Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 6 (1903) Basel, 23. bis 28. August 1903
- Date
- 1903-01-01
- Page
- Seite 57 (sequence 58)
- Language
- German, English, Hebrew
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bereits einen halben Tag dazu verbraucht, um hier Dinge für und gegen unseren Freund T r i e t s c h anzuhören. Ich glaube, wir haben schon mehr als genug in dieser Angelegenheit getan. Ich beantrage daher Schluss der Debatte über diese Sache und Uebergang zur Tagesordnung. (Lebhafter Beifall. — Widerspruch.) Del. Temkin (spricht in russischer Sprache zur Geschäftsordnung). Vizepräs. Dr. Bodenheimer: Ich erteile nunmehr dem Herrn Delegierten T r i e t s c h das Wort. (Lebhafter Beifall. — Stürmischer Widerspruch und Schlussrufe.) Präs. fierzl (den Vorsitz übernehmend): Ich glaube, es ist ein dringendes Bedürfnis, Herrn Trietsch das Wort zu lassen. (Lebhafter Beifall. — Stürmischer Widerspruch.) Ich bitte Sie, es ihm in aller Ruhe zu gewähren, auch wenn Sie nicht mit allem einverstanden sind, was er sagt. (Bravorufe.) Bitte lassen Sie ihn ruhig sprechen. (Widerspruch.) Vizepräs. Dr. Bodenheimer (den Vorsitz übernehmend): Sie entgehen Herrn 1 rietsch nicht; Sie werden ihn hören müssen, weil er das Wort hat. (Widerspruch und Lärm.) Del. Trietsch: Meine Damen und Herren! (Stürmischer Widerspruch und Schlussrufe. — Lärm.) Präs. Dr. Herzl (den Vorsitz übernehmend): Ich bitte, Herr Trietsch hat das Wort. (Lärm.) Es entspricht durchaus den Bedürfnissen und der Würde des Kongresses, Herrn Trietsch ruhig anzuhören. (Bravo I — Lärm.) Er ist hier angegriffen worden, er hat eine Majorität gegen sich, und wir wollen unsern Kongress nicht in den Ruf kommen lassen, dass eine Minorität sich nicht äussern kann. (Beifall.) Herr Trietsch hat das Wort. Del. Trietsch: Meine Damen und Herren! Wollen Sie verstehen, dass es eine Ehrenpflicht von Dr. H e r z 1 ist . . . (Lärm.) Wollen Sie verstehen, dass es eine Ehrenpflicht von Dr. Herzl ist, den Kongress zu zwingen, dass er mich anhört. Wenn Sie nicht wollen, so würde, nach dem, was hier gesagt worden ist, die Würde dieses Kongresses sehr leiden, wenn ein schreiender Kongress mich am Sprechen verhindern würde, wo ich gezwungen bin, meine persönliche Ehre zu verteidigen, aber auch die Ehrenhaftigkeit der Kritik zu verteidigen, der ich das A.-C. unterzogen habe. Denn wenn es Ihnen gelingt, von einem Kritiker des Aktions-Comites zu zeigen, dass er ein nichtswürdiges Subjekt ist, dann steht das Aktions- Comite wieder glänzend da, ohne dass ein Funken von Sachlichem gesagt worden wäre. (Lebhafter Widerspruch und Zwischenrufe. — Lärm.) Vizepräs. Dr. Bodenheimer (den Vorsitz übernehmend): Ich richte die Bitte an Sie, sich möglichst kurz zu fassen. (Beifall. — Ruf: Wir sind nicht hieher gekommen, um ein Zwiegespräch des Herrn Trietsch anzuhören!) Del. Trietsch: Ein Zwiegespräch ist nur zwischen zweien möglich, und dazu gehört auch Dr. H e r z 1. (Lärm.) Ich habe die Tätigkeit und die Politik des A.-C. einer Kritik unterzogen. Die Kritik war, wie ich glaube, und wie Ihr Beifall an vielen Stellen mir gezeigt hat, ernst und jedenfalls sachlich gemeint Die Kritik war aber scharf, und darum wundere ich mich nicht über die Folgen, die darin bestehen, dass ich nun unbedingt abgeschlachtet werden muss. Darum musste Dr. Herzl mit seinem Protokolle kommen, an dessen Richtigkeit er sicher glaubt, das aber grundfalsch ist. (Lebhafter Widerspruch und Lärm. — Rufe: Lüge! Abzug! Ruhe!) Präs. Dr. Herzl (den Vorsitz übernehmend): Erlauben Sie, verstehen Sie denn nicht, dass es Herrn Trietsch nur dient, wenn hier unruhig verhandelt wird? Del. Trietsch: Das ist falsch! Mir dient das nicht! Mir dient eine friedliche Verhandlung auf diesem Kongress.