Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 5 (1901) Basel, 26. bis 30. Dezember 1901
- Date
- 1901-01-01
- Page
- Seite 439 (sequence 439)
- Language
- German, English, Hebrew
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439 Daher verlangen wir nichts mehr, als was im Grundwesen des Judenthums gelegen ist. Wie ist sie aber zu verwirklichen? Welche Wege haben wir einzuschlagen? Welche präcisen Forderungen haben wir zu stellen? Diese richten sich nach den Quellen, aus denen wir unsere* geistige Gestaltung schöpfen. Dies sind die Familie, die Schule und dris Leben. In . der Familie muss wieder das religiöse und sittlich Interesse entstehen. Wieder muss nur der Glaube an Gott herrschen, müssen Materialismus und naturwissenschaftlicher Fetischismus entfernt werden. Es gibt nur eine Urkraft des Seins, des Werdens und Vergehens. Das lehrt jeder, der denkend Naturvorgänge beobachtet. Dem Hymnus an Gott im Buche Hiob steht Darwins und Humboldts Lob auf den Schöpfer zur Seite. — Es muss nur das Verhältnis zu Gott und zur Sittlichkeit der Massstab der Beurtheilung unter den Menschen sein. Keine MenschenfurcLt, nur Gottesfurcht! Der Lehrer stehe zuhöchst! Die Pfleger und Wecker d< s Geistes, die Eltern und Lehrer, seien der Leuchtthurm auf unserem Wege, die Zeiger für unsere Thaten! Verhöhnung des Lehrers, Geringschätzung des dienenden Erziehers weiden nicht geduldet! Nicht der Reiche und Ordengeschmückte, nicht der Titelträger sei unser Ideal! Nur der feste, sittliche Charakter ist der Wertschätzung würdig. Dieses sittliche Ideal im Handel und Wandel, im Erwerb und Schaffen ziehe in die jüdische Familie ein! Nach grösster Vollendung strebe der Jude und die Jüdin, nach sittlicher Freiheit, nach Billigkeit, nach Gerechtigkeit; in Wohlwollen gegen jedermann üben sie ihre Kraft! Regeneration der jüdischen Familie durch Weckung des religiös-sittlichen Ideals ist unsere zweite Forderung. Für die Weckung dieses obersten Erziehungszieles durch die Schule wirken alle wissenschaftlichen Pädagogen seit Herbart. Sie fordern eine Erziehungsschule für alle Kinder des Volkes. Da es aber eine fundamentale Verschiedenheit der Bevölkerungsclassen gibt, ist dieses Ideal nicht erreichbar. Darum müssen doch allen auf Bildung bedachten Schulen jene Momente gemeinsam sein, welche den sittlich-religiösen Charakter bilden können. Jede dieser Schulen soll darnach streben, „class dem Schüler das Sichversenken in religiöse Dinge ein Bedürfnis, der Umgang mit der Natur eine Quelle reinster Freude, die Gesellschaft grosser geschichtlicher Personen eine Erhebung, die Llingabe an alles Schöne und Edle eine Erquickung, das Forschen und Ringen nach Klarheit und Wahrheit eine Herzenssache werde". (Rein.) Neben der Erziehung muss aber auch für die beste Vorbildung zur Berufsthätigkeit ge-