Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 6 (1903) Basel, 23. bis 28. August 1903
- Date
- 1903-01-01
- Page
- Seite 67 (sequence 68)
- Language
- German, English, Hebrew
- Belongs to
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— 67 — zufrieden und wollt auswandern. Wir machen euch unser Kompliment zu diesem Entschlüsse, der für euer Selbstgefühl und eure Energie zeugt. Aber dazu bedarf es doch keiner Eegierungshandlungen. Wir legen eurer Auswanderung nicht das geringste Hindernis in den Weg und geben euch sogar unsere besten Wünsche auf die Beise mit." (Heiterkeit.) Wir haben da, vielleicht zum erstenmale in unserem Leben, keinen Sinn für Humor haben dürfen, sondern mit unerschütterlichem, ehrerbietigem Ernst erwidern müssen: Verzeihung, es genügt nicht, die Türflügel zu öffnen, wenn die Türöffnung aussen zugemauert ist. Ihr gestattet uns den Abzug, aber niemand gestattet uns den Einzug. Da wir nicht annehmen, dass ihr mit dem Leben eines Volkes von 12 Millionen Kurzweil treibt, bitten wir euch, es nicht bei der Erlaubnis zur Auswanderung bewenden zu lassen, sondern uns auch den Eintritt in das Land zu erschliessen, das wir als Ziel ins Ausre sefasst ' o o haben. (Beifall.) Nicht von berufener Seite, nicht von amtlichen Stellen, aber von den zahlreichen Liebhaber-Diplomaten, von denen es in den Beihen unserer Widersacher wimmelt, kam uns darauf diese höhnische Erwiderung: „Ja, Kinder, wie stellt ihr euch denn das eigentlich vor? Sollen die Mächte etwa zum Sultan sagen: Gib den Juden Palästina, sonst hast du es mit uns zu tun?" Auch darauf erwidern wir mit einem Ernste, den der Einwand kaum verdient: Das ist niemals unser Gedanke, unser Wunsch gewesen. Den souveränen Eechten und der Würde des Sultans soll von keiner Seite nahegetreten werden. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Der Tag, an dem wir in eine türkische Provinz einziehen, soll für alle Zukunft ein grosses und glückliches Datum in der Geschichte des Otto-manischen Eeiehes werden. (Erneuerter lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Alles, was wir wünschen, ist, dass wir von den Grossmächten mit dem Sultan amtlich in Verbindung gesetzt werden, und dass wir nach eingehender Konversation mit Sr.Majestät, in der wir uns zutrauen, ihn davon zu überzeugen, dass es sein Vorteil ist, sich mit uns zu verständigen, bei dem Schlussgespräche dieselben Grossmächte als Teilnehmer, Zeugen und Gewährleister unserer Abmachungen gegenwärtig haben. (Lebhafter Beifall.) Sollte sich gleichwohl die Unmöglichkeit herausstellen!, mit Sr. Majestät dem Sultan zu einer Verständigung zu gelangen, sollte sein unbeugsamer Wille uus Palästina verschliessen, dann müssten wir eben, unter feierlicher Aufrechterhaltung unserer unverjährbaren geschichtlichen Ansprüche auf das Land unserer Väter, mit beiden Füssen unerschütterlich auf dem Boden des Baseler Programms verharrend (Stürmischer, langar-haltender Beifall und Händeklatschen), uns in Geduld fassen und warten. Wir können warten. Verstehen Sie mich recht: wir können nicht warten, wenn wir uns selbst aufgeben, wenn wir an unserer Zukunft verzweifeln, wenn