Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 5 (1901) Basel, 26. bis 30. Dezember 1901
- Date
- 1901-01-01
- Page
- Seite 197 (sequence 197)
- Language
- German, English, Hebrew
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3476254-3476264--1571-3477708- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
197 : Brotsehratik betrachten, er wird sich nicht anklagen, dass die Schuld an ihm liege,; sein Unwille wird gegen den Juden gerichtet sein, in ihmfindet er den Mann, der sich nicht in der allgemeinen Bevölkerung verliert, für ihn wird der. Jude „Ausländertf sein, der Eindringling, der Beeinträchtiger seines Gewerbes. Es wird nichts nützen; dass dieser Jude, den er anklagt, sein Gewerbe beeinträchtigt zu haben, gleich ihm in England geboren wurde. In der That, die Vermehrung der Juden in den letzten Jahren, welche vielen Beobachtern nach stattgefunden haben soll, ist nicht so sehr den Einwanderungen zuzuschreiben, als der naturgemässen Vermehrung der inländischen jüdischen Bevölkerung; aber da wird kein Unterschied gemacht, alle werden als Ausländer betrachtet.. Eine einzige Thatsache wird beweisen können, dass meine Ansieht über die Ursache der Vermehrung der jüdischen Bevölkerung im Ostende Londons nicht unrichtig ist. Im Jahre 1894 belief sich die Anzahl der jüdischen Kinder, welche die Elementarschulen besuchten, auf 15.964, und von diesen wurden 4799 im Auslande geboren. In 1901 hatte die Totalanzahl SM .295 oder ein Mehr von über 5t00 erreicht, während die Zahl derjenigen, welche auswärts geboren waren, sich nur um etwa 700 vermehrt und auf 5516 beliefern Dies ist umso merkwürdiger, wenn man die vermehrte Wachsamkeit; der Schulbehörden einerseits und die erhöhten Erleichterungen und Antriebe andererseits in Betracht zieht, welche Eltern, deren Kinder keinen Einlass in die Freisehulen finden konnten, geboten werden, ihre Kinder in die öffentlichen Volksschulen zu schicken, oder dass man ihnen dort Religionsunterricht geben werde, und zwar durch den „Jewish Religions Education Board". Nun denn, wenn, diese Thatsachen, wie ich behaupte, darauf hinausgehen, meine Behauptungen zu bekräftigen, so werden Sie sehen, dass das Geschrei gegen die Einwanderung von Ausländern nach England und die Einwanderang selbst bloss Seiten einer grösseren Frage bilden, welche den Juden Englands in naher Zukunft wahrscheinlich bevorsteht. In vieler Beziehung ist die . Aufgabe dieselbe wie in anderen Ländern. Ich brauche sie Ihnen nicht zu widerholen; sie kennen sie leider nur zu gut. Noch ist es ein Trost, dass in England wahrscheinlich die armen Juden zuerst von diesen Zuständen betroffen werden und dass der Einfluss der reicheren Juden Englands schliesslich doch nur ein geringer sei. Auch ist es kaum tröstlicher, dass die Ursachen in . England .zunächst ökonomischer'Natur seien, wie dies in anderen Ländern, nicht der Falkgewesen. Das Resultat wird dasselbe sein. Die Entartung unseres Volkes und der Judenschmerz werden ebenso schwer auf uns liegen. " Die englische Judenschaft denkt fast gar nicht an die Gefahr, die ihr bevorsteht. Die jüdische Aufgabe, die man zu lösen