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Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1903-01-01 · 6 (1903) Basel, 23. bis 28. August 1903 · p. Seite 52

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Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
6 (1903) Basel, 23. bis 28. August 1903
Date
1903-01-01
Page
Seite 52 (sequence 53)
Language
German, English, Hebrew
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IRI
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— 52 — ist und im Juni dieses Jahres aufgenommen wurde, lautet, wie folgt (liest) : PROTOKOLL aufgenommen mit Frau Betty Kaufmann aus Galatz, derzeit in Wien. Frau Kaufmann erzählt: Ich verliess vor Jahren mit meinem Mann und sechs Kindern Galatz, um mit einer Gruppe von 52 Familien nach Cypern auszuwandern. Die Namen dieser Familien sind mir nicht mehr ganz im Gedächtnis. Ich erinnere mich nur an David Heinrich, derzeit in Tg. Osra, Moischel Pastor, derzeit in Galatz, Mechel Katz, Chuie Grünberg, Leb Bernstein, Leb Lebrowitsch, Itz. Weinstein, Itz. Weiss, Srul Srulowitsch, Sehl. Blumenfeld, Luise Drojes, Ch. Schuster, Rüben JaKochinig, Aron Cowen, Lupu Cowen ... Mein Mann war Fuhrwerker und besass Wagen und vier Pferde. Danebst hatte ich einen Kramladen. Wir ernährten uns schlecht und recht und hatten eigentlich keine Ursache zu Klagen. Da ging eines Tages das Gerücht durch die Stadt, ein Mann sei gekommen, um die Juden nach Cypern zu führen, da es ihnen dort gut gehen werde. Da ich eine grosse Tochter hatte und an die Zukunft denken musste, an die Aussteuer u. s. w., beschlossen wir, uns anzuschliessen. Wir erkundigten uns und erfuhren, dass Herr T r i e t s c h mit anderen Herren in einem Kaffeehause eine Versammlung abhielt, um zur Auswanderung nach Cypern aufzufordern. Jeder brauche nur nach seinen Mitteln beizutragen, alles andere werde sich schon von selber ergeben. Wir steuerten 80 Frcs. bei. Als noch zur ganzen von T r i e t s c h geforderten Summe einige hundert Francs fehlten, versprach der Bürgermeister von Galatz, den Rest aufzubringen. Vorsichtshalber sandten wir zwei Familien auf Kosten der Gruppe voraus, um zu erfahren, ob die Berichte auch der Wahrheit entsprächen. Wir erhielten auch bald ein Telegramm, dass der Boden sehr gut sei. Das war nun die Losung zum Aufbruch. Wir verkauften unser ganzes Eigentum, natürlich wie alle anderen mit grossem Verluste weil wir ja alles so schnell wie möglich losschlagen wollten. Wir erhielten für Wagen, vier Pferde und Waren 400 Frcs. Der wirkliche Wert war über 1200 Frcs. Der Billigkeit halber schifften wir uns auf einem Segelschiff ein. Herr T r i e t s c h versprach, uns in Cypern zu erwarten. Unser Führer hiess Feldmann. Leider kamen wir aber hur bis in den Pyräus. Dort ging uns das Geld aus, ausserdem erhielten wir die Nachricht, dass man uns die Landung in Cypern nicht gestatten werde. Wir waren nun in der grössten Verlegenheit, als zwei Herren von der „Alliance" erschienen und uns Hilfe zu bringen suchten. Ein Teil kam nach Argentinien. Die übrigen wurden in kleinen Partien nach verschiedenen Orten verschickt. Unsere Familie blieb mit noch fünfzehn anderen Familien in Griechenland. Wir kamen in einen Wald und hatten Holzknechtsarbeit zu verrichten. Wir blieben aber daselbst nur vier Monate, ungefähr bis Sukkoth, denn das Fieber hatte uns alle jämmerlich hergerichtet, und an eine Fortsetzung der Arbeit war nicht zu denken. Krank und bettelarm kamen wir nach Galatz zurück. Wir waren aber nicht alle, die wir ausgezogen waren. Ich erinnere mich nicht genau, waren es zwölf oder fünfzehn Personen, meist junge Leute, die wir in fremder Erde zurückliessen. So starben Sch. Blumenfeld, seine Frau und sechs Kinder. Vater und Sohn starben an einem Tage im Pyräus. Grösstenteils wurden die Kinder hinweggerafft. Leiser Drojes, Chaim S c h u s t e r und mein armer Mann kamen wohl nach Rumänien zurück, gingen aber hier an den mitgemachten Strapazen zugrunde. Nun stehe ich mit sechs Kindern hilflos in der Welt und bin auf fremde Hilfe angewiesen.

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