Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 5 (1901) Basel, 26. bis 30. Dezember 1901
- Date
- 1901-01-01
- Page
- Seite 325 (sequence 325)
- Language
- German, English, Hebrew
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825 gungen einsehend, uns Eure Millionen anbietet und wir sie ablehnen werden. (Lebhafter Beifall.) Es gibt auch noch ein anderes, grosses Capital zum Nutzen der Juden, gleichfalls viele Millionen betragend, das Capital der Gesellschaft für Judenbekehrung (Heiterkeit). Diese Millionen, die man den Juden anbietet, wollen sie nicht anrühren. Diese beiden grossen Capitalien haben noch eine andere Aehnlichkeit: die Kosten eines Getauften und die Kosten eines Colonisten sind ungefähr dieselben. (Heiterkeit und Beifall.) Zwischen diesen beiden zum Hohne aufgehäuften Capitalien leiden und sterben die Juden von Kussland und Kumänien. Die Missionäre sagen: Tauft Euch! Die Hirsch'sehen Testamentsvollstrecker sagen: Bettelt! Der Zionismus sagt: Arbeitet! (Stürmischer Beifall.) Denn der Zionismus bezweckt nicht, das Volk Israels in Bettler zu verwandeln, sondern das Land Israels zu erlösen, und darum bitte ich Sie, Ihr Geld nicht zu zerbröckeln, indem Sie hie und da kleine Geschäftchen einleiten, wenn sie auch noch so viel Nutzen abwerfen; denn dann wäre Ihr Capital festgelegt und nicht zur Verfügung, wenn einmal eine grosse Summe nöthig wird. Benützen Sie Ihr Geld bloss dazu, für unser wanderndes Volk eine Heimstätte zu bereiten. Unsere letzte Heimat ist, ach, in Kuinen und Trümmern, und doch, wenn sie nicht in Trümmern läge, wäre sie nicht menschenleer und würde nicht auf uns warten.- Kein Almosen den Juden, sondern bloss ihren Antheil an der agriculturellen und industriellen Entwicklung Palästinas! Nicht ungeduldig werden, nicht auf die hören, die fragen, was ist Neues in diesen Congressen beschlossen worden? Neues? Glauben Sie vielleicht, dass wir Wunder thun können, dass wir Wasser in Wein verwandeln können? (Lebhafter Beifall!) Im Jahre 68, als Titus um Jerusalem schlich, da entwischte der Vater des Anti-Zionismus, Jochanan ben Sakkai, aus der heiligen Stadt in einem Sarg und floh ins römische Lager. Er war überzeugt, dass die Juden ohne Land leben können, bloss von ihrer Thora. Heute, 1833 Jahre später, stehe ich hier und seine Delegierte aus allen Ländern der Diaspora, die immer noch rufen: Wenn ich dein vergässe, Jerusalem, möge meine Kechte verdorren! (Lebhafter Beifall und Händeklatschen. ) Das ist Wunder genug. Der Zionismus lebt und der Anti- Zionismüs ist wieder einmal im Sarge. (Heiterkeit.) Was sind fünf Jahre im Leben einer Nation? Fünf Jahre, nachdem wir 1800 Jahre gewartet haben! Mag sein, dass es keinem von uns bestimmt ist, die grossen Hoffnungen sich erfüllen zu sehen, mag sein, dass Dr. Herzi, wie einst Moses, nur von ferne das verheissene Land sehen wird, aber selbst in diesem Falle sind wir zufrieden, wenn wir dazu beigetragen haben, für die Zukunft eine praktische Politik vorzubereiten. Auch dann sind wir zufrieden, wenn von uns einst geschrieben wird: Sie fanden das Chaos und die Zersetzung, und sie hinterliessen Idealismus und einen Zweck. (Lebhafter Beifall.) Aber obschon wir auch zu-