Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 5 (1901) Basel, 26. bis 30. Dezember 1901
- Date
- 1901-01-01
- Page
- Seite 288 (sequence 288)
- Language
- German, English, Hebrew
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288 wer nicht will. Es wird doch niemand irregeführt, es wird jedem gesagt, was er thut. Von Ihnen hängt es ab, ob Sie die Arbeit der Penelope machen und in unseren Nächten dasjenige wieder auftrennen wollen, was wir bei Tage genäht haben. Del. Shaier: Ich denke., dass die Frage des Nationalfonds die Meinungen nicht besonders zu spalten braucht. Im Principe sind wir doch alle damit einverstanden, dass in der heutigen Gesellschaft das Geld eine Hauptrolle spielt. Wenn das jüdische Volk sich selbst helfen will, so muss es absolut Geld dazu haben. Die Schwierigkeit liegt nicht in der juristisch-technischen Seite; wir haben doch, Gott sei Dank, genug Doctoren, welche die technischen Vorbedingungen leicht schaffen können. Das Schwerste ist, wie man das Geld beschafft. Zu diesem Zwecke möchte ich einige Minuten Ihrer Zeit für einen praktischen Gedanken in Anspruch nehmen. Speciell bei uns 'Juden werden sehr viele Collecten veranstaltet. Ich möchte sagen, man steckt fortwährend die Hand in die Tasche und zieht Geld heraus, es wird fortwährend für die Chewre gezahlt. Wenn der Zionismus dieselbe Eichtling einschlägt, wie die alten Chewres, so fürchte ich sehr, dass der ISTationalfonds nicht jene Stufe erreichen wird, die er erreichen sollte. Meiner Ansicht nach sollte er einen Weg einschlagen, dem eine tiefere Idee zugrunde liegt. Den Verkauf der Marken, der hier proponiert wird, halte ich nicht für das beste Mittel. Ich ■erlaube mir Folgendes vorzuschlagen: Jeder ausgesprochene Zionist und jeder, der mit dem Zionismus sympathisiert, soll einen Tag im Jahre bereit sein, sieh irgend einen Luxus, an den er gewöhnt ist, zu verweigern. Es gibt in England eine Partei, die unter dem Namen der Heilsarmee bekannt ist. Es ist dies eine christlich-religiöse Partei, die sich aus dem Volke bildet. Das Volk ist ein sehr armes, der General Booth aber spendet jedes Jahr ungeheure Summen für die Unterstützung der armen Leute. Das Geld kommt in erster Linie von den armen Classen. Woher beschafft er also so ungeheure Summen, wenn er auch von Zeit zu Zeit grössere Summen von Millionären bekommt? Arme Mädchen, die bei der Zündhölzchen-Fabrieation arbeiten, arme Frauen, welche dienen und Wäsche waschen, versagen sich einen Tag den Kaffee oder das Bier oder dgl., und auf diese Weise wird das Geld aufgebracht. Die jüdische Religion hat in ihrer Vergangenheit ein grossartiges Princip durchgeführt: Sie hat für das ganze jüdische Volk, ob reich oder arm, ob klug oder einfältig, ob Mann oder Frau, gewisse Tage der Verleugnung, gewisse Fasttage festgesetzt. An diesen Tagen darf sich keiner vergnügen, er muss sieh Entbehrungen auferlegen. Wir haben neue Ideen: Bei uns ist es die heilige nationale Idee, welche alle Classen, Strenggäubige und Freidenker, verbindet. Es wäre ganz am Platze, wenn die Zionisten sagen würden: Wir sind durch eine grossartige Idee vereinigt, wir sind bereit, ein Opfer für die Idee zu bringen, und zwar alle an einem Tage im Jahre. Fast jeder Mann raucht doch z. B., die Reichen gute, die Armen billige Cigarren. Wenn wir nun bestimmen, dass an einem gewissen Tage sich jeder diesen Luxus zu versagen hat und das Geld dafür dem Nationalfonds zufallen soll, so werden eben die Armen nach ihren Kräften und die Reichen nach den ihren geben. Sie können ja dafür oder dagegen votieren, aber meiner Ansicht nach