Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 6 (1903) Basel, 23. bis 28. August 1903
- Date
- 1903-01-01
- Page
- Seite 44 (sequence 45)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 44: — los oder nicht akzeptabel. Nun frage ich: Können wir der Pforte sagen, dass ihr Charter uns nicht genüge, sondern nur mit der Kontrasignatur der Grossmächte ausreichende Garantien biete? Wird nicht die Pforte ein derartiges Verlangen als unberechtigt und ausserdem als Keim und Veranlassung aller möglichen Einmischungen seitens der Mächte zurückweisen müssen? Ich möchte sagen, wenn der Charter die selbstverständlichste Sache von der Welt wäre, wenn es Dr. Herzl gar nicht möglich wäre, dem Charter auszuweichen, so wäre das Verlangen einer Garantie durch die Mächte das Mittel, jedes Entgegenkommen der Türkei zu verhindern. Im übrigen, welche Grossmacht wird denn eine solche Garantie geben und halten wollen? Doch höchstens diejenigen Mächte, die selbst kein direktes Interesse an Palästina, selbst keine Absichten auf das Land haben. Würde von Russland eine solche Garantie erwartet werden können? (Del. W o 1 f f s o h n : Ja!) Oder würde Russland, das doch einige Absichten auf Palästina zu haben scheint, eine solche Garantie geben und auch dann sich durch dieselbe für gebunden erachten, wenn es durch eine Verschiebung der Weltlage die Möglichkeit bekäme, selbst die Hand auf Palästina zu legen? Del. Wolfisohn: Das sind Dummheiten! Del. Awinowitzki: Ich frage, ob hier Leute sprechen können, die das Baseler Programm nicht anerkennen? (Lärm.) Dr. Herzl: Wenn Sie den Redner unterbrechen, so dauert es ja noch länger! (Unruhe.) Ich bitte, Herrn Trietsch sprechen zu lassen. Del. Trietsch (fortfahrend): Ich hatte eben schliessen wollen. Da zeigt mir Dr. Awinowitzki, dass nicht der ganze Kongress verstanden hat, worauf es ankommt. Er sagt, dass ich eigentlich hier, nicht sprechen dürfe, weil ich das Baseler Programm nicht anerkenne. Aber ich anerkenne das Baseler Programm und will auf dem Boden desselben versuchen, bei anderer Gelegenheit als jetzt ein besseres aufzustellen, (fronischer Beifall und Schlussrufe.) Meine Damen und Herren! Halten wir doch den Kongress mit seiner kostbaren Zeit nicht auf. Ich sage nur das Notwendigste, was ich sagen muss, um verstanden zu werden. Hören Sie ruhig zu, die Tribüne steht für jedermann frei. Ich sagte, ich will auf Grund des Baseler Programmes, das ich als bindend anerkenne, ein besseres aufbauen, ein solches zionistisches Programm, nach dem auch Dr. Herzl bis jetzt gearbeitet hat. Dr. Awinowitzki hat aber übersehen, dass Dr. Herzl das Baseler Programm durchbrochen hat. Er hat von Ländern gesprochen, die nicht Palästina sind. Er hat mit Aegypten verhandelt, er hat wegen K 1 e i n a s i e n verhandelt, und wir hören heute etwas von einer zionistischen Gegenwartsarbeit, von einer Kolonisation, die als Pflicht der Zionisten anerkannt wird, wir hörten heute von 0 s t a f r i k a. Wäre es da nicht besser, wir ändern das Programm in dem Sinne, dass die nächsten Nachbarländer in den Arbeitsbereich einbezogen werden, so dass Dr. Herzl, wenn er da etwas erreicht hat, sagen kann: Zion ist es freilich nicht, aber es kann es werden! Wäre ein solches Programm nicht vernünftig? Brechen wir mit dem Programmfanatismus! Ich schliesse jetzt, indem ich sage: Dr. Herzl hat ziemlich weit von Palästina gesucht und nicht gefunden. Ich wiederhole jetzt mit etwas anderen Worten, was ich vorher gesagt habe — und diejenigen, die meine Arbeit in diesen Jahren verfolgt haben — ernsthaft, ohne auf Verleumdungen und Vorurteile etwas zu geben, werden wissen, dass ich mich keiner grossen Ueberhebung schuldig mache, wenn ich sage, was ich jetzt sagen werde — ich sage, Dr. Herzl hat weit von Palästina gesucht und nicht gefunden. Geben Sie mir und meinen Freunden einen Teil der Be-