass sie die geistige Kommunikation hergestellt haben zwischen Ost und West. Das wird ihnen die deutsche Landsmannschaft niemals vergessen. Andererseits ist es aber doch für uns wichtig, konstatieren zu können, dass die Mitglieder, über welche wir jetzt verfügen, nicht mehr aus den fluktuierenden Elementen der russisch-jüdischen Studenten bestehen, wie einst, sondern dass wir in der Tat in die jüdische Bürgerschaft, freilich vorzugsweise in die der Akademiker eingedrungen sind, und dass, seitdem wir mit der Bürgerschaft Fühlung haben, allerorts die Möglichkeit zu weiterer Agitation geboten ist. Meine Herren, die Erfolge der letzten zwei Jahre sind nicht bloss schönrednerische, sondern tatsächliche und deshalb bedeutungsvoll, weil sie uns die Möglichkeit bieten, an den verschiedensten Stellen mit neuer Kraft zu segensreicher Arbeit einzusetzen und uns dadurch die Möglichkeit ejner gesunden Ausbreitung und einer verinnerlichten Entwicklung gegeben ist. Nun noch ein Wort über die Stimmung, welche dem Zionismus in Deutschland entgegengebracht wird. Wenn man die Kraft einer Bewegung nach der Intensität der Reaktion messen dürfte, so könnten wir sagen, dass

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