Mannheim
Compact Memory

Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1903-01-01 · 6 (1903) Basel, 23. bis 28. August 1903 · p. Seite 35

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
6 (1903) Basel, 23. bis 28. August 1903
Date
1903-01-01
Page
Seite 35 (sequence 36)
Language
German, English, Hebrew
Belongs to
journal volume
OCR quality
99% known words query
IRI
…/3476254-3476266--1879-3478017
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

— 35 — Wir haben ernsthafte Arbeiter in der Bewegung und ich möchte nicht einstehen für jeden einzelnen von ihnen, dass er unbedingt, wie auch die Politik des Aktions-Comites sein möge, in der Partei bleiben wird. Ich möchte nicht das Odium auf diese Herren laden, auf die besten Arbeiter der Partei, wie es Dr. H e r z 1 mit diesen Worten getan hat. Ich halte das üir falsch und unangebracht. Ich werde mit aller Mässigung und mit aller Ruhe, die der Gegenstand erlaubt, sprechen. Ich bitte Sie, mir möglichst auimerksam zu folgen. Ich werde zunächst auf die Rede des Herrn Dr. H e r z 1 antworten und dann in einer zusammenhängenden Weise das Thema besprecnen. Herr Dr. H e r z 1 hat von denen gesprochen, die treu bei der Bewegung bleiben werden, gleichviel, ob wir schnelle Eriolge haben werden oder nicht. Er sagte, denen kann man auch alles sag e n. Wir haben bisher nicht häufig Gelegenheit gehabt, alles zu hören. Im Gegenteil, es kommt mir fast vor, als ob man denen auch alles verschweigen kann. Ich glaube, es ist Zeit, dass man anfängt., alles zu sagen, so wie es Dr. H e r z 1 heute nur angedeutet hat. Herr Dr. Herzl hat in Verbindung mit dem, was er bezüglich der Unterhandlungen mit dem Sultan gesagt hat, folgendes erwähnt: „Ich konnte mich selbstverständlich auf nichts einlassen, was mit unserem Programm nicht vereinbar war. Diese Aeusserung wundert mich von Dr. Herzl, denn in der betreffenden Nummer der „Welt", in der von diesen Verhandlungen die Rede war, stand folgendes: „Dr. Herzl formulierte die Bedingungen der jüdischen Ansiedlung in einem zusammenhängenden Teile Palästinas und anderen Gebieten Kleinasiens auf der Grundlage eines Charters.4' In unserem Programm aber steht nichts von Kleinasien. Sie wissen, dass ich nicht gegen eine Erweiterung des Landgebietes . bin, aber wenn hier der Wortlaut des Programmes durchbrochen ist, ich möchte sagen an der gefährlichsten Stelle, dann müssten wir doch erst wissen, inwiefern das Anerbieten Sr. Majestät des Sultans mit dem Programme nicht in Einklang zu bringen war. Es war dann von Verhandlungen über die Sinaihalbinsel die Rede. Auch das ist ein Gebiet, das nicht zu unserem engsten Landgebiete gehört. Solche Verhandlungen gehen auch schon hinaus über das, was in unserem Programme vereinbart war. Ich will wiederholen: Ich bin nicht dagegen. Später wurde das von der Halbinsel Sinai Gesagte eingeschränkt. Es hiess dann: Ein Landstrich auf der Halbinsel Sinai. Das dürfte wohl die Provinz El-Arisch sein, auf die ich seit Jahren vergebens hingewiesen habe. Es ist weiter gesagt worden, dass diese Verhandlungen daran scheiterten, dass man die Pelusinische Ebene nicht genügend mit Wasser versorgen konnte, um einen grösseren Anfang zu machen. Ist das ein Grund, einen Teil von Palästina nicht zu kolonisieren, weil wir nicht genügend Wasser auf eine bestimmte Weise bekommen können, um eine grosse Menge von Menschen hinzubringen? Wie i war es denn in den jüdischen Kolonien? Da musste doch auch erst Wasser beschafft werden. Mir scheint der Fehler darin zu liegen, dass Herzl einen zu grossen Anfang machen wollte, und nicht am Lande. Die Stadt El-Arisch, die ganz nahe bei der palästinensischen Grenze ist, die die Grenzstadt des alten Palästina war, die hat vor 100 Jahren 1000 Einwohner gehabt, und hat heute 5000 und exportiert Gemüse und andere Dinge. Und da ist keine Bewässerung in einem grossartigen Massstabe hingekommen. Wer sagt uns denn, dass in El-Arisch, nachdem dort im vorigen Jahrhundert die Einwohnerzahl von 1000 auf 5000 gestiegen ist, nicht innerhalb ganz kurzer Zeit aus 5000 10 000 Einwohner werden können und noch viel mehr, insbesondere mit Rücksicht auf die nun zur Verfügung stehenden Hilfsmittel der Technik, die das vorige Jahrhundert nicht gekannt hat und mit Rücksicht auf unser intensives Interesse? Ist das nicht ein genügend grosser Anfang, um dieses El-Arisch-Projekt nicht sofort

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.