Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 5 (1901) Basel, 26. bis 30. Dezember 1901
- Date
- 1901-01-01
- Page
- Seite 420 (sequence 420)
- Language
- German, English, Hebrew
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420 Vicepräsident Dr. TscTilenow: Ich bitte nunmehr. Generalredner zu wählen. (Del. Ben-Ami übersetzt dies ins Russische.) Vicepräsident Dr. Tschlenow: Herr Sokolow hat das Wort. Del. Sokolow: Meine Herren! Ich habe den Eindruck, dass hier ein grosses Missverständnis vorliegt, welches ein ganzes Tohu-wabohu angerichtet hat. Ich bin auch gegen die Cultm\ nicht wie Herr Rabbiner Remisch, der für die Cultur ist. (Heiterkeit.) Die Opposition gegen die Cultur überzeugt mich jedes Jahr, wie nöthig die Cultur ist, aber jetzt bin ich gegen die Cultur. Mein Antrag ist nicht für die Cultur, im Gegentheile, verurtheilen wir die Cultur von hier aus! Ich verlange nur, dass man der Bibliothek des Herrn Dr. Chasanowicz in Jerusalem eine gewisse Subvention geben soll. Ist jemand dagegen? (Lebh. Rufe: Nein!) Wenn jemand dagegen ist, soll er dagegen sprechen, ich bin tief gerührt von dem dolorosen Tone3 von der Drusehe, aber ich habe nicht gehört, dass darin etwas gegen gewisse Anträge enthalten gewesen wäre, die hier von dem Culturausschusse — pardon — von dem Ausschüsse (lebh. Heiterkeit) gestellt wurden. Und Avas war denn dieses ganze Verlassen des Saales? Dieses ganze Missverständnis? Der erste Antrag, die Bibliothek in Jerusalem zu unterstützen, ist nicht bestritten worden. Der weitere Antrag geht dahin, die Lage der Juden zu studieren und sie zu verbessern. Nun, um sie zu verbessern, muss man sie kennen, um sie zu kennen, muss man gewisse Studien machen. Zum Zwecke dieser Studien ist eine Commission nothwendig, und diese heisst „Statistische Commission". Nun frage ich, ob es nicht eine vollständige Begriffsverwirrung ist, wenn man gegen diesen Antrag im Namen der Religion auftritt. Was hat denn die Religion mit einem solchen Antrage zu thun? (Beifall.) Kann man vom religiösen, vom chassidischen Standpunkte gegen diesen Antrag- Stellung nehmen? Dann ist noch ein Antrag da. Man soll ein gewisses literarisches Unternehmen unterstützen, welches uns unter dem Namen „Jüdischer Verlag" vorgestellt wurde. Der „Jüdische Verlag" hat den Zweck, verschiedene Werke in UeherSetzungen zu verbreiten, Kunstwerke jüdischen Inhalts, darunter eins Werk, welches so wenig modern ist wie die Hagada schel pessach. (Heiterkeit.) Kann man gegen die Hagada schel pessach vom Standpunkte der Religion Stellung nehmen? (Heiterkeit und Beifall.) Hat man gegen die Anträger Stellung genommen? Man hat nur ein Phrasengetümmel hervorgerufen, dannhat man wieder allgemeine Fdrmeln hereingebracht, Cultur und Nichtcultur.. Der Jüdische Verlag ist doch nicht bestimmt, sich in irgendeine religiöse Richtung hineinzumischen. Jeder Verlag ist dazu bestimmt, das Judenthum zu verschönern, ein schönes, jüdisches Buch drucken zu lassen, um alte jüdische Bücher, welche durch ihr Aeusseres einen schlechten Eindruck machen, zu verschönern. Ich halte die ganze Discussion, die Auftritte, das Verlassen des Saales,, wovon mehrere sich keine Rechenschaft gegeben haben (Beifall und Rufe: Zuf Sache!) ---