Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 6 (1903) Basel, 23. bis 28. August 1903
- Date
- 1903-01-01
- Page
- Seite 38 (sequence 39)
- Language
- German, English, Hebrew
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3476254-3476266--1882-3478020- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
— 38 vorgerückter Stunde, ungeachtet einer Menge unerledigter Dinge, trotzdem ich ihm gesagt hatte, dass es keinen Zweck mehr hätte, noch darüber zu sprechen, verfügte er, dass die Sache angeschnitten wurde, denn ihm lag viel an der Cypernsache, besonders aber daran, die Stimmung des Kongresses kennen zu lernen. Der Kongress lehnte damals die Sache ab. Trotzdem gab H e r z 1 Cypern nicht auf. Aus meiner bündigen Erklärung, dass ich nichts mit de;* Ica oder einer anderen geldgewaltigen Gesellschaft zu tun habe, sondern in meinem eigenen Auftrage arbeite, hatte Dr. H e r z 1, der mich für einen „Diplomaten" hielt, das gerade Gegenteil geschlossen, und ich bekam im Jahre 1900 eine später abgeleugnete Einladung, dem A.-C. Bericht zu erstatten (selbstverständlich nicht von Dr. Herzl abgeleugnet, aber von Leuten, die ihm nahestanden). In dieser Sitzung des A.-C, welcher auch die Bankherren beiwohnten, wurde es Dr. Herzl klar, dass ich nur den. r i c h t i g e n G e d a n k e n hatte, und von diesem Tage an interessierte ihn die Cypernfrage nicht mehr. Sie hatte ihn interessiert, weil er glaubte, , dass ich mit der Ica oder einer anderen geldgewaltigen Gesellschaft in Verbindung stände. Noch im Jahre 1899 hatte ich Dr. Herzl auf El-Arisch, auf. das Nachbargebiet und die Bahnmöglichkeiten aufmerksam gemacht. Er zeigte nicht das mindeste Verständnis für die Sache. (Redner sucht in seinen Aufzeichnungen, worüber Unruhe entsteht.) Ich bitte wegen der Pausen um Entschuldigung, aber ich möchte den Kongress nicht mit Dingen aufhalten, die für den Zweck dieser Auseinandersetzungen belanglos sind und die ich deshalb aus dem, was ich hier vor mir habe, auslasse. Die allgemeine Idee war also damals noch der türkische „Charter für Palästina". Der Londoner Kongress brachte keine Aenderung. Die Stimmung gegen Augenblickserfolge hielt an bis zum Hochsommer 1902, nachdem auch der letzte Kongress nichts neues gebracht hatte, ausser dass man meine Ausführungen betreffs El-Arisch mit bemerkenswerter Ruhe hinnahm. Wie gesagt, vor etwas mehr als einem Jahre wurde wieder ein Schritt in der Landfrage getan. Dr. Herzl erzielte es, nach Konstantinopel berufen zu werden, und er wurde aufgefordert, zu formulieren, was er wollte. Die „Welt" schreibt in ihrem Leitartikel vom 8. August 1902 die Worte, die ich Ihnen vorhin vorgelesen habe: „Dr. Herzl formulierte die Bedingungen der jüdischen Ansiedlung in einem zusammenhängenden Teile von Palästina und in noch anderen Gebieten Kleinasiens auf der Grundlage eines Charters. ' Dann lasse ich etwas aus, was nicht hierher gehört, und; gehe weiter. (Liest:) „ . . . aber die Zugeständnisse, die Se. Majestät einer jüdischen Ansiedlung zu machen sich bereit erklärte, konnten nicht als ausreichend nach unserem zionistischen Programme erachtet werden." Hier ist mancherlei zu bemerken. In diesem Kommunique der -„Welt" ist zum erstenmale die Rede von Teilen Palästinas, zum erstenmale auch offiziell von Nachbargebieten. Aber trotz dieser Mässigung, die sich zunächst auf einen Teil Palästinas beschränken wollte und trotz der Abweichung vom Baseler Programm, das nur von Palästina spricht, hat die Pforte diesem Vorschlage ein „C'est inadmissible" entgegengesetzt. Wenn die „Welt" hier von „Gegenvorschlägen des Sultans" schreibt, so bin ich überzeugt, dass solche Vorschläge nicht hätten abgelehnt werden dürfen, ohne dass ein Kongress befragt worden wäre. Wir haben heute gehört, dass wegen Ostafrika erst der Kongress befragt werden solle, und wegen dieser türkischen Offerte nicht? Man hat mir heute eine Erklärung zu geben versucht, die sehr plausibel klingt. Herr Dr. Bodenheimer hat sie mir gegeben. Es wurde mir gesagt, es liege ein prinzipieller Unterschied vor. In der Frage von Ostafrika handelt es. sich um