Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 6 (1903) Basel, 23. bis 28. August 1903
- Date
- 1903-01-01
- Page
- Seite 85 (sequence 86)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 85 — Herren bezeichnend. Es gibt im Zionismus Herren, die ganz achtenswerte Autodidakten sind, aber nichts weniger als wirkliche Sachkenner. Dieses Laienelement darf doch in rein tatsächlichen Fragen für uns nicht ausschlaggebend sein. Wenn Herr Dr. N o s s i g Jasagt, und die Wassersachverständigen Nein, dann meine ich, dass es dem Ernste unserer Beratungen entspricht, auf den Fachmann zu hören. Herr Dr. N o s s i g hat eine Art Kleinkolonisation — denn darauf kommt es hinaus — vorgeschlagen. Herr Syrkin hat ihm bereits genügend deutlich gesagt: Das ist rückständig! Für diese Art von Kolonialpolitik hätten wir unseren Apparat nicht nötig gehabt, dazu hätten wir das jüdische Volk in der ganzen Weit nicht aufrufen müssen. Wir wollen daher etwas ganz anderes, als diese Kolonisation erstreben. (Zustimmung.) Und dann diese — Kannegiesserei über England! England hat im Hintergrund seine Kanonen, und wenn es die eine oder andere Kolonie vorschiebt und sie systematisch zu einem Netze verbindet, so hat es das englische Heer und den politischen Einfluss Englands im Hintergrund. England kann sich eine solche Politik leisten. Wenn wir kleine Kolonien nach Dr. N o s s i g s Rezept vorschieben wollten, wäre keinerlei Garantie für deren Dauerbestand gegeben. Wir hätten nicht erreicht, wozu wir den Zionismus geschaffen haben, eine öffentlich-rechtliche Sicherung auf nationaler Basis. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) In dem afrikanischen Vorschlage liegt deshalb so viel Bedeutsames, weil hier die Anerkennung des jüdischen Volkes als nationalen politischen Faktor und die Bereitwilligkeit, diesem als nationalen politischen Faktor anerkannten jüdischen Volke eine staatliche Konstruktion zu geben, ausgesprochen ist. (Lebhafter Beifall.) Ich würde es nicht für taktisch richtig halten, wenn wir uns hier über die Einzelheiten dieser Frage aussprechen würden. Wir werden sicherlich gut tun, eine Kommission aus allen Landsmannschaften zu wählen, aus Leuten, die unser Vertrauen in jeder Beziehung besitzen und dieser Kommission das vorlegen zu lassen, was für eine Beurteilung der Sache nötig ist und erst diese Kommission zu hören, ehe wir in die Debatte eintreten. Das muss aDer an dieser Stelle ganz scharf hervorgehoben werden, ohne dass ich die Frage, ob wir in Ostafrika kolonisieren werden oder nicht, anschneiden will, dass diese Konzession Englands politisch der bedeutsamste Fortschritt ist, den wir haben machen können, tausendmal bedeutsamer," als wenn wir eine Reihe von kleinen, zerstreuten Kolonien irgendwo im Orient ohne öffentlich-rechtliche Sicherung begründet hätten. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Noch eins zum Schluss. Herr Dr. S y r k i n hat von gewissen Dingen und Differenzen gesprochen, über die zu reden heute der Moment noch nicht gekommen sei. Ueber diese Dinge können wir also heute nicht urteilen, darauf werden wir antworten, wenn der Moment dazu gekommen ist. Vorläufig aber darf ich sagen: Diese Opposition von heute sei willkommen! (Lebhafter Beifall und Hände^atschen.) Vizepräs. Dr. Nordaa: Ich will noch einige Mitteilungen machen, dann schliesse ich die Vormittagssitzung. Morgen Dienstag nachmittags um 3 Uhr findet in der Burgvogtei das Schauturnen der jüdischen Turner statt, die zu dem Zwecke nach Basel gekommen sind, um den Vertretern des jüdischen Volkes das neue Muskeljudentum an der Arbeit zu zeigen. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Ihr lebhafter Beifall zeigt mir, dass Sie alle die Bedeutung dieser Veranstaltung und der sich an sie knüpfenden Einladung begriffen, richtiger: im Herzen gefühlt haben, ich brauche also kaum hinzuzufügen, dass es Ihnen dringend empfohlen ist, möglichst zahlreich dieser Schaustellung beizuwohnen. Präs. Dr. HerzI (den Vorsitz übernehmend): Ich wollte dringend empfehlen, dass sich jetzt die Landsmannschaften vor Beginn der Nachmittagssitzung nicht versammeln, denn wir haben gestern die Erfahrung gemacht