Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 5 (1901) Basel, 26. bis 30. Dezember 1901
- Date
- 1901-01-01
- Page
- Seite 198 (sequence 198)
- Language
- German, English, Hebrew
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198 sucht, ist bloss localer Natur, der anstrengendste Versuch zur Hebung und Besserung ist Wolthätigkeit, so ausgezeichnet, wenn sie bloss mildernd, aber so lasterhaft, wenn man darauf besteht, dass sie ein Heilmittel sei. Es gibt sogar welche — ihre Anzahl ist zwar gering — welche in der That einen Gesetzentwurf willkommen heissen würden behufs Beschränkung der Einwanderung, und die in ihrer Dummheit sich einbilden, dass, wenn die paar Juden, die alljährlich von Russland und Polen hier ankommen, vom Landen verhindert werden würden, die jüdische Frage in England gelöst werden könnte. Natürlich — unter den Parlamentsmitgliedern, die sich zusammengethan, gesetzliche Beschränkungsmassregeln zu fördern, ist ein Jude. Freilich könnte eine solche Gemeinschaft nicht vollkommen sein, ohne wenigstens einen Juden in ihrer Mitte zu haben. Aber diese Juden vergessen, dass beschränkende Massregeln, die augenscheinlich gegen unsere Religionsgenossen gerichtet sind, einmal Gesetz geworden sind, ein ernster Streich gegen die vollkommene Gesetzesgleichheit der Juden, welche sie nach so langem Kampfe gewonnen, sind. Und, wenn einmal eine Spalte in die SeeschutzmauBr der jüdischen Freiheit, so unscheinbar sie auch scheinen mag, gemacht worden ist, wer könnte wissen oder vorhersagen, wie bald die Wogendes Vorurtheils ungehindert hindurchdringen, und wer sie überwältigen mag. Zuweilen hört man begründen: „Es ist sicher besser, nachzugeben und diese an und für sich schadlose „Alien Immigration Bill* anzunehmen und die Stellung der Juden in England zu reiten. Diese Leute erinnern mich an einen südafrikanischen Vogel, von welchem Livingstone in seinen Reisebeschreibungen erzählt. Er beschreibt ihn als einen dummen, stumpfsinnigen Vogel, eine Art Pelikan, welcher sich damit beschäftigt, am Ufer der Flüsse Fische zu fangen, welche er, sobald er sich ihrer versichert, dann in einen unter seinem Schnabel befindlichen Beutel steckt. Aber es lebt dort auch noch ein anderer Vogel —der sogenannte Fischfalke — dieser ist weder stumpfsinnig noch dumm. Dieser Fischfalke schwebt über dem Pelikan und wartet geduldig, bis jener einen Fisch gefangen; dann schiesst er plötzlich auf ihn herunter und nimmt den Fisch aus dem Beutel. Aber der Pelikan scheint sich nichts daraus zu machen, er freut sich sogar noch, dass der Falk nicht ihn selbst weggeschleppt. Es sollten doch sicher bessere Aussichten für die englische Judenschaft vorhanden sein, als die guten Rechte, die sie in 250 Jahren mühsam erworben, von ihren ärmeren Brüdern diebischerweise weggenommen zu sehen, schon zufrieden, dass ihre eigene Stellung allem Anscheine nach unangegriffen geblieben, obgleich es wohl keinem Zweifel unterliegen dürfte, dass dem nicht so sei; denn die Judenschaft irgend eines Landes — und man darf wohl sagen,die Judenschaftder ganzen Welt — ist zu homogen, als dass ein Finger betastet werden könnte, ohne