Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 5 (1901) Basel, 26. bis 30. Dezember 1901
- Date
- 1901-01-01
- Page
- Seite 424 (sequence 424)
- Language
- German, English, Hebrew
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424: auch eine Hochschule durchgemacht; ich bin nicht gegen die Statistik. Wer dazu fähig ist. arbeitet auch in Statistik, das jüdische Volk wird ihm Dank sagen. Aber Besoldung? Kein! (Heiterkeit.) Wir halten an dem Principe unseres geehrten Herrn Präsidenten Dr. Herzl fest: Die Besoldung besteht nur in dem Danke des jüdischen Volkes, aber nicht in etwas Materiellem. Wenn jemand ein fertiges Werk liefert, so kann das A.-C. es für Geld erwerben, aber im voraus besoldete Beamte bestellen, das können wir nicht. Es handelt sich nicht darum, wie Herr Dr. Bernstein-Kohan erklärt hat, dass jemand gegen nationale Erziehung wäre, wir protestieren dagegen. Es handelt sicli nur darum, dass wir nicht Reden und Zwiespalt haben wollen, sondern Arbeit in den Vereinen. Alle Zionisten sind ganz frei, in der Cultur zu arbeiten, wie sie wollen; mag es religiöse oder nationale Erziehung sein, in dieser oder jener Art Cultur. Arbeiten Sie zum Gedeihen dies ganzen jüdischen Volkes! (Lebhafter Beifall.) Präsident Dr. Herzl: Wieder, wie schon so oft auf unseren Congressen, ist die Culturfrage1, und wieder in derselben Gestalt aufgetaucht. Gewöhnlich rindet uns, da wir zuerst die Lebensbedürfnisse der Bewegung zu versorgen liaben, diese Culturdebatte bereits in einem ziemlich erschöpften und gereizten Zustande, so dass es manchem scheinen mag. als wäre da eine Situation, aus der es keinen wie immer gearteten Ausweg gibt', ausser den Weg aus dem Saale hinaus. (Heiterkeit.) Nun habe ich aber aus Anlass eines Zwischenfalles, der sich früher bei der Wahl der Oulturcommission abgespielt hat. Herrn Dr. Bernstein-Kohan eine solche Erklärung abgegeben, von der ich glaubte, dass sie genügen würde, die Herren zur Rückkehr in den Saal zu veranlassen, und Sie können versichert sein, dass, da wir ein Missverständnis angenommen haben, ihre Rückkehr nichts ^anderes als Genugthuung erwecken würde. Dass man über eine Frage, welche sich so weit verzweigt und so vieles berührt, nicht ohne Debatte abstimmen lässt, darin liegt nicht eine Missachtung eines Antrages. Jetzt gehen wir in die Sache selbst ein. Erlauben Sie mir, dass ich einfach auf unsere Traditionen zurückgreife, und damit, hoffe ich, werde icli die Mitte zwischen beiden Parteien finden. Denn die einen können mir eine Tradition nicht übel nehmen, und die anderen können mir diese Tradition nicht übel nehmen, weil sie jung ist, weil sie erst einige Jahre alt ist. Ich erlaube mir, Sie an etwas zu erinnern, was ich auf dem ersten Congresse in einer ähnlichen Situation gesagt habe. Es war damals, als der Herr Rabbiner von Basel — Sie werden sieh wohl noch daran erinnern — zum Schlüsse auf die Tribüne gieng zu einer Anfrage, die ich im Einvernehmen mit dem Bureau damals in folgender Weise beantwortet habe (liest) : „Zunächst danke ich Sr. Ehrwürden Herrn Dr. Cohn für sein loyales Auftreten als unser bisheriger Gegner und für die Offenheit seiner Anfrage, die ich in 'ihren Einzelheiten gewiss nicht beantworten werde. Ich kann Sie versichern, der Zionismus beabsichtigt nichts, was die religiöse Ueberzeugung irgend einer Richtung innerhalb des Judenthums verletzen könnte. (Stürmischer Beifall.)"