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Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1903-01-01 · 6 (1903) Basel, 23. bis 28. August 1903 · p. Seite 66

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Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
6 (1903) Basel, 23. bis 28. August 1903
Date
1903-01-01
Page
Seite 66 (sequence 67)
Language
German, English, Hebrew
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IRI
…/3476254-3476266--1910-3478048
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— 66 — (Stürmischer Beifall.) Wenn nötig, wollen wir das begründen. Gleichwohl werden wir, von verschwindenden Ausnahmen abgesehen, von Hass oder doch von Abneigung und Misstrauen verfolgt. Hier verweigert man uns ausdrücklich die ursprünglichsten Menschenrechte. Dort gewährt man sie uns auf dem Papier, nimmt sie jedoch in der Praxis grösstenteils wieder zurück. In dieser Lage wollen wir nicht weiter leben. Zur Liebe können wir niemand zwingen. Gerechtigkeit jedoch dürfen wir fordern, weil wir ein Menschenantlitz tragen. (Tosender Beifall.) Es ist aber nicht gerecht, dass man uns als Parias oder bestenfalls als Bürger zweiter Klasse und überall als widerwillig geduldete fremde Eindringlinge behandelt. Wir sind keine Parias und wollen uns nicht zu solchen hinabdrücken lassen. Wir wollen in Palästina Bürger erster Klasse (Tosender, langandauernder Beifall) mit dem allseitig anerkannten geschichtlichen Eeehte von LTreingesessenen sein und wir bitten die Eegierungen, uns zu der Erreichung dieses Zieles behilflich zu sein. Das, ich wiederhole es, mag den Mitlebenden gering scheinen, tatsächlich ist es eine Wendung in der Geschichte des jüdischen Volkes. Wir haben verlangt.. So alt die Welt geworden ist, sie hat bisher immer nur erst zwei Methoden gefunden, um zu bekommen. Diese beiden Methoden heissen: nehmen und verlangen. Pehmen können und wollen wir nicht, bleibt also bloss die zweite Methode: verlangen. Seltsam, aber buchstäblich wahr: Vor dem Auftreten des Zionismus haben wir tatsächlich nicht verlangt. Unter uns haben wir tiefe Seufzer ausgestossen, sehnsüchtige Wünsche in Prosa und Vers ausgedrückt, einander mit vielsagenden Schwärmerblicken die Hände gedrückt, wir sind aber niemals vor alle Mächte hingetreten und haben ihnen in positiver Formulierung offen und deutlich gesagt, was wir wollen. Einen Vorwurf dürfen weder wir selbst, noch andere uns deswegen machen. Das jüdische Volk war chaotisch; es bildete keinen Organismus; es war ein Menschenstaub; es wusste selbst nicht, was es wollte; es hatte keine bestellte Vertretung, die in seinem Namen sprechen konnte; und da es selbst nicht wusste, was es wollte, konnten selbstverständlich auch die Eegierungen dies nicht wissen. Das geändert zu haben, scheint wenig, es ist aber in Wirklichkeit sehr viel. Wir haben verlangt! Wir haben verlangt, dass uns Palästina, unter selbstverständlicher Wahrung der Hoheitsreehte des Sultans, unter ebenso selbstverständlicher Exterritorialisierung der Heiligen Stätten, an denen die ganze Christenheit mit ihren tiefsten Gefühlen der Verehrung und Liebe hängt, jedoch gleichzeitig unter Gewährleistung des unerlässlichen Mindestmasses von Selbstverwaltungsrechten, ohne die wir auch in Palästina uns nicht national ausleben könnten, geöffnet wird. Es ist uns von mehr als einer amtlichen Seite, wenn auch in höfliche Form eingehüllt, etwa dieses entgegnet worden: „Ihr seid un-

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