Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 6 (1903) Basel, 23. bis 28. August 1903
- Date
- 1903-01-01
- Page
- Seite 84 (sequence 85)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 84 — dass allen diesen Menschen und Klassen und Ideologen Rechnung getragen werden muss. Es muss darum alles vermieden werden, was irgendwie die freie Entwicklung dieser anderen Tendenzen hemmen könnte. (Lebhafter Beifall.) Dagegen begrüsse ich es mit Freuden, dass eine neue Idee in die zionistischen Reihen geworfen wurde, das ist die Idee der Kolonisation Ostairikas auf dem Boden einer jüdischen Autonomie. Wenn Sie die Tragweite dieser neuen Idee ermessen werden, kann dieser Kongress ein Wendepunkt in der jüdischen Geschichte werden. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Bedenken Sie, meine Herren, dass wir hier vor einem wirklichen Ereignisse im Zionismus stehen, und dass es hier unsere Aufgabe ist, uns dieser Sache mit dem grössten Ernste zuzuwenden, und diese Frage nicht ohne weiteres abzulehnen. Die Meisten in diesem Saale werden mir zustimmen, dass wir in dem Augenblicke, wo wir einen Schritt weiter in der Anerkennung der jüdischen Staatsidee gehen, uns diesem Vorschlage wohl werden zuwenden müssen. Möge dieser Kongress sich mit dem grössten Ernste diesem Vorschlage zuwenden, und ich wünsche nur, dass hier die Stimmmung in dieser oder jener Richtung kundgegeben werde. Die Debatte soll nicht abgeschnitten werden, es soll hier wirklich die Möglichkeit gegeben werden, dass die Stimmung irgendwie zum Ausdrucke kommt, und ich bin überzeugt, dass alle fortschrittlichen Elemente im Zionismus diese Idee mit Begeisterung begrüssen werden. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Del. Dr. Klee: Ich meine, wir haben Grund, Herrn Dr. Syrkin dankbar zu sein, das er uns den Unterschied ad oculos demonstriert hat -wischen Opposition und Opposition. (Zustimmung.) Herr Dr. Nossig hat zweifellos recht, wenn er sagt, dass man Führer kritisieren müsse. Aber es gibt einen parlamentarischen und einen persönlichen Takt, der die Grenzen vorzeichnet, bis zu welchen diese Kritik gehen darf. Wenn Dr. N o s*s i g vor einer Versammlung von 700 Menschen, von denen ungefähr 500 Kongressdelegierte waren, gestern von unseren Führern sagte, dass ihre Art, zu arbeiten, eine jüdische „Chuzpoh" sei, dann fiel jede Verpflichtung für uns fort, ihn ruhig anzuhören. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Vizepräs. Dr. Nordau: Sie haben sich eines Ausdruckes bedient, den ich nicht als parlamentarisch anerkenne. Ich bitte, sich nur parlamentarischer Ausdrücke zu bedienen. Del. Dr. Klee: Das habe nicht i c h gesagt, sondern Dr. Nossig. Vizepräs. Dr. Nordau: Dieser Ausdruck soll hier überhaupt nicht gehört werden. Del. Dr. Klee: Dr. Nossig verglich den Zionistenkongress mit einem europäischen Parlament. Wir wollen unseren Führern herzlich dankbar sein, dass das jüdische Volk ein Faktor geworden ist, den man berücksichtigt, aber wir müssen doch die nötige Bescheidenheit bewahren. Ein von uns publiziertes Blaubuch über gewisse diplomatische Verhandlungen könnte an mancher politisch massgebenden Stelle als Taktlosigkeit empfunden werden. Wir müssen ein klein wenig in der auswärtigen Politik uns Reserve auferlegen. Ein massgebender Führer des deutschen Liberalismus hat einmal gesagt, in den Fragen der auswärtigen Politik hat die Demokratie alle Zurückhaltung zu üben. In Fragen der inneren Politik hat man bestimmte Grundsätze, in Fragen der äusseren Politik sind im letzten Grunde Zweckmässigkeitsgründe massgebend, die nur der in jedem Augenblick richtig beurteilen kann, der alle Fäden kennt und die Verantwortung trägt. Jeder andere kann unter Umständen ausserordentlich schaden, er ist unverantwortlich und sagt in seiner Unverantwortlichkeit so manches, was den verantwortlichen Führern Mühe und Arbeit in einem Umfange macht, den der Redner gar nicht ahnt. (Zustimmung.) Die Art und Weise, mit der Dr. Nossig als Laie über Fachfragen urteilt, .ist so recht für gewisse