Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 5 (1901) Basel, 26. bis 30. Dezember 1901
- Date
- 1901-01-01
- Page
- Seite 273 (sequence 273)
- Language
- German, English, Hebrew
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273 Ich beantrage, dass ein Aussehiiss von Rechtsgelehrten gewählt werde, 4er sich mit dieser Frage beschäftige und eine juristische Person gründe, die das jüdische Volk repräsentiert und Eigenthümer des Nationalfonds bleiben soll. Del. Gabriel: Meine Herren! Gestatten Sie mir., einen abweichenden Standpunkt von dem des Vorredners einzunehmen betreffs des Nationalfonds. Ich möchte mir erlauben, vor allem einige praktische Winke zu geben zur Ausgestaltung des Nationalfonds. Ich bin der Ansicht, dass unsere Wähler, die uns hierher geschickt haben, etwas praktische Politik zu treiben wünschen und erwarten, dass wir nicht mit leeren Händen zu ihnen zurückkehren. Die Colonialbank bleibt uns einstweilen verschlossen, wir haben noch kein Anrecht, irgendwelche Anforderungen an dieselbe zu stellen, so bleibt uns nur übrig, den Nationalfonds für praktische Zwecke zu verwerten. Wir liaben aus dem Referate Nordau gehört, dass die erste Aufgabe sein muss, etwas Praktisches zu erzielen. Ich glaube, da ist der Nationalfonds nicht geeignet, daraus Nutzen zu ziehen. Ich glaube, dass der Fonds das beste Instrument sein wird, um z. B. bei einer Auswanderung aus Rumänien u. s. w. aus den Zinsen praktischen Nutzen zu ziehen, also gerade daraus Handwerker u. dgl. zu unterstützen, eine neue Bewegung entstehen zu lassen dort, wo es nothwendig ist, und vor allen Dingen aus den Zinsen dieses Capitals das zu leisten, was Dr. Nordau ausgeführt hat: praktisch zu arbeiten, diejenigen zu unterstützen, die es nöthig haben, den Handwerkern und Arbeitern Gelegenheit zu geben, sich zu organisieren und ihre Arbeitskraft besser zu verwerten. Nun gestatten Sie mir, auch einige Winke zu geben, wie wir dem Nationalfonds Geld zuführen können. Ich glaube, es wird in jeder Familie, von jedem von uns im Laufe eines Jahres sehr viel Geld für Zwecke ausgegeben, die nicht nothwendig sind oder die erspart werden können. Wenn auf irgend jemand das Wort unserer alten Weisen.......passt, so ist es, glaube ich,, auf uns Zionisten anwendbar. Denn es werden von den Juden der ganzen Welt Capitalien gesammelt und Unterstützungen gegeben an arme Juden, während bisher für den Zionismus sich noch keine Hand gerührt hat mit Ausnahme derjenigen, die sich zum Zionismus bekennen. Deshalb ist es nothwendig, dass wir nicht nur die Zionisten, sondern auch alle diejenigen, auf die wir Einfluss haben, veranlassen, bei jeder passenden Gelegenheit das Geld, das sonst anderen wohlfhätigen Zwecken geopfert wird, für den Nationalfonds zu opfern. Wer das Unglück hatte, Vater und Mutter zu verlieren und bei Jahrzeiten oder sonstigen Gelegenheiten zum Andenken irgend einer seligen, verklärten Angehörigen etwas spendet, oder wer seine Eltern besitzt und bei freudigen Anlässen sich wohlthätig erweist, der widme künftig diese Beträge dem Nationalfonds. Ich glaube, dass eine erkleckliche Summe herauskommen wird und dass wir nach einiger Zeit in der Lage sein werden, aus den Zinsen -dieses Fonds — der Fonds selbst soll unantastbar bleiben — Unterstützungen zu geben, die etwas repräsentieren. Ich wollte namentlich der Commission ganz besonders ans Herz legen,, ihr Augenmerk darauf zu richten, den Nationalfonds nicht nur vom idealen^ --sondern auch vom praktischen Standpunkte aus zu betrachten, denselben zu 18