Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 6 (1903) Basel, 23. bis 28. August 1903
- Date
- 1903-01-01
- Page
- Seite 56 (sequence 57)
- Language
- German, English, Hebrew
- Belongs to
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— 56 — verlas ihn unter allgemeiner, schallender Heiterkeit. Es war der Prospekt der Orient-Kolonisationsgesellschaft! Meine Damen und Herren! Ich kann hier nicht den ganzen Prospekt durchgehen, will mir aber doch das Vergnügen machen, Sie nur auf einige kleine Punkte zu verweisen. Herr T r i e t s c h , der grosse Orientsachverständige, hat auf Seite 6 eine Rentabilitätsberechnung aufgestellt, in welcher er behauptet hat, dass man mit 500 Mark im Orient leben könne. Ich weiss nicht, aus welchen Büchern Herr T r i e t s c h das hat, aber eins steht fest: Die abhängigen Bauern von Pethach-Tikwah, die Apotheke und den Arzt frei haben, die von Seite aller möglichen Leute Unterstützungen erhalten, sei es vom Baron, sei es von der Chakulah — leider Gottes! — diese abhängigen Bauern brauchen durchschnittlich 7773 Francs pro Person. Herr Trietsch wird aber mit seiner neuen Gesellschaft mit 100 Mark-Anteilscheinen die Leute mit 500 Mark ansiedeln. Und wie sorgfältig hat er diese Berechnung aufgestellt! Mit welcher Liebe, mit welchem Eifer für die Bewegung! Er hat sogar die Steuern beiseite gelassen, weil offenbar die türkische Regierung, seit sie durch den Zionismus bearbeitet wird, geneigt ist, auf eine Besteuerung der jüdischen Kolonisten zu verzichten. (Rufe: Zur Sache!) Vizeüräs. Dr. Bodenheimer: Ich habe soeben Rufe: Zur Sache! vernommen. Ich finde, dass Herr Dr. Friedemann ebenso zur Sache spricht, wie Herr Trietsch. Fahren Sie fort! Del. Dr. Friedemann (fortfahrend): Wenn-man einen Prospekt aufstellt, in welchem man die Steuern vergisst, die im Orient ein Achtel des gesamten Einkommens aufessen, so kann man doch nicht den Anspruch darauf erheben, für einen Sachverständigen zu gelten. Ich werde übrigens demnächst in der Presse noch näher auf diese Dinge eingehen. Hier ist nicht der Platz dafür, es genügt zur Beleuchtung dessen, was Herr T r i e t s c h für ein sorgfältiger Arbeiter ist, das Vorgebrachte. Noch eins! Hätte Herr Trietsch es ernst mit der Bewegung gemeint, dann hätte er sich hinbegeben zu denjenigen Leuten, die an der Spitze gestanden und hätte ihnen seine Ideen vorgetragen und hätte gesagt: hier sind die Pläne, die vertrete ich in der Öffentlichkeit, und wenn diese Pläne dem Plenum gefallen, wenn sie möglich, wenn sie durchführbar sind, dann werde ich mich für diese Pläne weiter opfern, denn wir sind nicht dazu da, um Führer zu sein, sondern um Soldaten zu sein in dieser Bewegung. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Da es aber Herrn Trietsch darauf ankam, kein Soldat, sondern ein. Führer zu sein, so brachte er diese Idee von vorneherein in einer Form vor, die eine Spitze gegen die Führung enthielt. Ich muss offen sagen: wenn ich die Wahl habe, einer Bewegung anzugehören, in der man mitunter einen Fehler macht, mit Dr. H e r z i an der Spitze oder einer Bewegung, in der man Leute ins Unglück führt, mit Herrn Trietsch an der Spitze, dann weiss ich, was ich wähle. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Del. Trietsch (meldet sich zur Geschäftsordnung zum Wort. — Stürmischer Widerspruch. — Rufe: Nichts mehr! — Schluss!) Vizepräs. Dr. Bodenheimer: Es-haben sich die Heren Syrkin und T e m k i n zur Geschäftsordnung zum Worte gemeldet. Nach diesen Herren werde ich mir erlauben, dem Herrn Trietsch noch einmal das Wort zu geben. (Stürmischer Widerspruch und Rufe: Nein, es ist genug!) Ich werde den Kongress befragen, ob er Herrn Trietsch dann noch einmal hören will. (Rufe: Nein!) Del. Syrkin: Wir stehen in der Diskussion über die Rede des Herrn Dr. H e r z 1. Wir sind ja nicht hierhergekommen, um Sachen nichtprinzipieller Natur, die keinen weiteren theoretischen oder praktischen Wert haben, hier ausführlich zu erörtern. Wir stecken in einer wichtigen Diskussion, und es sind in den bereits gehaltenen Vorträgen Fragen aufgeworfen worden, die zweifellos einer ernsten Diskussion bedürfen. Nun haben wir