Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 6 (1903) Basel, 23. bis 28. August 1903
- Date
- 1903-01-01
- Page
- Seite 78 (sequence 79)
- Language
- German, English, Hebrew
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Szene, wo der Darsteller der Heldenrolle einen Bösewicht, der sich als Ehrenmann aufspielt, entlarvt. Der Bösewicht versucht es noch eine Zeitlang, den anständigen Mann zu spielen, aber da zieht der Held aus seiner tiefen Brusttasche ein Dokument heraus und beweist der ganzen Welt . . . (Stürmische Zwischen- und Schlussruie. — Lärm.) Aber da, mit einem Male hebt sich im Hintergründe ein Vorhang, und was sieht man hinter dem Vorhange? — Die arme Witwe, das Opfer des schwarzen Intriganten. Es hätte noch gefehlt, dass Herr Trietsch gesagt hätte: „Ich bin durchschaut, ich ersteche mich." Ich bedauere es, dass er Herrn Dr. H e r z 1 den Gefallen nicht gemacht hat, die Schlussszene in dieser Weise zu spielen. (Stürmische Schlussrufe. — Zischen.) Ich gedenke nicht, mit Herrn Dr. H e r z 1 in dieser Form zu polemisieren. Verzeihen Sie mir die Bemerkung: Wenn ich die Opfer des Herrn Dr. He rzl hieher bringen sollte, so müsste ich, meiner Ansicht nach — sie ist vielleicht nicht die Ihrige — alle jene M.assen herbringen, die er fortwährend durch seine diplomatischen Aussichten in die grösste Aufregung bringt, und denen er seit sieben Jahren, nach meiner Ueberzeugung, nichts Positives gegeben hat. (Stürmischer Widerspruch und Schlussrufe. — Lärm.) Vizepräs. Dr. Nordau: Ich bitte um Ruhe, meine Herren! Del. Dr. Nossig: Ich gestehe ganz offen, dass die Eröffnungsrede des Herrn Präsidenten auf mich ganz blendend gewirkt hat. Eine ganze Reihe neuer, verlockender Aussichten hat sich vor uns eröffnet. Ich glaube, ebenso wie mich, und vielleicht in noch höherem Masse, hat diese Rede das ganze Kongresspublikum elektrisiert. Wir haben nämlich vernommen, dass Seine M.ajestät der Sultan uns die Offerte machte, uns nicht nur Palästina, sondern die ganze Türkei für unsere Ansiedlungen zu eröffnen. (Lebhafter Widerspruch.) Ich will nicht entstellen, missverstehen Sie mich nicht! Natürlich nur zur Kleinkolonisation. Es liegt mir absolut fern, hier etwas Ironisches zu sagen. Ich habe nur wörtlich dasselbe gesagt, was der Herr Präsident in seiner Eröffnungsrede gesagt hat, dass der Sultan im Jahre 1902 gewillt war, den Juden Eintritt zu gewähren nicht nur in Palästina, sondern in der ganzen Türkei. Er hatte also die Absicht, die Judenkolonisation zu zerstreuen. ,Wir haben weiters gehört, dass die anglo-ägyptische Regierung bereit wäre, uns nicht nur El-Arisch, sondern auch in Ostafrika ein Gebiet zu eröffnen. Ich muss sagen, dass alle diese Aussichten jedenfalls Etwas bedeuten, dass man darüber ernstlich beraten müsste und dass sie jedenfalls auf dieses Publikum so elektrisierend wirken müssen, dass es in €ine enthusiastische Stimmung gerät und nicht ganz in der Verfassung ist, über so hochwichtige Dinge sofort in kühler, nüchterner, vorsichtiger Weise zu debattieren. Das führt mich weiter zu der vielleicht formellen Bemerkung, die jedoch für den ganzen Charakter des Kongresses von der grössten Wichtigkeit ist, dass das A.-C. bis jetzt der Ansicht war, dass es angemessen ist, die wichtigsten Ergebnisse seiner Arbeit dem Kongresse und sogar den Mitgliedern des A.-C. erst auf dem Kongresse selbst oder unmittelbar vor dem Kongresse mitzuteilen. Das ist eine Frage parlamentarischer Usancen, über die sich debattieren lässt. Ich bin der Ansicht, dass das A.-C. in dieser Hinsicht einen Missgriff begangen hat. In anderen Parlamenten — und ich halte unsern Kongress auch für ein Parlament — ist es Sitte, dass man die wichtigsten Materialien über die Dinge, die zur Beratung kommen sollen, den Mitgliedern der beratenden Körperschaften etwas früher zustellt, so dass sie Zeit haben, die Sache gründlich zu studieren, sich darauf vorzubereiten und dann vorbereitet zu erscheinen. Auch in grösseren jüdischen Gesellschaften, wie in der Ica, ist die Sitte eingeführt, dass jedes Mitglied vierzehn Tage vor der Sitzung einen Dossier bekommt in dem alle Materialien, die beraten werden sollen, enthalten sind. Wenn eine Sache so reif ist, dass sie auf dem Kongresse verkündet werden kann,