Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 5 (1901) Basel, 26. bis 30. Dezember 1901
- Date
- 1901-01-01
- Page
- Seite 319 (sequence 319)
- Language
- German, English, Hebrew
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319legierte Zangwill., schon lange vorher an der zionistischen Bewegung eifrig und thätig theilgenommen hat. (Lebhafter Beifall.) Den Antrag, den er einbringen will, und dessen Begründung wird Ihnen, nachdem er ihn vorgebracht hat, von Dr. Nordan verdeutscht werden. Das Wort hat der Delegierte Zangwill. Del. Zangwill (spricht englisch). (Stürmischer Beifall und Händeklatschen.) Dr. Nordau (übersetzt) : Zu Ihrem grossen Congress, der jetzt in seinen fünften Sommer tritt — denn selbst, wenn Sie im Winter zusammenkommen, beschert Ihnen der Himmel einen Sommer — habe ich die Ehre, als Delegierter aus dem grossen Lande zu kommen, das Sie zum Sitze der Jüdischen Oolonialbank gewählt haben. Trotzdem rufen die Juden jenes Landes immer noch nach positiven Dingen. Wir Engländer sind praktisch, sagen sie. Sie vergessen vielleicht, dass für die Welt England nicht bloss Handel, sondern auch Shakespeare bedeutet, und dass es eine Engländerin (George Eiliot) war, die zuerst in jenem Lande den Zionismus gepredigt hat. Immerhin, ich will einmal englisch im niedrigen Sinne des Wortes sein, ich will so praktisch sein, wie es sieh für einen richtigen, eingeborenen Briten geziemt; denn anders als so viele englische Juden, bin ich ein richtiger eingeborener Engländer. Ich will von den „Luftmenschem*' absehen, ich will einen Antrag stellen, und dieser Antrag wird sich auf Geld beziehen. Wie Sie wissen, hat auch Herr Dr. Herzl von Geld gesprochen, so sehr, dass man ihn einen Materialisten genannt hat, aber wenn er nicht von Geld gesprochen hätte, so würde man ihn sicherlich einen Idealisten genannt haben. (Heiterkeit und Beifall.) Was in Aesops Eabel der Wolf dem Lamm sagte, ist wohl bekannt, und es ist wunderbar, wie sehr die Unterhaltung des Affen, des Esels und des Fuchses den Aeusserungen jenes Wolfes gleichen. Dr. Herzl sagte zu den Juden: „Gebt mir zwei Millionen, und ich will Grosses tlmn." Er bekam nicht einmal ein Viertel dieser zwei Millionen, und dann riefen alle Juden, die ihr Geld in ihren Taschen behalten hatten: Träumer, wo ist das Grosse? (Heiterkeit und lebhafter Beifall.) Das erinnert mich an eine Geschichte, die in einem Dorfe, ich weiss nicht wo, sich zugetragen hat. Die Vorsteher der jüdischen Gemeinde beschlossen, dem Babbiner ein Fass Wein zu stiften. Jeder Familienvater hatte einen Liter beizusteuern. Das Fass wurde von Haus zu Haus gerollt; einige wenige gewissenhafte Leute gössen guten Wein hinein, aber die Mehrheit schüttete Wasser zu; denn jeder dachte, was kann das machen, ein Liter Wasser in so viel Wein? (Heiterkeit und Beifall.) Kurz darauf feierte man das Bar-Mizwah- Fest des Sohnes des Babbiners, und der Babbi lud die Gemeindevorsteher zu sich. Der Wein war für diese Gelegenheit aufgespart worden imd wurde ihnen vorgesetzt, l^un denken Sie sich den Abscheu