Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 6 (1903) Basel, 23. bis 28. August 1903
- Date
- 1903-01-01
- Page
- Seite 34 (sequence 35)
- Language
- German, English, Hebrew
- Belongs to
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— 34 — dazu Stellung nehmen. Es ist auch eine Sache der Unmöglichkeit, dass wir vielleicht überlegen und eine Debatte eröffnen, die zu keinem Ziele führen wird, und nach einem halben Jahre wieder zusammenkommen sollen. Wir müssen Stellung nehmen zu der ganzen Angelegenheit. Einerseits sehen wir das gewaltige Elend und andererseits die Möglichkeit, diesem Elend abzuhelfen. Unter diesem Drucke können wir nicht Nein sagen. Ein Veto wäre ein Verbrechen. Sie erinnern sich alle an die bekannte biblische Stelle, wo der Schöpfer dem Kain sagt: „Die Stimme des Blutes deines Bruders ruft zu mir von der Erde.44 Wir Können sagen: „Die Stimme des Blutes unserer Brüder ruft zu uns von der Erde", und zwar der Brüder, die durch Hunger und Elend zugrunde gehen. Wenn wir daran denken werden, dann wird für uns jedes idealistische Moment von Palästina usw. in diesem Momente aufhören. Für uns entsteht dann die Frage, wie können wir es unmöglich machen, dass das Blut unserer Brüder unaufhörlich zu uns schreit. Es wäre ein Verbrechen, wenn wir unter diesen Umständen sagen, wir wollen nur das Erez Jisroel haben. Wir müssen erreichen, was wir zur Zeit erreichen können. In diesem Sinne stellt die schweizerische Landsmannschaft einen Antrag. Man kann nicht im Kongresse über alles Mögliche aufgeklärt werden. Es fällt überhaupt dieser Körperschaft schwer, Beratungen zu pflegen und Beschlüsse zu fassen. Es würde sich daher empfehlen, dass Sie eine Kommission bestellen, die, während der Kongress tagt, die ganze Frage untersucht, insbesondere auch in politischer Hinsicht. Diese Kommission soll erst dem Kongresse Bericht erstatten und einen Antrag stellen. Damit dieser Kommission die Vertreter aller möglichen Richtungen angehören, nicht nur der Landsmannschaften, wird es sich empfehlen, dass die Kommission aus zahlreichen Mitgliedern besteht. Wir beantragen daher, dass der Kongress eine aus 21 Mitgliedern bestehende Kommission wählt. Wir sagen weiter: Wenn die Kommission Ihnen Anträge stellen soll, dann muss sie über die bisherigen Unterhandlungen des Aktions-Comites mit der egyptischen, englischen und türkischen Regierung vollkommen im Klaren sein. Unser Antrag geht deshalb auch dahin, dass der Kommission vom Aktions-Comite alle gewünschten Auskünfte erteilt werden. Der Antrag lautet: „Der Kongress wählt eine aus 21 Personen bestehende Kommission, die die Frage Ostafrikas prüfen und dem Kongress Bericht und Antrag stellen sollen. Der Kommission sollen vom Aktions-Comite alle von ihr gewünschten Auskünfte erteilt werden." Diesen Antrag habe ich im Namen der schweizerischen Landsmannschaft zu vertreten die Ehre gehabt. (Rufe: In den Jargon übersetzen!) Ich glaube, man hat mich in der Hauptsache verstanden, und es wäre schade, wenn wir die Zeit mit Uebersetzen in den Jargon und ins Hebräische verbringen wollten. Wir sind nicht hier, um Prinzipienreiterei zu treiben, sondern um etwas durchzuführen, was praktisch und notwendig ist. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Del. Trietsch: Meine Damen und Herren! Es tut mir leid, dass eine grössere Unterbrechung stattgefunden hat zwischen dem, was Herr Dr. Herzl uns gesagt hat und der Diskussion, die sich jetzt daran knüpfen soll. Manches wird Ihnen nicht mehr so in Erinnerung sein, wie ich es im Interesse einer guten Aussprache wünschen würde. Aber wir könren uns da nicht helfen, und ich muss versuchen, mein Bestes zu tun. Ich bitte, sich möglichst genau an das zu erinnern, was Herr Dr. Herzl uns im einzelnen und auch nebenbei gesagt hat. Diejenigen unter Ihnen, die mich kennen, wissen, dass ich in dieser Partei bleiben werde, solange in dieser Partei die Notwendigkeit von Arbeit in der Landfrage sein wird. Trotzdem hat es mich sehr unangenehm berührt, dass Dr. Herzl uns hier gesagt hat: „Wir werden diejenigen verlieren, an denen nichts zu verlieren ist."