Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 6 (1903) Basel, 23. bis 28. August 1903
- Date
- 1903-01-01
- Page
- Seite 75 (sequence 76)
- Language
- German, English, Hebrew
- Belongs to
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— 75 — einen Posten bekommen kann, wo bereits Handel und Gewerbe ist, an denen er sich beteiligen kann usw. Wenn ein solcher Jude nicht Mittel genug hat, so brauchen wir ihm nur die Reisekosten zu geben, und er wird sich schon selbst fortbringen. Wenn wir aber einen solchen Juden in ein wüstes Land schicken, wo erst die ganze Kultur geschaffen werden muss, so brauchen wir dazu Millionen und Milliarden, welche das jüdische Volk nicht besitzt. Und noch etwas! In jedem Geschäfte arbeitet man nicht nur mit eigenem Oelde, sondern es gibt einen wichtigen Hebel in der Nationalökonomie, und der heisst: Kredit! Dort, wo mit Wohltätigkeit gearbeitet wird, kommt dieser Hebel nicht in Anwendung, und dort müssen die ganzen benötigten Millionen aus eigener Tasche genommen werden. Es ist daher klar, üass solche Unternehmungen sogar in einem so guten Lande wie Palästina — und das ist nicht Ostafrika — sobald die Kolonisation auf Grund der Wohltätigkeit eingeführt wurde, scheitern mussten. Jetzt kommen wir und sagen etwas Anderes: Wir wollen nicht eine Wohltätigkeitsbewegung haben, wir wollen eine nationale Bewegung, das heisst, nicht nur diejenigen sollen gehen, welche ein Nachtasyl brauchen, sondern auch die besten Kräfte, die wohlhabendsten und intelligentesten sollen dahin gehen, und dann wird dort ein Industriezentrum geschaffen werden, ein Zentrum des Handels und der jüdischen Intelligenz, für welches wir viel weniger brauchen werden, denn der Handel^mit eigenem Oelde fordert von uns keine Millionen, weil er sich Kredit verschaffen kann. Das war das Hauptprinzip, welches den politischen Zionismus, den Baseler Zionismus, von demjenigen unterscheidet, der da sagt: Die Reichen werden den Armen helfen. Und nun eine andere Frage: Will man in Ostafrika etwas Nationales schaffen oder eine Bettelkolonie veranstalten? Werden unsere jüdischen Professoren, werden unsere jüdischen Industriellen nach Ostafrika gehen? Nein! Es werden diejenigen hingeschickt werden, die man in London und Amerika nicht mehr nehmen will. (Widerspruch.) .Meine Herren, die Hunderttausende, welche —. es hat sie noch niemand gezählt — wie Max N o r d a u in der ersten Hälfte seiner Rede gesagt hat, jetzt nicht warten können, schicken wir lieber nach Amerika, nach dem europäischen London. (Lebhafter Widerspruch und Rufe: Schluss!) Präs. Dr. Herzh Herr Rechtsanwalt Rosenbaum, es ist Ihnen bekannt, dass sämtliche Landsmannschaften sich bereits mit der Frage der Einsetzung einer Kommission beschäftigt haben, dass über diese Sache noch nicht abgestimmt worden ist, weil wir es für verfrüht halten, eine Abstimmung zu forcieren. Ich möchte Sie doch bitten, von der ihnen bekannten Tatsache einigermassen Notiz zu nehmen und jetzt diese Debatte nicht zu eröffnen, deren Nichteröffnung, wie ich ungefähr unterscheiden kann, sämtliche Landsmannschaften wünschen. Del. Dr. Rosenbaum: Ich wTerd.e den Rat des Herrn Präsidenten befolgen. Ich wollte nur darauf aufmerksam machen, dass man in den Landsmannschaften die Angelegenheiten besprochen hat und wollte nur zeigen, dass man nicht nur die ideologische, sondern auch die praktische Seite dieser Frage zu beurteilen hat. (Beifall und Widerspruch.) Präs. Dr. Herzh Ich bitte die Ordner, den Zugang zur Tribüne frei zu halten und die Plätze der Stenographen und Journalisten zu schützen. Das Wort hat jetzt Herr Dr. Wortsmann. (Nach einer Pause:) Du derselbe nicht anwesend ist, erteile ich das Wort dem Herrn Dr. N o s s i g. Del. Dr. Nossig: Verehrter Kongress! (Lebhafte Unruhe.) Präs. Dr. Herzl: Ich bitte um Ruhe für den Redner. Del. Cowen: Er ist nicht legitimiert. (Lebhafte Zustimmung.) Präs. Dr. lierzk Das ist nicht meine Sache, sondern die Sache des Legitimationsausschusses. (Zwischenrufe.) Herr Dr. Nossig, welche Wahlgruppen repräsentieren Sie?