Mannheim
Compact Memory

Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1903-01-01 · 6 (1903) Basel, 23. bis 28. August 1903 · p. Seite 37

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
6 (1903) Basel, 23. bis 28. August 1903
Date
1903-01-01
Page
Seite 37 (sequence 38)
Language
German, English, Hebrew
Belongs to
journal volume
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3476254-3476266--1881-3478019
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

— 37 — Ich bitte nun Herrn T r i e t s c h , fortzufahren. Del. Trietsch (fortfahrend): Ich komme nun, wenn Sie die Freundlichkeit haben wollen, mir mit Aufmerksamkeit zuzuhören, zu einer zusammenhängenden Darstellung, die ich derjenigen unseres Führers entgegenzusetzen habe. Ich möchte diese zusammenhängende Darstellung betiteln: „Die Landfrage im Zionismus44. Was ich vortragen werde, ist niedergelegt worden, bevor ich von Dr. Herzls heutigen Ausführungen auch nur eine Ahnung haben konnte. Ich möchte über die Landfrage im Zionismus folgendes sagen: Das erklärte Ziel des Zionismus ist das Land. Alles andere ist ebenso erkiärtermassen Mittel zum LandzwecK. Inhalt und Form des Baseler Programms lassen hierüber keinen Zweifel zu. Ob das Programm richtig oder unrichtig ist, soll nicht untersucht werden, sondern wir wollen versuchen, klarzulegen, wie weit man heute, sechs Jahre nach dem ersten Kongresse, in der Landfrage hält. Sechs Jahre! Einige werden sagen, dass sechs Jahre keine Zeit seien, um die jüdische Landfrage zu lösen, eine Frage, die 1800 Jahre ungelöst war, könne nicht in ein paar Jahren gelöst werden. Auf dem Kongresse im Jahre 1900 hat Dr. Herzl in seiner Eröffnungsrede gesagt: „Die Hascher nach Augenblickserfolgen mögen sich nur wieder von unseren Fahnen davonstehlen." Ein sehr fest und besonnen klingendes Wort. Nur hätte der, der es gesagt hat, es nicht sagen dürfen. Denn er hat die ganze Zeit nichts anderes getan, als nach Augenblickserfolgen gejagt. (Stürmische Schlussrufe, grosser Lärm, Zischen, lebhafte Pfui-Rufe.) Vizepräs. Dr. Bodenheimer: Ich bitte den Redner nicht zu unterbrechen. Die Geschäftsordnung wird von mir wahrgenommen. (Erneuter Lärm und Rufe der Entrüstung.) Del. Trietsch (fortfahrend): Meine Damen und Herren! Sie handeln nicht im Interesse einer Aussprache, wenn Sie einen Redner unterbrechen. Sie tun damit Dr. Herzl keinen Gefallen, den Sie Ihrer Ansicht nach verteidigen wollen. Das ist nicht die Verteidigung, die Dr. Herzl haben will. (Widerspruch und Zwischenrufe.) Wenn ich gesprochen habe, mag sprechen, wer da will und was man will, zuerst aber höre man, was ich zu sagen habe. — Herr Dr. H e r z 1 hat kurze Zeit vor demselben Londoner Kongresse und ebenso erst jetzt wieder ganz kürzlich von dem unmittelbar bevorstehenden Beginn der zionistischen Wranderung gesprochen und vielsagende Andeutungen gemacht. Ja, wie es auch klingen möge, schon bald nach dem ersten Kongresse im Jahre 1897 hat er von „tatsächlich besseren Aussichten44 gesprochen, in Anbetracht deren es „momentan nicht opportun44 sei, von gewissen Möglichkeiten zu sprechen. Dr. Herzl und die von ihm neu und grösser organisierte Bewegung waren in der ersten Zeit nach Formulierung des Baseler Programmes der Ansicht, dass man dem Grossherrn nur die Vorteile einer Besiedlung Palästinas durch Juden zu zeigen brauche, um den Charter zu erlangen. Die Zionisten waren der Ansicht, dass Herzl wesentlich vorgearbeitet habe, dass er diplomatische Beziehungen hätte usw. Auf die Nachricht, dass der deutsche Kaiser ihn und eine zionistische Abordnung in Palästina empfangen würde, verkündete er — unter dem frischen Eindruck dieser Nachricht — dass die jüdischen Massen sich bald in Bewegung setzen würden, und als erst diese Audienz wirklich stattgefunden hatte, da wurde ihre Bedeutung derart übertrieben, dass selbst mit den klarsten Köpfen unter den Zionisten lange Zeit nicht zu reden war. Die Vernünftigsten meinten, es sei zu schnell gegangen. „Wir haben nicht Zeit gehabt, Vorbereitungen zu treffen.44 Nachdem man so um die Jahreswende 1898/99 schon das Ziel in der Tasche zu haben glaubte, zeigte Herzl auf dem III. Kongresse ein beträchtliches Interesse dafür, dass die Cypernfrage zur Sprache käme. Trotz

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.