Mannheim
Compact Memory

Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1903-01-01 · 6 (1903) Basel, 23. bis 28. August 1903 · p. Seite 71

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
6 (1903) Basel, 23. bis 28. August 1903
Date
1903-01-01
Page
Seite 71 (sequence 72)
Language
German, English, Hebrew
Belongs to
journal volume
OCR quality
94% known words query
IRI
…/3476254-3476266--1915-3478053
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

mittel zum Zwecke der Befassung der Mächte mit der Jii&enfrage und Beginn der Vorarbeiten zur Verwirklichung unserer politischen Pläne. Das sind so grosse und schwierige Aufgaben, dass wir uns dem Verdachte mangelnden Ernstes aussetzen würden, wenn wir ihnen auch nur den kleinsten Teil unserer Kraft entziehen würden, um sie anderen Zielen zuzuwenden. Vor dem unverrückbaren Ziele der jüdischen Besiedlung Palästinas, darf es nur eine Haltestelle unterwegs und eine provisorische Arbeit geben: das ist die Errichtung eines Xotbaues für die Hunderttausende unglücklicher Brüder — ob Zionisten oder nicht, ist ganz gleichgiltig; es genügt, dass sie Juden sind (Lebhafter Beifall) — die, anders als wir Sässigen, nicht warten können, die bereits auf der Wanderung begriffen sind, die bereits wie ein Weberschiffchen von Kontinent zu Kontinent, von Ozean zu Ozean hin- und hergeschleudert werden, die untergehen würden, wenn wir nicht etwas tun würden, um sie zu retten. Für diese Hunderttausende müssen wir, ehe wir ihnen eine ständige Dauerwohnung anweisen können, gleichsam ein jSTachtasyl eröffnen. (Stürmischer Beifall und Händeklatschen.) Als solches Nachtasyl würde ich die 'Kolonie ansehen, zu der die britische Regierung unter gewissen Bedingungen uns Land zu gewähren bereit ist. Freilich wäre es ein Xachtasyl ganz eigentümlicher Art, wie ja alles, was wir Juden als Volk unternehmen, einzigartig ist. Es wäre ein Xachtasyl, das seinen Bewohnern nicht bloss augenblicklichen Unterschlupf und Xahrung gewährt, sondern das auch ein politisches und geschichtliches Erziehungsmittel sein würde, ein Erziehungsmittel, das die Juden und die AVeit an den ihnen seit Jahrtausenden fremd und vielen unleidlich widerwärtig gewordenen Gedanken gewöhnt, dass wir Juden ein Volk sind, ein Volk, fähig, willig und bereit, alle Gesamtaufgaben eines gesitteten selbständigen Volkes zu erfüllen. (Tosender, langandauernder Beifall.) Gewiss, es gibt für das jüdische Volk sehr viel, ungeheuer viel zu tun. Dringlichstes, minder Dringliches, Xotwendiges, Kützliches oder einfach Wünschenswertes, wenn auch vorläufig noch Entbehrliches. Alle Aufgaben dieser Ordnung müssen der Privattätigkeit überwiesen werden. Mögen einzelne und Vereine den Ueberschuss ihrer Kraft und Mittel, wenn sie daran einen Ueberschuss zu haben glauben, der Lösung dieser Aufgabe zuwenden. Der Zionismus muss sich streng jede Kraftzersplitterung versagen. (Stürmischer Beifall.) Sein einziges Arbeitsprogramm muss heissen: Ausbau der inneren Organisation zum Zwecke der Befassung der Mächte mit der Judenfrage und inzwischen Errichtung eines Kachtasyls für unsere Obdachlosen. (Stürmischer Beifall.) Die Wirkung dieser jüdischen Volkspolitik, wenn Sie sie annehmen und laut verkünden, wird sofort fühlbar werden, nicht etwa erst, wenn sie ganz oder teilweise verwirklicht ist, Die Welt wird uns achten, wenn sie uns nicht mehr geduckt, sondern aufrecht sieht. Die

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.