Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 5 (1901) Basel, 26. bis 30. Dezember 1901
- Date
- 1901-01-01
- Page
- Seite 237 (sequence 237)
- Language
- German, English, Hebrew
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237 Auf den Einwurf, dass das Alniosenpolitik sei., möchte ich unseren hochverehrten Herrn Präsidenten fragen: Glaubt er, dass wirklich das ganze jüdische Volk übergeführt werden soll oder kann? Es wird unbedingt Nein sagen, und trotzdem sagt er, die zionistische Bewegung soll das ganze jüdische Volk umfassen. Unter welchem Rechtstitel können wir Anspruch auf den Beitritt derjenigen erheben, die gar nicht daran denken, auszuwandern? Ich erinnere Sie an einen Fall, der kürzlich bei einer Versammlung vorfiel, als es sich um die Berliner Gemeindewahlen handelte. Da sagte unser berufenster Vertreter, Dr. Friedemann: Glauben Sie denn, wir wollen nach Palästina? Was ist das für ein Widerspruch, wenn der erste Repräsentant der zionistischen Bewegung in Berlin — und das ist ein hochwichtiger Ort für unsere Bewegung — offen und laut in einer der grössten Versammlungen, die wir gehabt haben, erklärt: Wir denken gar nicht daran, nach Palästina zu gehen. Ich mache darauf aufmerksam, dass, auch ohne an eine Auswanderung zu denken, auch in den Ländern, wo wir jetzt wohnen, viel nationale Arbeit im besten Sinne auszuführen ist. Wir wollen nicht auf diesen Theil des jüdischen Volkes verzichten. (Unruhe, Widerspruch und Schlussrufe.) Nun kommt aber noch ein Factor dieses ersten Baseler Programmsatzes in Betracht. Da ich mich hier auf ein etwas gefährliches Gebiet begebe, möchte ich meine Bemerkungen mit einem Citate aus einer berühmt gewordenen Bede des Herrn Dr. Max Nordau einleiten. Er hat in seinem Vortrage „Der Zionismus und seine Gegner" verschiedener Einwürfe erwähnt und sie sehr kurz und treffend beantwortet. Er hat bemerkt, unsere Gegner sagen, Palästina könne die Juden gar nicht fassen. Es kann aber 12—15 Millionen Menschen fassen, wohlverstanden: mit seinen Nachbarländern. Das hat Herr Dr. Nordau gesagt. (Neuerliche Schlussrufe.) Ich mache Sie nun aufmerksam, dass ein sehr wesentlicher und wichtiger Theil des jüdischen Volkes sehr gut rechnet und sehr wohl die realen Factoren in Betracht zieht. Wenn wir diesen nüchternen Leuten etwas vorlegen, was ausführbar ist, werden sie zu uns kommen. Wenn sie aber einen groben Fehler in unserem Programm finden, so kann uns dies ausserordentlich schaden und uns grosse Kreise verschliessen, die für uns zu haben wären. Nun ergibt ein Blick auf die Statistik,, dass Palästina ein Land von 29 km2 ist. (Hufe: Das genügt!) Wenn wir für Palästina eine Bevölkerung von der Dichtigkeit annehmen, wie sie ein so hochentwickelter Staat, wie Deutschland hat, nämlich 100 auf den km2, so würde clies für Palästina eine Bevölkerungsmöglichkeit von .2,900.000 ergeben, resp. da schon 600.000 dort sind, von 2,300.000. (Hufe: Syrien!) Wir haben im Programm nur Palästina. Sie interpretieren Palästina und Syrien. Ich würde vorschlagen: wir interpretieren Palästina und seine Nachbarländer, und zwar aus folgenden Gründen: Ich habe bei einer früheren Gelegenheit gesagt, dass Syrien uns nicht so nahe und nicht so zugänglich ist von Palästina aus, wie die meisten glauben. Unmittelbar an das streng palästinensische Gebiet schliesst sich an der christliche Libanon, dessen Christenheit und Autonomie von England, Frankreich und Bussland gewährleistet ist. Dies ist also in absehbarer Zukunft nicht :zu überbrücken. Im Osten davon liegt die Stadt und das städtische Gebiet