Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 6 (1903) Basel, 23. bis 28. August 1903
- Date
- 1903-01-01
- Page
- Seite 81 (sequence 82)
- Language
- German, English, Hebrew
- Belongs to
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1 l — si — [■ dass ich zu denjenigen gehöre, denen die Ansiedlung in Palästina auch ohne i; Charter viel wichtiger erscheint. (Sehr richtig! — Widerspruch.) k Nach meiner Ansicht sollte die ganze Politik des jüdischen Volkes l] und die ganze Kolonisationsarbeit desselben, abgesehen von den momen-!; tanen Errungenschaften auf politischem Gebiete, abgesehen davon, ob es l heute oder erst in zehn oder fünfzig Jahren gelingt, einen Charter und völlig kommene Autonomie zu erlangen, auf ein einziges Ziel sich richten. Ich erinnere Sie daran, dass Dr. N o r d a u nach meiner Ansicht ganz richtig \\ gesagt hat, dass die jüdische Politik nur dann etwas erreichen kann, wenn jj sie sich an e i n Ziel hält, wenn sie dieses zähe verfolgt und ihre Kräfte nicht <} zersplittert. Ich teile diese Ansicht, glaube aber, dass es kein logischer Schluss ist, wenn Dr. N o r d a u das Ostafrika-Projekt als Nachtasyl vorschlägt. Ich gehe nicht in Details ein, denn ich bin ebenfalls der Ansicht, i; wie Dr. Herzl und die Landsmannschaftsvertreter geäussert haben, dass '. dies eine Sache ist, welche erst von einer Kommission befasst werden muss.;i Ich muss aber sagen, dass das eine mir schon klar ist, bevor eine Kornfi mission darüber berichtet, dass es für uns nur ein einziges Ziel gibt, nämlich; '< Palästina und die umgebenden Länder. Sie werden sagen, solange es keinen Charter für Palästina gibt, können wir nicht in anderer Welse kolonisieren, fi als auf dem Wege der .Kleinkolonisation, und Kleinkolonisation ist ein kleiner, I ein Bourgeoisstandpunkt, wie uns gestern vorgeworfen wurde. Ich möchte [; aber aufmerksam machen, dass es eine Kleinkolonisation gibt, welche po- |. litisch ist, welche die Grosskolonisation ist. Es hängt alles von dem System 1 j'; und Plan ab. Wenn man nur Ansiedlungen errichtet, ohne die Absicht, diese!; später zu einem Ganzen zu verbinden, so ist dies eine Kleinkolonisation, die |' keinen Wert hat. [■ Wenn man aber Kleinkolonisation treibt, mit einem grossen politischen [: Plane vor Augen, welchen man systematisch verfolgt, so Ist das eine po-!; litische Kolonisation. (Zustimmung.) Ich möchte Ihnen hier das Beispiel \\ einer Grossmacht vor Augen führen, deren in diesen Diskussionen bereits; |; öfters Erwähnung getan wurde, nämlich das Beispiel von England. Meine « |' Herren! England treibt auch auf seine Weise in grösserem Massstabe Kleinkolonisation, nämlich in Afrika. Es kolonisiert nicht El-Arisch, sondern l; es kolonisiert auf dem Wege der Kleinkolonisation ganz Afrika, und zwar in 'j einer Weise, die ganz unbemerkt vor sich geht. Heute erringt es ein Gebiet \ ohne' Blut auf Grund eines Vertrages mit einem Negerhäuptling, morgen;j kauft es Minen im Transvaalgebiete, übermorgen lässt es durch Lord Kitchener oder Lord Roberts Derwische im Nordosten niedermetzeln (Rufe: \\ Das alles, können wir nicht tun! — Heiterkeit) und setzt sich dort fest. (Ruf:; Schicken Sie doch die zwei Tscherkessen hin! — Schallende Heiterkeit.) i Unterbrechen Sie nicht, wenn Sie keine parlamentarische Bildung haben; >J von Ihnen ist das nicht am Platze. (Fortgesetzte Heiterkeit.) Eines Tages erfahren wir plötzlich, dass England zwei sehr entlegene Ansiedlungen durch } eine Eisenbahn verbunden hat, und eines Tages werden wir erfahren — wir;l wissen es schon jetzt — dass England ganz Afrika rund herum von Ostafrika l] bis Aegypten mit einer Eisenbahn verbindet, und dass es den ganzen Erd- ] teil besitzt. (Lebhafte Zwischenrufe.) Wir sind keine Grossmacht wie si; England. Wir wollen auch nicht den ganzen Erdteil kolonisieren. Wir sind | auch keine Eroberer, wir wollen nur unser kleines, altes Vaterland zurück j haben, und ich glaube, wir würden gut tun, es auf demselben Wege, selbst- •j verständlich mit Ausschluss von Kanonen und von Blut, zu gewinnen, auf fl friedlichem Wege, mit dem Pflug in der Hand. (Heiterkeit.) Ich bin also ,] der Ansicht, dass es eine Kräftezersplitterung bedeutet, wenn man in den Fällen, wo eine Rettungsaktion, wie eben jetzt, unerlässlich erscheint, ein H Nachtasyl im fernen Ostafrika sucht, und dass wir uns unser einziges grosses;i Ziel stets vor Augen halten, so lange, als in Palästina überhaupt jede Koyi o