Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 6 (1903) Basel, 23. bis 28. August 1903
- Date
- 1903-01-01
- Page
- Seite 83 (sequence 84)
- Language
- German, English, Hebrew
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 99% known words query
- IRI
…/3476254-3476266--1927-3478065- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
— 83 — den Vorträgen, die Herr Dr. N o s s i g abgehalten hat, ist er noch mit ganz anderen Dingen gekommen, aber das gehört nicht hierher — wenn uns also diese Herren als oppositionelle Zionisten mit der Idee der Kleinkolonisation kommen, so sagen wir ihnen, sie gehören zu den rückständigen Oppositionellen. (Lebh. Beifall.) Diese ihre Ideen haben wir längst überwunden. (Erneuerter Beifall und Händeklatschen.) Ich persönlich habe es nicht nötig, die andere oppositionelle Strömung im Zionismus, die sich immer mehr und mehr durchringt, hier vor dem Kongresse auseinanderzusetzen, obwohl ich formell ein viel grösseres Recht dazu hätte, als die Herren T r i e t s c h und N o s s i g , weil in Wirklichkeit grosse Strömungen sich bereits rege machen, die andere Ideen im Zionismus vertreten. Aber die Zeit ist noch nicht gekommen, dass wir hier die Vertreter einer anderen Richtung im Zionismus vor dem Kongresse als geschlossene Partei auftreten und die ganze zionistische Bewegung in unsere Bahnen lenken. Der Moment ist, wie gesagt, noch nicht gekommen, und darum enthalte ich mich der Skizzierung dieser neuen Tendenz. Nun aber muss ich einiges in Bezug auf Reden sagen, die wir hier das Vergnügen hatten zu hören. Ich meine die Rede des Herrn Dr. H e r z 1 und die des Herrn Dr. N o r d a u. Mein politischer Takt sagt mir, dass Fragen, über welche der Natur der Sache nach eine Diskussion nicht zulässig ist, nach Möglichkeit in irgend welchen Reden vermieden werden. (Beifall.) Dagegen hat aber die Rede des Herrn Dr. H e r z 1 Verstössen. Es gibt Fragen, über die es besser ist, zu schweigen, als sie öffentlich zu besprechen. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Ich habe hier einen ganz bestimmten Passus im Auge, und meine Freunde werden wohl wissen, um welchen Passus es sich handelt. (Beifall.) Darum sage ich, dass es besser wäre, sowohl für die zionistische Bewegung, als auch für alle Schattierungen, die im zionistischen Lager leben und leben müssen, wenn dieser Passus aus der Rede gestrichen worden wäre. (Beifall. — Rufe: Welcher Passus ist das?) Es ist das der Passus, über welchen eine Diskussion hier nicht gut möglich ist. Zur Rede des Herrn Dr. N o r d a u muss ich bemerken, dass beide Herren, namentlich er, gleichsam auf zwei Stühlen balancierte. Bald ist es eine alte Politik den bestehenden Verhältnissen gegenüber, bald machen sich neue Tendenzen kund, die wohl unser Gefühl erregen, und welche eine grosse Begeisterung in unseren Seelen hervorrufen. Das ist ein Zeichen dafür, dass sich die Herren noch über Manches gar nicht klar geworden sind, und ich sage Ihnen, dass wir einen weiten Vorsprung vor diesen Herren haben, weil wir eben nicht auf zwei Stühlen balancieren, und weil wir wissen, was wir wollen, und wohin wir drängen. Darum sind wir mit Vielem nicht einverstanden, was in der Rede Dr. N o r d a u s stand, wohl aber begrüssen wir diese neuen Tendenzen, die sich in der Rede Dr. N o r d a u s kund gemacht haben und begrüssen sie als in derselben Richtung liegend, in welcher wir bereits zu arbeiten angefangen haben, und in welcher wir zu arbeiten fortfahren werden. Auch das, meine Herren, ist eine Materie, die im gegenwärtigen Augenblicke nicht sehr geeignet erscheint, einer öffentlichen Diskussion hier unterzogen zu werden. Aber ich habe es für nötig gehalten, als Anhänger einer anderen Tendenz irgendwie darauf hinzuweisen. Wie aber soll weiter eine fruchtbare gemeinschaftliche Tätigkeit zwischen uns und diesen Herren ermöglicht werden? Da erlaube ich mir einige Worte zu sagen, die zweifellos mit der Stimmung der Meisten hier im Saale übereinstimmen werden. Man möge allen Stimmungen und allen Tendenzen im Zionismus Rechnung tragen. Diejenigen, die an der Spitze des Zionismus stehen, müssen immer im Auge behalten, dass sie nicht die einzigen Repräsentanten des Zionismus sind, dass neben ihnen andere soziale Klassen, andere Ideologen, andere Menschen mit anderen Auffassungen der Dinge und der Welt im Zionismus sind, und