Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 5 (1901) Basel, 26. bis 30. Dezember 1901
- Date
- 1901-01-01
- Page
- Seite 283 (sequence 283)
- Language
- German, English, Hebrew
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3476254-3476264--1657-3477794- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
283 dem jüdischen Xationalfonds entzogen werden. In meinem Heimatlande Böhmen werden nach statistischen Daten durchschnittlich pro Tag fünf Ehen geschlossen. Wenn ich annehme, dass zu jeder einzelnen 50 Depeschen einlaufen, so macht das zusammen 250 Depeschen täglich. Wenn ich weiter annehme, dass jede Depesche eine Krone kostet, so werden dem Jüdischen Xationalfond in Böhmen auf diese Weise jährlich nahezu 100.000 Kronen entzogen. Ich wage gar nicht, die Ziffer auszusprechen, wie viel das in allen Ländern ausmacht. Ich beantrage, die Commission möge Mittel und Wege suchen, auf welche Weise diese enormen Beträge dem Xationalfonds zugewendet werden könnten. 'ODel. Dr. Pasmanik: Ein Herr theilt mir mit, ein Redner hätte vorgeschlagen, dass man den Xationalfonds auch dazu benützen solle; eine Universität in Palästina zu schaffen. Da wir uns über die Ciüturfrage noch nicht ausgesprochen haben, bevor ein Beschluss über die Fragen cultureller Eichtling .gefasst werde, sollen wir über die Universität in Palästina nicht sprechen, sondern sagen, dass wir den Xationalfonds nur für den Landkauf bestimmen. Präsident Dr. Herzl: Das steht ja im Entwürfe. Ich constatiere, dass ich schon in einer früheren Sitzung die Herren Delegierten darauf aufmerksam gemacht habe., dass der Entwurf im Druck vertheilt worden ist. Auf der einen Seite verlangt man immer die Vertheilimg der Entwürfe, auf der anderen liest man sie nicht. Del. Lourie jr.: Es müsste im Entwürfe stehen, denn der Xationalfonds steht ja zur Verfügung des Congresses; was dieser damit thun wird, ist seine Sache. Präsfdent Dr. Herzl: Ich glaube, dass sich hier ein Irrtimm festgesetzt, dass man nicht verstanden hat, dass der Congress die dauernde Verfügung haben wird, und dass diese Verfügung selbstverständlich bei einem Vertretungskörper in den Beschlüssen besteht, die er fasst. Xun haben wir die künftigen Beschlüsse nicht nur nicht ausgeschlossen, sondern ausdrücklich vorbehalten. Es sind also alle Hechte, die man dem Congresse wahren will, im Entwürfe ohnehin wahrgenommen. Was wir wollen, ist nicht eine unfruchtbare Arbeit durch Commissionen, die etwas thun oder nicht thun, sieh versammeln oder nicht versammeln — wir haben in dieser Richtung Erfahrungen — sondern wenn wir vorwärts kommen wollen, so schaffen wir jetzt etwas. Es zu verbessern, bleibt uns die Möglichkeit, weil wir uns doch hoffentlich wieder versammeln werden und nach dem uns vorbehaltenen entwurfgemässen, dann statutengemässen Hechte diejenigen Aenderungen und Verbesserungen vornehmen, welche die. Vertreter des jüdischen Volkes für richtig halten. Was ich jetzt gesagt habe, ist eine Interpretation des Entwurfes, die ja im stenographischen Protokoll enthalten sein wird, und die jeden Zweifel für die Zukunft ausschliesst. Sie müssen uns recht verstehen. Wir wollen nicht, dass man, nachdem wir durch Jahre die Möglichkeit gesucht haben, diesen Xationalfonds, von dem man immer spricht, herzustellen, jetzt wieder auseinandergeht, ohne ein Werk geschaffen zu haben. (Beifall.) Vieepräsident Dr. Tschlenoi.c: Ich habe noch eine Mittheilung zu machen.