Mannheim
Compact Memory

Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1901-01-01 · 5 (1901) Basel, 26. bis 30. Dezember 1901 · p. Seite 393

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
5 (1901) Basel, 26. bis 30. Dezember 1901
Date
1901-01-01
Page
Seite 393 (sequence 393)
Language
German, English, Hebrew
Belongs to
journal volume
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3476254-3476264--1767-3477904
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

393 benütze ich diese Gelegenheit und erlaube mir — ich glaube auch im Namen vieler jüdischer Studenten zu sprechen — dem Ausdruck zu geben, dass die Charakteristik, die auf dieser Tribüne von jüdischen Studenten gegeben wurde, nicht der Wirklichkeit entspricht (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Verehrter Congress! Wohl ist der Typus des jüdischen Studenten ein tragischer, aber durchaus kein negativer; denn er hat sehr viel Positives. (Beifall und Händeklatschen.) Man könnte wohl die Tragik des jüdischen Studenten schildern, und diese Tragik könnte sich mancher zum Muster nehmen. Das, was als negativ hervorgehoben wurde, beruht vielleicht auf Zufall. Wir wollen gar nicht sagen, dass es nicht Bettelstudenten unter den jüdischen Studenten gibt; dass es aber eine allgemeine Erscheinung ist, das ist entschieden unrichtig. Der Typus des Bettelstudenten ist nicht specifisch jüdisch. Es sind die Begriffe verwechselt worden, weil sich der jüdische Student, der nach dem Auslande geht, mit wenigem begnügt und dank seinem Wissensdranges der von Dr. Nordau in Abrede gestellt wurde, einen harten Kampf führt, um zum Ziele zu kommen, und zwar durchaus nicht als Glücksspieler, sondern als bewusster Kämpfer und bewusster Sieger. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Ich habe auch als jüdischer Student in dieser Hinsicht meine Pflicht erfüllt. (Beifall.) Kabbin er Räbbmowiiscli (mit lebhaftem Beifall und Händeklatschen begrüsst): Ich habe vier Congressen beigewohnt und die Beobachtung gemacht, dass der Congress sich in zwei Parteien spaltet. Es gibt praktische und theoretische Zionisten. Wenn auf jedem Congresse über die Culturfragen disputiert wird, so beruht das auf einem Missverständnisse. Die praktischen Zionisten und die Cultur-Zionisten befinden sich nicht in einem Gegensatze; auch die praktischen Zionisten sind für die Cultur und die Cultur-Zionisten für Praxis. Das ist die Wahrheit. Das Missverständnis dreht sich nur darum, wie man die „Cultur11 organisieren soll. Ich könnte Ihnen statistisch nachweisen, dass ich sogar in meinem Rayon, wo doch manche glauben, ich sei gegen die Cultur, für die Cultur mehr geleistet habe, als es in anderen Rayons geschieht. Die Frage, um die es sich hier dreht, ist in zwei Theile zu theilen, nämlich ob der Congress den Auftrag ertheilen soll, dass man Culturarbeit zu besorgen hat, oder ob er über die Sache zur Tagesordnung übergeht und wir selbst es machen sollen, wie wir es verstehen. Es ist möglich, dass das Wort „Cultur" vielen Orthodoxen zu einem Schreckbilde geworden ist. Wir können ihnen ja erklären, dass sie sich davor nicht zu s-chrecken brauchen; wenn sie sich aber doch schrecken, so muss man eben dasjenige vermeiden, was ihnen Besorgnis einüösst, und thatsächlich haben auch die Orthodoxen Grund zur Besorgnis, Wir haben von keinem derjenigen, die für die Cultur eintreten, gehört.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.