Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 6 (1903) Basel, 23. bis 28. August 1903
- Date
- 1903-01-01
- Page
- Seite 33 (sequence 34)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 33 — (Die Sitzung wird um 4 Uhr 40 Min. unterbrochen. — Wiederaufnahme der Sitzung um 5 Uhr 20 Min.) Präs. Dr. HerzI: Das Wort hat Herr Dr. F a r b s t e i n. Del. Dr. Farbstein: Herr Präsident! Meine Herren! Ich spreche hier weniger in meinem eigenen Namen, wenn ich auch den Antrag in unserer Landmarinschaft selbst gestellt habe, denn als Vertreter der schweizerischen Landsmannschaft. Ich glaube, es wird überhaupt in formeller Hinsicht richtiger sein, wenn gelegentlich dieser Debatte mehr die Vertreter der einzelnen Landsmannschaften das Wort nehmen, um den Standpunkt ihrer Landsmannschaften zu vertreten, weil sonst die Debatte ins Uferlose ausarten und man über alles mögliche sprechen und sehr viel Zeit vertrödeln wird, ohne schliesslich zu einem Beschlüsse zu kommen. Wir haben deshalb in unserer Landsmannschaft beschlossen, Generalredner zu stellen und ich werde auch in diesem Sinne sprechen. Hauptsächlich hat uns die Eröffnungsrede des Präsidenten und des Aktions-Comites interessiert. Zum Berichte selbst haben wir keine Stellung genommen, weil es sich hier einerseits um Zahlen im finanziellen Berichte handelt, andererseits in dem Berichte, der uns von Herrn Architekt Marmorek verlesen wurde, eine fortschreitende Entwicklung und befriedigende Zunahme der gesamten zionistischen Bewegung konstatiert wird, was wir nur begrüssen können, was uns jedoch keine Veranlassung zu irgend welcher Bemerkung gibt. Wir glauben, wenn irgend eine wichtige Frage dem Kongresse vorliegt, so ist es die im Berichte des Herrn Präsidenten des Aktions-Comites aufgeworfene Frage von Ostafrika. Sie ist die wichtigste, die brennendste, man könnte sagen, sie ist der Kernpunkt des gesamten Kongresses. Wenn ich auch persönlich vielleicht diesen exklusiven Palästinaer nationalen Standpunkt nicht so scharf betonen werde wie die anderen, so wird man mir doch glauben, dass ich in meinem ganzen Innern, vom Scheitel bis zur Sohle, ebenso denke wie diejenigen, die sagen: wir wollen nur Palästina und nichts anderes. Andererseits sehen aber insbesondere wir in Westeuropa lebenden Juden, noch dazu diejenigen, die in Osteuropa geboren sind, die traurige Lage der Gesamtmasse des jüdischen Volkes in Osteuropa. Wir können uns tagtäglich von der gewaltigen Emigration und von dem Zugrundegehen der Masse des jüdischen Volkes überzeugen, von dem Zugrundegehen nicht nur in ökonomischer, sondern auch in moralischer und intellektueller Beziehung. Man muss nur in einer der schweizerischen Städte leben, um das Elend zu merken, das unter den jüdischen Einwanderern aus Russland, Rumänien oder Galizien herrscht. Es ist nicht nur ein ökonomisches, sondern ein moralisches Elend und wir Zionisten wollen rieht in der Methode arbeiten, wie die sogenannten „Abwehrmänner", die alles so viel als möglich vertuschen wollen, nein, wir wollen offen sagen, dass diese Auswanderer nicht nur ökonomisch, sondern auch moralisch zugrunde gehen. Die Auswanderer sind meist ungelernte Arbeiter, welche in Länder kommen, deren Verhältnisse sie nicht kennen, und die nicht nur für sich selbst, sondern zum Teile auch für die anderen ein Unglück sind, deshalb ist es die erste und die allerwichtigste Frage für uns, wenn wir uns als Vertreter des jüdischen Volkes bezeichnen wollen, hier Abhilfe zu schaffen, damit den unglücklichen Auswanderern geholfen werde. Nun ist uns heute angedeutet worden, dass es für die nächste Zeit fast eine Unmöglichkeit sei, von einer grossen Kolonisation in Palästina oder auch nur einem Nachbarlande von Palästina zu sprechen, dagegen sei die Möglichkeit vorhanden, dass wir unter bestimmten Bedingungen einen Landesteil in Ostafrika bekommen, wo eine Kolonisation möglich wäre. Man könnte vielleicht sagen, es wäre richtig gewesen, wenn wir auch vor dem Kongress von diesem Antrage keine Ahnung gehabt hätten. Aber wir haben heute zum erstenmale davon Kenntnis bekommen und müssen o ■ >