Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 6 (1903) Basel, 23. bis 28. August 1903
- Date
- 1903-01-01
- Page
- Seite 74 (sequence 75)
- Language
- German, English, Hebrew
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für uns eine Zierde werden kann, sie kann aber auch gefährlich werden. Wir haben das A.-C. nicht dazu, dass es Zirkulare schreibt, Schekelregister führt usw., es soll auch die Idee der Bewegung von ihm ausgehen. Eine dritte Erscheinung im Zionismus sind die verschiedenen Gruppierungen. Heutzutage, wenn man jemand in eine Kommission, oder wenn man jemand als Redner wählt, so fragt man nicht: Ist der zu Wählende fähig, die Sache zu verstehen? Nein, man fragt: Gehört er zur Fraktion, gehört er zum Misrachi, oder gehört er zu einer anderen Gruppe? (Zustimmung.) Das ist eine Krankheit der- Bewegung. Ich möchte wissen, ob das A.-G. gewusst hat, wann sich diese Krankheit gebildet hat, und ob es irgend welches Mittel dagegen ergriffen hat. Oder hat das A.-C. vielleicht gesagt: Wir sind erhaben darüber, was im Innern der Bewegung vorgeht. Wir stehen über allen Parteien, wir lassen sie tun, was sie wollen und nur, wenn sie uns fragen, ob sie eine Gruppe bilden sollen, sagen wir: Nein! Bildet sich aber eine Gruppe ohne unsere Erlaubnis, so sagen wir einfach, wir wissen davon nichts, wir anerkennen sie nicht, Misrachi existiert nicht für uns, auch die Fraktion nicht. Ich gehe nun, meine Damen und Herren, zu einem anderen Punkte über und zwar mit Erlaubnis des Herrn Präsidenten zur Frage von Ostafrika. Ich befinde mich in dieser Beziehung in einer schwierigen Lage. Ich muss nach zwei Rednern das Wort ergreifen, von denen der eine Dr. Herzl, der andere Max N o r d a u ist, allein ich bitte Sie, auch meinen bescheidenen Bemerkungen Ihre Aufmerksamkeit zu schenken. Der Moment, in dem wir diese Frage erörtern, ist ein ausserordentlicher. Einerseits haben wir eine Praxis von 25 Jahren hinter uns und andererseits sträuben wir uns aus psychologischen Motiven dagegen: Wir waren bis jetzt Zionisten; auf einmal sagt man uns: Nein, Afrikanisten. Freilich die Herren, die das sagen, sind weise genug, um die bittere Pille in eine angenehme Hülle zu legen. Man erzählt uns von Palästina, man spricht von der Würde des Zionismus, man sagt uns, wir werden unser Ideal für die Zukunft nicht aufgeben, aber man spricht in einem gewissen Tone von „Nachtasylen" usw. Ja, meine verehrten Damen und Herren, da brauchten wir nicht einmal Dr. Herzl, wir haben doch Messiach. Wenn wir uns auf die praktische Seite der Frage beschränken, und man uns nur Erez- Jisroel für die entfernteste Zukunft verspricht, dann sind wir ganz einfach auch für Ostafrika. Aber man kann auch einen anderen Standpunkt einnehmen, und ich muss sagen, es ist jetzt ein sehr gefährlicher Moment. Die Notwendigkeit der Hilfe wird so sehr empfunden, dass niemand den Mut hat, es auf sein Gewissen zu nehmen und zu sagen: Nein, es ist zwar möglich, Hilfe zu leisten, wir wollen aber aus prinzipiellen Gründen nicht. Ich habe auf dem Kongresse Stimmen gehört: Als Zionisten wollen wir das, als Juden wollen wir jenes. Als ob es einen Unterschied gäbe zwischen Zionisten und Juden. Als wenn man als Jude etwas anderes und als Zionist etwas anderes wollen könnte! Dann seien wir Juden und nicht Zionisten! Wir sind doch Zionisten, weil wir glauben, als Juden können wir nur dasjenige wollen, was wir als Zionisten wollen können. Nun einige praktische Bemerkungen. Sie wissen, meine Herren, der Zionismus hat nicht nur das Prinzip Palästinas aufgestellt, s*>nü@Tn aruch ein anderes Prinzip: nationale Arbeit im Gegensatze zu Wohltätigkeitsarbeit. Ich möchte die Sache ganz ruhig, nicht in Form von pathetischen Reden darlegen. Warum ist die Organisation Palästinas gescheitert? Man sagt uns, weil dort Philanthropie war. Wollen wir doch dieses Wort erklären. Wenn uns heute ein Jude, der nicht weiss, wohin er gehen soll, fragt wohin er fahren solle, so können wir ihm nur den einen Rat geben, dorthin zu gehen, wo es schon Vorarbeiten, gibt, wo schon fertige Fabriken stehen, wo schon Geschäfte sind, in denen er als Angestellter oder Arbeiter