Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 6 (1903) Basel, 23. bis 28. August 1903
- Date
- 1903-01-01
- Page
- Seite 65 (sequence 66)
- Language
- German, English, Hebrew
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1 ® 1 N jj _ 65 — j der geschielitlichen Bedeutung der Ereignisse Beehenschaft, die sich t| vor ihren Augen begeben. Die Fachwelt ist in der Eegel gerechter; sie ,j kann es sein, denn sie überblickt die Dinge von höher nnd weiter. 1| Die Fachwelt wird zu würdigen wissen, was diese Tatsache bedeutet. \i Denn bis zum Auftreten des Zionismus wurde der nichtjüdischen Welt r| von den Personen, die bis dahin allein als die amtlichen Vertreter \\ des Judentums anerkannt waren, immer versichert, dass es keine Judenil frage gibt, dass die Juden glücklich und zufrieden sind. Es war, 'j namentlich in den letzten Jahrzehnten, seit der Emanzipation der Juden [] im Westen, eine eiserne Tradition des amtlichen Judentums geworden. \l bei jeder Berührung mit ISTiehtjuden eine lächelnde Optimistenphysiognomie anzunehmen. Die herkömmliche Stellung unseres berühmten \ .^grossen Juden" ist die, dass er sich die Hände reibt, wenn er sie nicht entweder in dem Aermelausschnitt der Weste eingehängt hat oder eben \\ mit ihnen ansehnliche Beträge für öffentliche, in der Eegel judenfeindjj liehe, Einrichtungen oder Anstalten auszahlt. ij Wann immer ein Minister, oder gar ein Staatsoberhaupt, auf :| Eeisen oder bei feierlichen Anlässen die amtlichen Vertreter des Juden- 4 tums empfing, hörte man dasselbe Lied: „Wir sind glücklich unter jri Threr Eegierung oder unter Ihrer Verwaltung; wir sind tief dankbar für den gnädigen Schutz, den Sie uns angedeihen lassen; wir werden j;] untertänigst bemüht sein, uns Ihrer Huld und Gnade weiter würdig H zu machen." >j Es ist den Eegierungen nicht übel zu nehmen, wenn sie mit *} einem Anschein guten Glaubens den Juden, die sich nun bei ihnen u\ beklagen, erstaunt entgegnen: „Was, Ihr seid nicht zufrieden? Ihr |? beklagt euch? Das ist ja etwas ganz neues! Eure rechtmässigen Verij treter haben uns immer das Gegenteil versichert!" Ich nehme es als Iein grosses Verdienst des Zionismus in Anspruch, dass er dieser Zufriedenheits-Heuchelei und Dankbarkeits-Komödie ein Ende gemacht hat. (Langanhaltender Beifall.) Wir haben zuerst laut und deutlich , | gesagt: Wir sind nicht zufrieden, wir halten unsere Lage für eine sehr ■ | schlechte, wir empfinden unsere Behandlung als eine unwürdige und >i unverdiente, wir halten eine grundstürzende Aenderung unserer Lage i* für eine Lebensnotwendigkeit, nach den demütigenden Erfahrungen, die wir mit den Anähnlichungsversuchen an andere Völker gemacht, 11 haben wür uns auf uns selbst besonnen und wollen uns in unserer Art, in eigenem Becht, auf eigenem Boden ausleben. Wir haben, ich wiederhole es, die Welt in aller Form mit unseren Wünschen befasst, wir haben!1 als ein Volk, dem Unrecht geschieht rmd das Gerechtigkeit, verlangt, t'\ zu den Völkern gesprochen, wir sind vor die Eegierungen hingetreten! 1 und haben, ohne zu verschleiern und ohne um den Brei zu gehen, etwa p| dieses gesagt: jl Wir sind ein altes geschichtliches Volk von fast zwölf Millionen. Wir halten uns für so gut wie irgend ein anderes Volk auf Erden.