Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 6 (1903) Basel, 23. bis 28. August 1903
- Date
- 1903-01-01
- Page
- Seite 58 (sequence 59)
- Language
- German, English, Hebrew
- Belongs to
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— 58 — Präs. Dr. Herzl: Nun gut! Ob es nun für den Kongress gut ist oder für Herrn T r i e t s c h, ich bitte Sie jedenfalls, ihn ruhig reden zu lassen, denn es würde dies alles so ausgelegt werden, als wäre er von einer Majorität oder einer Clique gehindert worden, hier als Verfechter der Wahrheit aufzutreten. Lassen Sie ihn ruhig ausreden, weil wir nur wenige Tage zur Verfügung haben und viel Wichtigeres und Ernsteres zu tun haben. Es soll aber Herrn Trietsch . . . (Lebhafte Rufe: Wir haben unsere Zeit nicht dazu! — Lärm.) Wenn Sie mir persönlich wirklich wohlwollen, so bitte ich Sie meinetwegen, Herrn Trietsch ruhig ausreden zu lassen. Denn ich will nicht so dastehen, als hätte ich ihn irgendwie vergewaltigt. Ich bitte Sie, lassen Sie ihn ganz ruhig reden. Sie aber, Herr Trietsch, bitte ich im Interesse Ihrer Ausführungen nichts zu sagen, was neue Unruhen provozieren könnte. Del. Trietsch: Glauben Sie, meine Damen und Herren, dass, wenn das wahr wäre, was hier im Protokolle steht, das Dinge behandelt, die vor Jahren geschehen sind, dass ich dann die Oeffentlichkeit suchen würde, dadurch, dass ich Zeitungen gründe, dass ich auf jeden Kongress komme? Glauben Sie, ich würde das tun, wenn man bloss in die Taschen zu greifen brauchte, um die schwärzesten Materialien gegen mich vorzubringen? Sehen Sie sich in diesem Kongress um. Das Wort der Führer gilt sehr viel, und wenn Dr. Herzl gegen mich spricht, bin ich fast „zerschmettert''. Trotzdem sind Freunde genug in dieser Versammlung, die meine Arbeit seit Jahren beobachtet haben, die werden für mich einstehen und darauf schwören, dass, wenn ich die Hand erhebe und sage, was in diesen Dingen steht, ist unwahr — dass ich die Wahrheit spreche. Das Protokoll spricht von Cypern, und in der Tat, ich habe mit Cypern zu tun gehabt und hoffe, noch damit zu tun zu haben. Aber nicht wahr ist, wie das Protokoll sagt, dass ich in einem Kaffeehause die Leute zum Auswandern aufgefordert und der Bürgermeister Geld nachgeschossen hätte, was fehlte etc. Alles das ist unwahr vom ersten bis zum letzten Worte. (Pfui-Rufe. — Widerspruch.) Ich bitte, nach mir! Das ist nicht das erstemal, dass diese Dinge so behandelt werden. Bald nachdem ich in Cypern war, erschien in der „Welt" ein „Eingesendet" aus Fiume, wonach ich schreckliche Dinge gemacht haben soll, und Dr. Herzl hat mir auf einen Brief geantwortet, ich hätte keinen Grund, mich zu beklagen, viel Schrecklicheres sei gegen mich eingelaufen, viel schwerere Sachen seien ausgelassen worden. Ich habe auf meine Weise die Sache behandelt und glaubte, dass meine Arbeit in jüdischen Dingen mich einer A n t w o-r t überhebe. (Widerspruch.) Ich habe dann vor dem letzten Kongress in der „Welt" veröffentlicht, wenn irgend jemand etwas gegen mich vorzubringen hat, so möge er es tun, damit ich Gelegenheit habe, dem Urheber dieser Gerüchte nachzugehen. Niemand hat sich gemeldet. Auf dem letzten Kongresse — sehen Sie sich das Protokoll an — habe ich erklärt, es möge doch derjenige heraustreten, der meint, dass gegen mich Vorwürfe zu erheben seien. Niemand hat sich gemeldet. Trotzdem tönt mir jetzt, wo Dr. Herzl, Dr. Friedemann, Dr. H a n t k e und Klee gegen michJBeschuldigungen erheben, der Ruf zu: „Es geschieht Ihnen recht!" usw. Das deutet darauf hin, dass die Herren dasselbe gewusst haben im vorigen Jahre; damals aber hat sich niemand gemeldet. Die Herren haben Staub über diese Dinge kommen lassen (Schlussrufe), bis ich wieder unbequem wurde. Und jetzt kommen sie wieder in die Höhe. (Lebhafte Schlussrufe und Unterbrechungen.) Ich habe vor kurzem . . . (Rufe: „Ich, ich . . . " Wer sind Sie denn eigentlich? — Lärm und Rufe: Ordner!) Präs. Dr. Herzl: Ich mache Ihnen einen Vorschlag. Sehen Sie sich die Stimmung des Kongresses an, ich sehe voraus, dass, obwohl ich Ihr Bedürfnis erkenne, über diese Angelegenheit ausführlich zu sprechen, — ich