Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 5 (1901) Basel, 26. bis 30. Dezember 1901
- Date
- 1901-01-01
- Page
- Seite 379 (sequence 379)
- Language
- German, English, Hebrew
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379 stenographischen Protokolls mittheilen, das wird vielleicht den Zweck erfüllen. (Zustimmung.) Del. Behr: Das dürfte doch nicht ausreichen und wäre es, glaube ich, besser, wenn Herr Rezek selbst uns eine kurze Darlegung geben würde. Del. Rezek: Ich bin in 2 Minuten fertig. Erlauben Sie, dass ich Ihnen eine kurze Skizze gebe. Ich habe mich nicht vorgedrängt, um Sie zu stören. Ich hätte gern beim Rechenschaftsberichte das Wort ergriffen, habe aber niemand um das Wort bringen wollen. Da ich jedoch ersucht wurde, zu sprechen, so bitte ich, mir wenige Minuten zu gönnen. Wir sind im ersten Jahre der Gründung des zionistischen Vereines in Prag zur Einsieht gekommen, dass es auch ein Ziel geben muss und zwar die Gegenwartsarbeit, die am "dritten Congresse beschlossen wurde. Wir haben eingesehen, dass wir unserem Mittel- und kleinen Gewerbestande unter die Arme greifen müssen, weil diese unterbunden sind und von Seite der grossen Banken nicht gehört werden. Wir sassen einmal bei einer Sitzung und fassten spontan den Beschluss, eine Volksvorschusscasse zu gründen. Ich will die Vorgeschichte erzählen, um zu zeigen, dass nichts so schwer ist, dass es nicht erreicht werden könnte. Wir waren fünf und haben jeder 2 fl. hergegeben zu den Vorarbeiten. Wir bildeten ein Comite, bestehend aus 12 Herren, welche ein Capital von 2000 fl. zustande gebracht haben. Wir haben die nöthige Action eingeleitet und in 14 Tagen über ein Capital von 20.000 K verfügt. Hiemit haben wir angefangen zu arbeiten. Ich muss noch sagen, dass wir von unseren grossen Juden in Prag verhöhnt wurden und dass die Banquiers und Bankdirectoren das ganze als Persiflage des Bankwesens angesehen haben. Wir haben angefangen zu arbeiten und bereits nach halbjährigem Bestände erzielt, dass wir armen Leuten Vorschüsse von ca. 120.000 K gewähren konnten. (Beifall.) Wir haben in 12 Monaten einen Umsatz von nahezu 90.000 K. erreicht und nebst einer 4y2percentigen Verzinsung der Antheile, welche 50.000 K ausmachen, einen Reingewinn von 7500 Iv erzielt. Hievon ist ein gewisser Theil zum Reservefonds geschlagen worden, so dass derselbe bereits 6000 K beträgt und 20 Percent, d. i. 700 K. zur zionistischen Bewegung. Sie sehen also, dass bei dieser Arbeit der Zionismus nicht vergessen wurde. Eins will ich aber bemerken. Wir arbeiten l1/, Jahre und haben noch nicht einen Kreuzer verloren; es ist ein Vergnügen, alle diese armen Juden zu sehen, wie sie ihren Verpflichtungen nachkommen und selbst die grossen Banken sagen, es stehe so etwas vereinzelt da, auch unter den christlichen Vorschusseassen. Wir haben uns dadurch die Achtimg der ersten Banken erworben, dass wTir thatsächlich nicht nur human vorgehen, sondern auch rigoros kaufmännisch und nur dort borgen, wo es noththut. Wir haben z. B. dieses Jahr 14 sogenannten Bettelstudenten, wie sie von Dr. Nordau genannt wurden, Gelegenheit gegeben, sorgenlos ihre Studien zu beendigen. (Beifall.) Wir haben 16 Aerzten, die in einer schrecklichen Lage waren, möglich gemacht, sieh zu etablieren. Wir haben einem armen Juden^ der von der Gnade seiner Cultusgemeinde abhängig war, zu seinem Handel mit Schweinsborsten 100 fl. geborgt, die er nach V/2 Jahren auf einmal zurückzahlen wollte, da er, wie er